Berlin-Friedenau : Erfolgreicher Schulleiter wird abgestraft

Beliebt bei den Eltern, kritisch beäugt von der Verwaltung: Der Leiter der Bergius-Schule darf seine Dienstzeit nicht verlängern. Es geht um "Loyalität".

Michael Rudolph unterrichtete 30 Jahre lang an Hauptschulen, bevor er an die Friedrich-Bergius-Schule kam.
Michael Rudolph unterrichtete 30 Jahre lang an Hauptschulen, bevor er an die Friedrich-Bergius-Schule kam.Foto: Thilo Rückeis

Eigentlich schien alles klar: Einer der erfolgreichsten Schulleiter der Stadt wollte gern über seine Pensionierung hinaus arbeiten. Bevor er den förmlichen Antrag im Mai stellte, habe ihn die Schulaufsicht in diesem Schritt bestärkt, berichtet Michael Rudolph, der Leiter der Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule. Dennoch lehnte die Schulbehörde sein Ansinnen ab, wie Rudolph am Mittwoch berichtete. Er verweist in diesem Zusammenhang auf ein „dienstliches Gespräch“ mit einem hohen Beamten der Bildungsverwaltung. Der habe ihm sein „Missfallen“ über Äußerungen in der Presse ausgesprochen.

Die Schule ist seit zehn Jahren übernachgefragt

Die Verwaltung bestritt diese Darstellung nicht. Zwar könne sie sich nicht zu Personaleinzelangelegenheiten äußern. Unabhängig davon sei es aber so, dass „die Meinungsfreiheit nicht von der Loyalität gegenüber dem Dienstherrn entbindet“, sagte Sprecherin Beate Stoffers.

Die kritischen Äußerungen Rudolphs standen im Zusammenhang damit, dass seine Schule durch die Schulinspektion gefallen war, obwohl sie gute Ergebnisse bringt. Sie dürfte auch nahezu die einzige Oberschule ohne gymnasiale Oberstufe sein, die seit zehn Jahren mehr Anmeldungen als Schulplätze hat. Die Inspekteure ließen sich davon nicht überzeugen.

Es sei "absurd, einen erfolgreichen Schulleiter gegen zu lassen", befand am Mittwoch die Vorsitzende des Schulausschusses in Tempelhof-Schöneberg, Martina Zander-Rade (Grüne) - zumal vor dem Hintergrund des Berliner Mangels an Lehrern und Schulleitern. Kritisch äußerte sich Zander-Rade auch über eine weitere Personalie im Bezirk, die am Mittwoch publik wurde - die Zwangsversetzung eines Klassenlehrers an der Johanna-Eck-Schule.

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