Berlin-Bücher : Der Geschmack des Vollkommenen

Landschaftskünstler, Dandy, Exzentriker: Das Leben des genialen Fürsten von Pückler-Muskau in Bildern

Auf ewig vereint. Pückler ließ 1856 im Schlosspark Branitz eine Seepyramide, genannt Tumulus, anlegen - hier wollte er bestattet werden. Auch seine - offiziell von ihm geschiedene - Frau Lucie von Pückler-Muskau fand darin ihre letzte Ruhestätte.
Auf ewig vereint. Pückler ließ 1856 im Schlosspark Branitz eine Seepyramide, genannt Tumulus, anlegen - hier wollte er bestattet...Foto: Patrick Pleul/dpa

Von Pückler-Muskau! Das kann ja kein Mensch aussprechen, jedenfalls kein Brite. „Prince Pickle and Mustard“ (Prinz von Pökel und Mostrich), so verballhornte man im Königreich seinen Namen, als der deutsche Fürst dort herumreiste und in den höchsten Gesellschaftskreisen seine Aufwartung machte. Auf der Suche nach schönen Landschaftsgärten und reichen Erbinnen verbrachte Hermann Fürst von Pückler-Muskau ab1826 zweieinhalb Jahre in Großbritannien und fand dort viele Inspirationen für seine eigene Landschaftskunst in Bad Muskau und später in den Parks von Babelsberg und Branitz. Eine Erbin jedoch, die ihn durch Heirat von seinen Schulden erlöst hätte, war nicht aufzutreiben.

Da nützte es auch nichts, dass der 41-Jährige sorgfältig seine Haare färbte, was eine „wahre Qual“ für ihn war: „(...) eine demüthigende Erinnerung, dass ich alt bin und nur gezwungen noch den Jungen spiele, um ein Ziel zu erreichen, was an sich selbst vielleicht eine Plage mehr seyn, oder gar nicht erreicht werden wird.“ Diesen Stoßseufzer schickte der erfolglose Dandy an seine „Schnucke“, seine geschiedene Frau Lucie. Ihr, einer Tochter des Reformers Karl August von Hardenberg, berichtete er in einer Vielzahl von Briefen vom englischen Gesellschaftsleben und seiner Brautwerbung. Schließlich hatte Lucie höchstselbst die Scheidung initiiert, damit Pückler Geld für ihre gemeinsame Leidenschaft, die Gestaltung des Landschaftsparks Bad Muskau, heranschaffen konnte.

Eine lukrative Korrespondenz

Die Fürstin erkannte den literarischen Wert der lebendigen und humorvollen Briefe, sie wurden nach Pücklers Rückkehr unter dem Titel „Briefe eines Verstorbenen“ veröffentlicht. Das Buch machte Pückler in ganz Europa berühmt - und brachte zumindest einen Teil des Geldes ein, das Pückler sich von einer Hochzeit mit einer Britin erhofft hatte.

Anekdoten ohne Ende: Das Leben des Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) ist so verrückt und farbenfroh wie kaum ein anderes im 19. Jahrhundert, unerschöpflich, ein Feuerwerk. Seine Landschaftskunst, seine Bekanntschaft mit allen Großen seiner Zeit, seine Reisen in Europa und in den Orient, seine Genussfreude und sein Witz, das alles bietet überreichlich Stoff für Erzählungen, Ausstellungen und vor allem: Bilder. Das Berliner Publikum konnte sich zuletzt 2017 bei der Ausstellung „Pückler Babelsberg. Der grüne Fürst und die Kaiserin“ im Schloss Babelsberg einen sinnlichen Eindruck von Pücklers Leben und seiner Gartenkunst verschaffen. Kronprinz Wilhelm und seine Frau Auguste hatten Pückler 1843 den Auftrag erteilt, den Park Babelsberg zu gestalten - was er auch mithilfe von Baumpflanzmaschine und raffinierter Bewässerung bravourös bewerkstelligte. Eine Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle 2016 würdigte seine Gartenlandschaften in Bad Muskau, Babelsberg und Branitz bei Cottbus, begleitet von dem wunderschönen Bildband „Parkomanie“ (Prestel Verlag).

Ein Liebhaber des Orients

Und nun ist im be.bra-Verlag ein Buch erschienen, mit dem man auf dem Sofa herrlich in seine Zeit und Abenteuer eintauchen kann: „Fürst Pückler - ein Leben in Bildern“, herausgegeben im Auftrag der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Der große, schwere Band enthält zwölf thematische Essays etwa zu „Pückler und Preußen“ oder „Pücklers Orient“, vor allem aber eine Fülle an Bildern von Zeitgenossen, Manuskripten, Parks, Objekten, Karikaturen, jeweils im Stil eines Ausstellungskatalogs von den Herausgebern kommentiert sowie mit Pückler-Zitaten garniert. Die Basis für diese Wundertüte ist die 2019 eröffnete Dauerausstellung „Fürst Pückler. Ein Europäer in Branitz“ im Schloss Branitz - Pücklers und Lucies Alterssitz.

Die Biografie des „fashionabelsten aller Sonderlinge“ (Heinrich Heine) sei von erstaunlicher Aktualität, schreiben die Herausgeber: Als Selbstvermarkter, Erfolgsautor, Suchender, Spielender, Pflanzen und Tiere wertschätzender „Erdbändiger“ bietet er viele Anknüpfungspunkte. Und so kann man sich in kleine Geschichten und große Zusammenhänge versenken und staunen über die bunte Welt, die sich in dem Buch entfaltet. Natürlich kommt auch das berühmte Fürst-Pückler-Eis zu seinem Recht: Nicht Gourmet Pückler hat es erfunden, sondern Hofkoch Louis Ferdinand Jungius schuf das Rezept für „Gefrorenes von geschlagener Sahne nach Fürst Pückler“. Unser Supermarkt-Eis hätte den Fürsten vermutlich beleidigt. War er doch überzeugt: „Meine Haupteigenschaft ist der Geschmack - der in allem das möglichst Vollkommenste zu erreichen sucht und es zu finden versteht.“

Ulf Jacob, Simone Neuhäuser, Gert Streidt (Hrsg.): Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern. be.bra verlag, Berlin. 480 Seiten, 564 farbige und 289 Schwarzweiß-Abbildungen, 34 Euro.
Ulf Jacob, Simone Neuhäuser, Gert Streidt (Hrsg.): Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern. be.bra verlag, Berlin. 480 Seiten, 564...Foto: Promo
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