Bankenprozess : Landowsky bangt um seine Ehre

Nach 20 Monaten Verhandlung fällt am Mittwoch das Urteil im wichtigsten Prozess der Berliner Bankenaffäre. Klaus Landowsky und weitere Manager der Bankgesellschaft sehen sich unschuldig, sie könnten aber für Jahre hinter Gitter wandern.

Berlin - Wegen des Vorwurfs der schweren Untreue sind der frühere Berliner CDU-Politiker und Bankmanager Klaus Landowsky sowie zwölf weitere ehemalige Manager der Bankgesellschaft Berlin angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu vier Jahre Gefängnisstrafe, weil die Beschuldigten hohe Risiken bei der Vergabe von Krediten über 235 Millionen Euro an den Immobilienkonzern Aubis ignoriert hätten. Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück und forderten Freispruch.

Weil auch andere Kredite für Immobiliengeschäfte im Osten nicht zurückgezahlt wurden, geriet die landeseigene Bankgesellschaft in eine starke Schieflage. Das Land Berlin investierte 1,7 Milliarden Euro, um die Bankgesellschaft vor dem Ruin zu retten. Die bis dahin in Berlin regierende Koalition von CDU und SPD zerbrach in Folge der Krise.

Landowsky: Aubis-Pleite war nicht absehbar

In seinem Schlusswort hatte Landowsky, der Vorstandschef der Bank Berlin Hyp und CDU-Fraktionschef war, erklärt: "Ich kämpfe um meine Ehre". Die Pleite von Aubis sei nicht vorhersehbar gewesen. Die anderen früheren Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder äußerten sich ähnlich.

Die Staatsanwaltschaft und auch ein Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sehen es dagegen als erwiesen an, dass die Bankmanager bei ihren Immobiliengeschäften in Ost-Deutschland ihrer Pflicht zur Risikoüberprüfung "nicht ausreichend nachgekommen" seien. Man habe das Leerstands-Risiko übergangen, Mieteinnahmen bewusst zu hoch und Renovierungskosten zu niedrig angesetzt.

Die Banken hätten außerdem ignoriert, dass die Aubis-Inhaber Christian Neuling und Klaus Wienhold - zwei ehemalige CDU-Politiker - kaum Erfahrung mit Geschäften dieser Größenordnung gehabt hätten. Die Bankenaffäre war unter anderem dadurch ausgelöst worden, dass bekannt wurde, dass einer der beiden Aubis-Manager 40.000 Mark in bar als Parteispende an Landowsky übergeben hatte. (tso/dpa)

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