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Berlin-Charlottenburg : Abhörstation auf Teufelsberg kommt unter Denkmalschutz

Lange wurde geprüft, nun ist klar: Die Ex-Abhöranlage auf dem Berliner Teufelsberg wird ein Denkmal. Der Pächter sieht darin auch ein mögliches Problem.

Die ehemalige Radarstation auf dem Teufelsberg in Berlin
Die ehemalige Radarstation auf dem Teufelsberg in BerlinFoto: dpa/Paul Zinken

Spektakuläres Fotomotiv und geschichtsträchtiger Ort: Die ehemalige Abhörstation der amerikanischen und britischen Geheimdienste auf dem Teufelsberg im Berliner Grunewald ist so bedeutsam, dass sie nun unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Dies bestätigte Landeskonservator Christoph Rauhut dem Tagesspiegel. Zunächst hatte der RBB darüber berichtet. Die private Eigentümergemeinschaft wurde bereits vom Landesdenkmalamt (LDA) Berlin informiert.

Geschützt werde nicht allein die einstige Spionagestation auf der Bergspitze, sagte Rauhut dem Tagesspiegel. Man wolle „alle drei Schichten“ berücksichtigen. Dabei gehe es auch um den Rohbau einer „Wehrtechnischen Fakultät“, für die Adolf Hitler 1937 den Grundstein gelegt hatte, und den Häuserschutt, aus dem die rund 120 Meter hohe Erhebung nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeschüttet worden war.

„Wir sehen die ganze Geschichte“, ergänzte Bernhard Kohlenbach, Experte für Denkmalinventarisation und –vermittlung im LDA. „Jeder Stein, der da liegt, hat eine Geschichte“, schließlich seien viele Berliner in den zerstörten Wohnungen gestorben, aus denen später der Berg entstand.

Pächter fürchtet Hindernisse für Neubelebung

Der Pächter des umzäunten Geländes, Marvin Schütte, hatte sich zuvor gegenüber dem Tagesspiegel besorgt gezeigt. Denkmalschutz könne die Pläne für ein Ausflugscafé, ein Museum und einen Aussichtspunkt erschweren. So habe das Hauptgebäude der Geheimdienstler mit der größten Antennenkuppel früher eine fensterlose Fassade aufgewiesen. Eine Wiederherstellung dieses Zustands passe kaum zu einer möglichen Neubelebung des Gebäudes, sagte Schütte.

Rauhut und Kohlenbach wollen diese Befürchtungen zerstreuen: Das Landesdenkmalamt verlange „keine Rekonstruktion“ der Anlage, die durch Vandalismus und Witterungsschäden längst nur noch eine Ruine ist. Der Schutz gelte für den „jetzigen Zustand“. Man wolle den Ort aber auch „nicht einfrieren, sondern in die Zukunft nehmen“. Die Eigentümer könnten sich kleinere Umbauten genehmigen lassen. Dann werde sicherlich „eine vernünftige Lösung ohne fensterlose Räume“ gefunden.

Teufelsberg – Pläne und Verfall
Blick auf die frühere Abhörstation auf dem Teufelsberg, im Hintergrund die Stadtsilhouette Berlins.Weitere Bilder anzeigen
1 von 43Foto: Imago
18.08.2016 10:40Der Teufelsberg im Grunewald, ein 120 Meter hoher Hügel voller Geschichte. Hier ein Blick auf die Stadt, den Wald und den zweiten...

Derzeit hat das Hauptgebäude gar keine Fassade mehr. Die Grundstückseigentümer hatten sie vor vielen Jahren für ein später gescheitertes Neubauprojekt mit Luxuswohnungen und einem Hotel abgetragen. Seit Mai ist das Gebäude aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Bauaufsicht vermisst vor allem einen zweiten Fluchtweg für den Fall eines Brandes.

Wer zahlt für Instandsetzungen?

Das Denkmalamt kann Fördermittel für Baudenkmäler gewähren, allerdings nur für „denkmalpflegerischen Mehraufwand“ und „nicht für die bauliche Sicherheit“, wie Rauhut betont. Der neue Status als Baudenkmal könne es den Eigentümern und dem Pächter aber auch erleichtern, private Stiftungen als Geldgeber zu gewinnen.

Künstler auf dem Teufelsberg
Seit 1990 ist die Künstlerin Rotraud von der Heide (links) auf dem Teufelsberg aktiv. I nzwischen hat sie einen eigenen Projektraum und kuratiert derzeit eine Ausstellung von Bettina Semmer.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Thilo Rückeis
10.07.2018 20:17Seit 1990 ist die Künstlerin Rotraud von der Heide (links) auf dem Teufelsberg aktiv. I nzwischen hat sie einen eigenen...

Auch der Senat hat Pläne

Der Wert des Privatgeländes ändert sich nach Einschätzung des Landeskonservators nicht. Neubauten sind dort ohnehin seit dem Jahr 2006 verboten. Nach dem Scheitern der Investorenpläne hatte der Senat das Areal zum Waldgebiet erklärt. Seit diesem Jahr gilt ein noch strengerer Landschaftsschutz.

„Wir wollen nicht vorzeichnen, was mit dem Ort explizit geschieht“, sagt Rauhut. Allerdings habe die rot-rot-grüne Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Teufelsberg zum „Erinnerungsort“ zu entwickeln.

Rückkauf scheint zu teuer

Der vom Senat und dem Abgeordnetenhaus angestrebte Rückkauf der Ex-Abhörstation scheitert bisher daran, dass dafür ein zweistelliger Millionenbetrag nötig wäre. Auf dem Grundstück sollen Hypotheken in Höhe von mindestens 35 Millionen Euro lasten. Ursprünglich hatte die "Investorengemeinschaft Teufelsberg" das Fünf-Hektar-Gelände im Jahr 1996 für 5,2 Millionen D-Mark erworben. Dem Vernehmen nach wurde davon sogar nur die Hälfte bezahlt; der Rest sollte erst nach der Fertigstellung des damaligen Bauprojekts überwiesen werden.

CDU will die Spionagestation zum Sportparadies machen

Erst vor zwei Wochen hat die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus beantragt, die Ex-Abhörstation zum Sport- und Erholungsareal zu entwickeln und damit an alte Zeiten anzuknüpfen. In den 1960er Jahren gab es an den Hängen unter anderem eine Skipiste mit Sprungschanze. Der Denkmalschutz schließe eine erneute sportliche Nutzung nicht aus, sagt der Landeskonservator dazu. Es gebe ja auch Sportanlagen in anderen Berliner Baudenkmälern.

Der Bezirk forderte den Schutz seit Jahren

Zuletzt hatte der Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf auf Antrag der SPD dafür gestimmt, das Areal zum Denkmal zu erklären. Damit bekräftigte die BVV einen sechs Jahre alten, gleichlautenden Beschluss. Im August hieß es dann aus dem Landesdenkmalamt, dass der Antrag erfolgreich sein könnte: „Die Denkmaleigenschaft für die einstige Abhörstation auf dem Teufelsberg ist bekannt und anerkannt.“ Nur habe es noch abschließender Gespräche auf allen Ebenen bedurft.

Warum das Ganze so lange gedauert hat, konnte Landeskonservator Rauhut nicht sagen – er amtiert erst seit Oktober als Nachfolger des langjährigen obersten Denkmalschützers in Berlin, Jörg Haspel.

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