Berlin als Gesundheitsmetropole : Medizinmann Michael Müller

Der Regierende Bürgermeister hat bei der Gesundheitsstadt-Planung ausnahmsweise ein gutes Händchen bewiesen: Er setzt auf die richtigen Köpfe. Ein Kommentar.

Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin.
Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin.Pedersen/dpa

Die Berliner Sozialdemokraten wirken – während sie den Regierenden Bürgermeister stellen – ähnlich glücklos wie die Bundespartei. Die von der Berliner SPD geführte rot-rot-grüne Koalition kommt bei Lehrermangel, Mietenirrsinn und Nahverkehrsüberlastung kaum voran. In den Umfragen verlieren deshalb nicht Grüne und Linke an Zustimmung, sondern die von Michael Müller geführte SPD. Es ist also Zeit, auch mal auf einen Aspekt zu verweisen, bei dem der SPD-Mann trotzdem erfolgreich ist: Müller ist nicht nur Bürgermeister, sondern auch Wissenschaftssenator.

Regierender Bürgermeister beweist Gespür

Zwar kennt er sich in der Forschung ganz sicher nicht besser aus als in den notorischen Problemzonen der Stadt, beim Bauen und beim Verkehr. Doch Müller hat die immense Bedeutung von Forschung und Gesundheitsversorgung für die industriearme Stadt (noch) rechtzeitig erkannt – und sich entsprechendes Personal geholt. Tatsächlich laufen Medizinforschung, Biotechnik und Krankenversorgung in Berlin besser als in vielen anderen Städten, auch wenn die Rettungsstellen nach wie vor chronisch überfüllt sind. Um die Potenziale dieser Felder zu beurteilen und anschließend zu heben, setzt Müller jedenfalls auf die richtigen Köpfe.

Das war etwa der Fall, als er vor einem Jahr den Arzt und SPD-Bundespolitiker Karl Lauterbach bat, sich als Kopf einer Kommission mit dem Zustand von Wissenschaft und Krankenversorgung in Berlin zu befassen. Denn Lauterbach ist frei von lokalpatriotischen Sentimentalitäten (mit dem einen Charité-Campus verbindet er nicht mehr oder weniger als mit einem anderen Campus) und entsprechend deutlich in der Analyse („90 Prozent der Geräte in der Charité sind abgeschrieben“).

Boris Velter woanders einzusetzen, wäre Verschwendung

Die richtige Entscheidung hat Müller auch damit getroffen, dass er seinen Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach nach zähen Verhandlungen Heyo Kroemer als neuen Charité-Chef nach Berlin holen ließ. Dass der Pharmakologe Kroemer der Lauterbach-Kommission angehörte, wird die Umsetzung der Empfehlungen dieses Gremiums erleichtern.

Abermals Gespür bewiesen hat Senatschef Müller, als er den von Gesundheitssenatorin Dilek Kolat geschassten Staatssekretär Boris Velter nicht aufgeben wollte. Kolat und Velter hatten persönliche Schwierigkeiten miteinander. Velter aber ist ein unter Klinikleitern, Chefärzten und Krankenkassenexperten anerkannter Fachmann. Ihn mit Ersatzaufgaben außerhalb des Gesundheitswesens zu betrauen wäre Verschwendung. Nun soll er, auch wenn Müller das nicht bestätigt, die Modernisierung des Gesundheitswesens koordinieren.
Velter wäre dann der Mann, der Kliniken und Hochschulen, Gesundheits- und Wissenschaftsverwaltung so aufeinander abstimmt, dass sie gemeinsam an diesem Ziel arbeiten: aus dem vielversprechenden Gesundheitsstandort Berlin eine boomende Metropole der Medizinforschung zu machen.

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