Nur woher soll das Geld kommen?

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BER-Desaster : Was wird da noch alles ausgegraben?

Der Berliner CDU-Fraktionschef, Florian Graf, warnt: „Sobald Klarheit darüber herrscht, ob und in welchem Umfang eine Beteiligung des Landes Berlins hier notwendig sein wird, werden wir einen Nachtragshaushalt stellen. Ich betone aber auch: neue Schulden dürfen hier nur das letzte aller Mittel sein.“

Wer kein Geld mehr hat, sollte im Prinzip auch keines mehr ausgeben. Allerdings könnte sich manche Sparmaßnahme später als teuer erweisen. So hatte der mittlerweile geschasste Chefplaner Manfred Körtgen im Mai Angebote von Projektplanern eingeholt, die das kniffelige Brandschutzproblem lösen sollen.

Ein Angebot machte etwa das Büro SMV aus Tiergarten, das schon am Hauptbahnhof und beim Neubau des Bundesinnenministeriums involviert gewesen war. Nach Tagesspiegel-Informationen wollte SMV zwei Ingenieure abstellen und drei weitere Experten hinzuziehen, die den Brandschutz beim Münchener Terminal 2 gemeistert hatten. 1,1 Millionen Euro verlangten die Planer für ihre Koordinierungsdienstleistung. Vor einer Woche sagten die Flughäfen ab. Man wolle das Problem intern lösen. Diesen Vorgang mochte Flughafen-Sprecher Leif Erichsen am Montag nicht kommentieren. Er verwies lediglich darauf, dass man beschlossen habe, externe Firmen künftig enger an sich binden zu wollen.

Eine Videoumfrage zum BER:

Video
Tegel: Hier landen und starten mindestens bis zum Spätsommer doch noch Flugzeuge.
Kopfschütteln über BER-Debakel

Auf der Ausgabenseite ist die Last also drückend. Und bei den Einnahmen sieht es kaum besser aus: Mit jedem Tag Nicht-Betrieb entgehen dem Betreiber Gebühreneinnahmen. Am Wochenende machte zudem ein Vorschlag die Runde, wonach der Flughafen in einigen Jahren die Namensrechte verkaufen, und gegen ein paar Millionen den Schriftzug „Willy Brandt“ durch ein Firmenlogo ersetzen könnte – so wie es Fußballklubs mit ihren Stadien machen. „Am Terminal steht der Name Willy Brandt und der bleibt auch da“, wischte Erichsen die Idee weg.

Publikumstag trotz verschobener Eröffnung - Eine Bildergalerie:

Der unfertige Flughafen
Dieter Dombrowski, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag bei einer Besichtigung der Baustelle des Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt (BER) im Terminal.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: dapd
09.07.2012 17:35Dieter Dombrowski, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag bei einer Besichtigung der...

Gleichwohl ist der Flughafenbetreiber offen für Werbepartner. So gibt es Verträge mit Konzernen, die am Flughafen optisch präsent sein werden. Insgesamt soll der Flughafen fast die Hälfte seiner Einnahmen mit Geschäftstätigkeiten einspielen, die nicht unmittelbar mit der Fliegerei zu tun haben; sprich Einzelhandel, Dienstleistungen und eben Werbung.

Unterdessen hatten am Montag Abgeordnete der Grünen und der CDU Einsicht in Unterlagen zum BER im Abgeordnetenhaus. Für Jochen Esser, Haushaltsexperte der Grünen, hat die Akteneinsicht „den Eindruck bestätigt, dass die Verantwortlichen den Überblick verloren haben“. Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher CDU, sagte nach der Sichtung: „Aus den Akten ergibt sich keine Grundlage für einen Untersuchungsausschuss“, aber man wolle sich dem nicht verschließen.

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