Berlin-Bücher : Auf die Berge und durch die Wälder

Zwei neue Wegweiser gegen Tipps für Wanderungen durch Berlin

Zurück zur Natur. Warum nicht mal wieder in den Tegeler Forst?
Zurück zur Natur. Warum nicht mal wieder in den Tegeler Forst?Foto: imago/Schöning

Schade eigentlich. Eine „Prinzessin, die während der Johannisnacht aufsteigt und die gelben Teichrosen des Sees an den Saum ihres schwarzen Kleides steckt“, hat Theodor Fontane beim Durchstreifen der Müggelberge mit Abstecher zum dortigen Teufelssee nicht gesehen, auch kein der Sage nach in seinen Fluten untergegangenes Schloss ist dem Dichter zu Ehren wiederaufgetaucht. Er musste sich mit „drei harkenden Frauen“ bescheiden, „die so trefflich zur Herbstlandschaft stimmten und spukhaft genug waldeinwärts zeigten“, immerhin.

Aber vielleicht haben ja heutige Spaziergänger mehr Glück, wenn sie, in der einen Hand Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, in der anderen den gerade aktualisiert erschienenen „Bergführer Berlin“ die Köpenicker Anhöhen erkunden. Auf den literarischen Wandersmann machten sie den „Eindruck eines Gebirgsmodells“, „alles en miniature, aber doch nichts vergessen“.

Insgesamt 57 Berliner Erhebungen, natürliche, künstliche, sogar eine fiktive, werden in den Beiträgen von rund einem Dutzend Autoren vorgestellt, von A wie Ahrensfelder Berge bis W wie Windmühlenberg. Dabei ist genug Unbekanntes, um diesem Corona-Sommer selbst gleich vor der Haustür spannende oder auch kuriose Entdeckungen abzutrotzen. Wer weiß schon vom Malchower Mörderberg?

Doch nicht jeder will immer nur hoch hinaus. Manch einer legt für seine Stadterkundungen auch weniger Wert auf feuilletonistische, die nötigen Informationen mehr en passant bietenden Texte mit knappem Serviceteil, vielmehr auf präzise Anweisungen, wo entlang man zu spazieren hat, wie lange man dafür braucht und was es dort zu sehen gibt, samt Karte und von der Website des Verlags herunterladbaren GPS-Tracks. Ihm sei das ebenfalls gerade aktualisiert wiederaufgelegte Buch „Auf Försters Wegen“ empfohlen. Auch Autor Thorsten Wiehle von den Berliner Forsten verschlägt es auf einer seiner 42 Touren ans Ufer des Köpenicker Teufelssees, Fontane-Zitate sucht man bei ihm vergebens, erfährt stattdessen in Kurzform alles Nötige über die eiszeitliche Herkunft des Gewässers. Das ist auch ohne Prinzessin spannend.

M. Gerold, W. Griebel, H. Beutel (Hg.): Bergführer Berlin. Ein Stadtführer für urbane Gipfelstürmer. be.bra verlag. 200 Seiten, 176 farbige Abbildungen, 16 Euro

Thorsten Wiehle/Berliner Forsten: Auf Försters Wegen. Die schönsten Berliner Waldwanderungen. via reise verlag, 192 Seiten, ca. 100 Fotos, 14,95 Euro

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