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Berlin-Charlottenburg : Toter Pfarrer gefunden - Verdächtiger festgenommen

Eine Leiche wurde in der Nacht zu Freitag in den Büroräumen der katholischen Gemeinde „Paroisse Catholique Francophone“ in der Schillerstraße gefunden. Nun hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen.

Foto: Patrick Pleul/dpa

In Charlottenburg ist es in der Nacht zu Freitag zu einem Gewaltverbrechen gekommen. Wie die Polizei am Freitagmorgen bestätigte, wurde eine tote Person gegen 23 Uhr in "Büroräumen" in der Charlottenburger Schillerstraße gefunden. Die „Berliner Morgenpost“ berichtete, es handele sich um ein Büro der katholischen Gemeinde „Paroisse Catholique Francophone“. Zeugen hätten demnach zuvor einen lautstarken Streit gehört und daraufhin die Beamten alarmiert.

„Aufgrund der Auffindesituation gehen wir von einem Tötungsdelikt aus“, so ein Polizeisprecher gegenüber dem Tagesspiegel. Eine am Vormittag durchgeführte Obduktion bestätigte diesen Anfangsverdacht.

Die Ermittlungen führten die Polizei heute gegen zwölf Uhr zu einem Wohnhaus in Reinickendorf, wo sie auf dem Dachboden einen Mann festnahmen, bei dem es sich mutmaßlich um den Täter handelt.

Warum es zu dem Streit und der offenbar daraus resultierenden Tötung kam, ist Gegenstand weiterer gemeinsamer Ermittlungen der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft Berlin.

Der Koordinator der Französischsprachigen Gemeinden in Deutschland bei der Deutschen Bischofskonferenz, Janusz Osowiecki, bestätigte am Telefon, dass es sich bei dem Toten um den Pfarrer der Gemeinde handele. „Heute morgen kam der Anruf aus Berlin“, so Osowiecki aus Düsseldorf. „Ich bin wirklich tief schockiert.“

Die Polizei Berlin teilte jedoch mit, dass bislang noch nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ob es sich bei dem Getöteten um einen Mitarbeiter einer dort ansässigen Kirchengemeinde handelt.

Die Mehrheit der Mitglieder lebt nur auf Zeit in Berlin

Die frankophone Gemeinde „Paroisse Catholique Francophone“ gibt es seit 1945, wie ihrem Internetauftritt zu entnehmen ist. Anfangs war sie eine Militärpfarrei, deren Bischof französischer Militärbischof war. Seit 1994 ist sie – zivile – Anlaufstelle für französischsprachige katholische Christen in Berlin und Umgebung und untersteht dem Berliner Erzbischof Heiner Koch. In Berlin leben nach Angaben der Gemeinde etwa 10.000 Franzosen sowie einige Tausend französischsprachige Ausländer.

Allerdings sei nur der kleinste Teil der Gemeindemitglieder in Berlin fest ansässig. Die Mehrheit befinde sich nur auf Zeit in der Stadt und sogar in Deutschland – als Studenten, Praktikanten oder für einen Arbeitsaufenthalt. Die meisten in der Gemeinde aktiven Familien befänden sich für zwei bis fünf Jahre in Berlin.

"Eine große, lebendige Gemeinde"

"Es ist eine große, lebendige Gemeinde“, so Osowiecki. Wieviele Mitglieder die Gemeinde aber genau hat, konnte auch er nicht sagen. Neben Franzosen umfasse die Gemeinde viele Menschen aus afrikanischen französischsprachigen Ländern, Schweizer, Belgier und Kanadier. Religionsunterricht für Kinder – der „Katechismus“ – wird ebenso angeboten wie Theologiekurse für Erwachsene.

Die sonntägliche Messe findet in der St.-Thomas-von-Aquin-Kirche in der Schillerstraße statt, an jedem dritten Sonntag findet ein Familiengottesdienst statt. Am letzten Sonntag im Monat wird die Messe von der afrikanischen Gemeinde gestaltet.

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