Berlin-Brandenburg : Die NEB will Wasserstoff-Züge einsetzen

Mit dem Weniger an Schadstoffen wirbt die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) um Bundes- und Landesmittel. Das Projekt soll rund 35 Millionen Euro kosten.

Blauer Grüner. Der Brennstoffzellen-Zug absolviert schon Testfahrten.
Blauer Grüner. Der Brennstoffzellen-Zug absolviert schon Testfahrten.Foto: Alstom

Das könnte ein feiner Zug werden: Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) will auf ihren Strecken von Berlin nach Groß Schönebeck und Schmachtenhagen Züge einsetzen, die emissionsfrei fahren. Vier solcher Triebwagen könnten den Verkehr in die Schorfheide nördlich von Berlin übernehmen, schwebt NEB-Chef Detlef Bröcker vor. Das Fahrzeug gibt es bereits. Schon 2016 hatte die Firma Alstom auf der Berliner Eisenbahn-Fachmesse Innotrans einen Brennstoffzellen-Triebwagen vorgestellt, der inzwischen Testfahrten erfolgreich absolviert hat.

Nun will auch die NEB einsteigen – zusammen mit dem Energieunternehmen Enertrag und der Barnimer Energiegesellschaft (BEG), die das Projekt koordiniert. Enertrag könnte den Wasserstoff für die Brennstoffzelle liefern, die den Elektromotor des Zuges speist. Dazu müsste das Hybridkraftwerk bei Prenzlau erweitert werden, das weltweit erste seiner Art.

Es erzeugt seit 2011 Strom aus Windkraftanlagen. Bei geringer Nachfrage wird der überschüssige Strom genutzt, um per Elektrolyse Wasserstoff zu gewinnen, der in Tanks gelagert wird – bis er gebraucht wird. So stellt Enertrag grünen Wasserstoff aus uckermärkischer Windenergie her, werben die Projektpartner. Bisher wird für das Herstellen von Wasserstoff meist Erdgas oder Erdöl eingesetzt, was aufwendig und umweltfeindlich ist. Am Hybridkraftwerk bei Prenzlau sind auch Vattenfall, Total und die Deutsche Bahn beteiligt.

35 Millionen für die Öko-Bahn

Der Brennstoffzellen-Zug würde herkömmliche Dieselfahrzeuge ersetzen, die auch mit modernen Abgasreinigungsanlagen weiter Schadstoffe in die Luft pusten. Besonders geeignet sei der Coradia iLint genannte Zug für Strecken, auf denen sich der Bau einer Oberleitung für Züge mit Elektroantrieb nicht lohnt, wirbt Alstom. Dazu gehört die „Heidekrautbahn“, auf der seit 1905 Züge fahren. Einst brachten sie vorwiegend Ausflügler aus der Stadt in die Natur; heute ist sie ein wichtiger Zubringer für Pendler.

Rings um Berlin gibt es zahlreiche Nebenstrecken ohne Oberleitung, auf denen Dieselfahrzeuge unterwegs sind. Langfristig sollen sie durch umweltfreundlichere Typen ersetzt werden. Auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) berücksichtigt dies bereits in Streckenausschreibungen.

Allerdings ist das ökologische Fahren derzeit nicht zum Nulltarif zu haben. Um das Projekt umsetzen zu können, seien rund 35 Millionen Euro erforderlich, heißt es bei den Projektpartnern. Nur wenn das Vorhaben mit Bundes- und Landesmitteln gefördert werde, sei der komplett CO2-freie Schienenverkehr möglich. Das Konsortium strebe unter anderem eine Antragstellung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie an, teilten die Partner jetzt mit.

Weniger Diesel, weniger Lärm

Hersteller Alstom mit dem Stammsitz in Salzgitter und einem Werk in Stendal hat Erfahrung mit neuer Antriebstechnik. Erst vor wenigen Wochen hat Alstom dem Berliner Ableger des spanischen Unternehmens Talgo für das Werk an der Warschauer Straße eine Hybrid-Rangierlok geliefert, die einen Diesel- und einen Elektroantrieb hat. Dieser wird aus Batterien gespeist. Dadurch sollen 30 Prozent bis 60 Prozent weniger Diesel verbraucht werden. Außerdem ist die Lok im Batteriebetrieb leiser, was Anwohner bei nächtlichen Rangierfahrten ruhiger schlafen lässt.

Die Niederbarnimer Eisenbahn könnte mit den emissionsfreien Zugfahrten auch ihr Image wieder etwas aufpolieren. Fahrzeug- und Fahrermangel hatten Anfang des Jahres dazu geführt, dass zahlreiche Fahrten ausgefallen sind oder die fahrenden Züge total überfüllt waren. Die NEB fährt außer auf der „Heidekrautbahn“ auch auf anderen Strecken vorwiegend östlich von Berlin, wo sie Ausschreibungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg gewonnen hat.

Und dort hatte sie mit neuen Zügen Pech. Das Ausliefern und die Abnahme durch das Eisenbahn-Bundesamt von Triebwagen des polnischen Herstellers Pesa hatte sich erheblich verzögert. Die NEB musste deshalb länger als geplant alte – und geliehene – Fahrzeuge einsetzen. Die neuen Züge werden nicht so schnell abgelöst – auch wenn die mit Dieselantrieb fahren.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

31 Kommentare

Neuester Kommentar