Berlin : Berlin ganz klein

Die Baudenkmäler für das Legoland am Potsdamer Platz sind da Das Freizeitcenter soll Ostern eröffnet werden. 60 Jobs entstehen

Hannah Dönges

Jona Markgraf hat Angst, dass ein Stück vom Brandenburger Tor abbricht. „Ich würde mich sehr viel wohler fühlen, wenn es schon sicher im Legoland stehen würde“, sagt die 37-Jährige. Markgraf ist eine der neun Modelbauerinnen, die für das geplante Legoland Discovery Centre am Potsdamer Platz Berliner Sehenswürdigkeiten zusammengesteckt haben. Bevor die Baudenkmäler am Freitag ins Legoland einquartiert wurden, hatten sie einen Fototermin vor den Originalbauten. „Die Steinchen sind zwar mit einem Lego-Spezialkleber zusammengeleimt, aber nicht mit den Bodenplatten“, sorgt sich Markgraf. Doch das Brandenburger Tor hat überlebt und wartet jetzt im Sony Center auf Besucher. Das Legoland soll in gut vier Wochen eröffnet werden.

Die Berlinerin Markgraf hat sich in einem Casting für den begehrten Job einer Modellbauerin für Lego durchgesetzt. Sie ist stolz auf die Stücke, an denen seit Oktober gebaut wurde. Bis vergangenen Donnerstag werkelte ihr Team im dänischen Billund an Bauten wie dem Berliner Dom, dem Reichstag oder dem S-Bahnhof Hackescher Markt. Allein für das Brandenburger Tor, das 45-mal kleiner als das Original ist, wurden 25 000 Steinchen verbaut. Sie wurden vom Berliner Himmel mit Regen begrüßt. Die Sonne blitzte nur kurz auf, als das Brandenburger Miniaturtor vor seinem großen Vorbild aufgestellt wurde.

Kleinste Details wurden berücksichtigt, sogar die Reliefs im Brandenburger Tor steinchengenau nachgebildet. Nicht ganz naturgetreu wirkt die Kuppel des aus 300 000 Teilchen bestehenden Doms. Das quietschige Lego-Grün leuchtet unnatürlich. Die kleinen Lego-Figuren, die sich auf den Treppen davor tummeln, scheint das nicht zu stören: Schwarz gekleidete Damen mit Handtaschen, ein Skater, Motorradfahrer mit Helmen in der Hand. Der Hackesche Markt erstrahlt bei Lego in frischem Rot, die Shops und Cafés müssen noch ergänzt werden.

Berlin en miniature ist nur ein Teil des 3500 Quadratmeter großen unterirdischen Legolands, das 60 Mitarbeiter beschäftigen wird. Es gibt eine Dschungelexpedition, ein Feenschloss und ein vierdimensionales Kino, in dem es manchmal regnet. Im Centre können auch Rennwagen konstruiert und auf die Strecke geschickt werden. Wie stabil die selbst gebauten Häuser sind, können Besucher durch künstliche Erdbeben prüfen.

Weltweit gibt es vier Legolandparks, in Berlin entsteht das erste sogenannte Discovery Centre, das besonders viele interaktive Angebote bietet. „Legolandparks sind normalerweise Tagesattraktionen, aber hier ist nur ein etwa zweistündiger Aufenthalt geplant“, sagt Projektleiterin Ulla Möll. So sei das Legoland auch für Berlin-Besucher spontan nutzbar. Natascha Kompatzki von Berlin Tourismus Marketing erwartet eine weitere Aufwertung des Potsdamer Platzes als wichtiger Touristenmagnet, „gerade für Familien mit kleinen Kindern“. Das Centre sei keine Konkurrenz für andere Berliner Attraktionen, „es wird in das bestehende Berlin-Programm integriert“.

Noch ist das Legoland Baustelle: Die Kabel hängen von der Decke, die Räume dürfen nur mit Helm betreten werden. Legoland-Manager Markus Fest verspricht aber, dass sein Centre an Ostern eröffnet sein wird. Der Eintrittspreis für einen Erwachsenen soll 14 bis 15 Euro betragen. Über einen Familienrabatt wird noch nachgedacht.

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