Berlin-Kreuzberg : Wofür "Xhain" wirklich steht

Kreuzberg führt das Dezimalsystem ein. Das kann nur bedeuten: Zehnmal mehr Straßenbäume! Eine Glosse.

Zehn Fahrräder passen auf einen Autoparkplatz, haben die Grünen ausgerechnet.
Zehn Fahrräder passen auf einen Autoparkplatz, haben die Grünen ausgerechnet.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

In Kreuzberg führen sie jetzt das Dezimalsystem ein. Profitieren von dieser neuen Arithmetik sollen zunächst Bäume und Radfahrer. Herausgerechnet werden dabei – wer sonst – die Autofahrer. „Die BVV bekräftigt ihren Beschluss aus der vergangenen Wahlperiode (DS/1246/IV), jeden zehnten Autoparkplatz in Fahrradparkplätze umzuwandeln ...“

Und noch ein Dezimaldesiderat: „Mit unserem Antrag DS/0565/V fordern wir das Bezirksamt auf, in den Straßen des Rudolfkiezes in Friedrichshain auf jeder zehnten Parkfläche eine Baumscheibe anzulegen und darin jeweils einen Baum zu pflanzen.“

Jeder zehnte Ordnungsamtsmitarbeiter wird zur Kontrolle dieser Zehnerfolgen abgestellt. Haben sie noch nicht gefordert, aber ergibt sich rein rechnerisch.

Die totale Durchgrünung

Die Grünen – mengenmäßig klar dominierend – entdecken gerade die ordnende Kraft der Zahlen. Wobei Eingeweihte schon länger wissen, dass das X in Xhain eigentlich für die römische Zehn steht. Und mit Hain die Straßenbäume gemeint sind. Xhain ist der Code für das geheimste Geheimprojekt der Kreuzberger Grünen: die Verzehnfachung des Baumbestandes, die totale Durchgrünung des Bezirks. Jede zehnte Straße wird aufgeforstet! Die BVV-Fraktion zögert noch, den entsprechenden Antrag einzubringen.

Wenn man die politischen Ziele nur fern genug steckt, werden sich die Dinge schon ein wenig in die gewünschte Richtung voranbewegen. Das ist das Arbeitsprinzip bei der Mobilitätswende von Rot-Rot-Grün. Als Ausweg aus dem Zehnerdogma bei den Parkplätzen hat die Xhain-BVV Vorschläge gemacht, wo die Verwaltung schon mal loslegen könnte mit der Parkplatzaufbügelung: Boxhagener Platz, Simon-Dach-Straße, Revaler Straße, Schleidenplatz ... insgesamt z-e-h-n Standorte. Übrigens ergibt ein Autoparkplatz laut BVV das Z-e-h-n-f-a-c-h-e an Radstellplätzen. Das ist wirklich genial durchdacht von den Grünen. Oder Ausdruck einer dezipolaren Störung. Könnte ein Zehner-Fetisch dahinterstecken. Eine spezielle Form der Graf-Zahl-Neurose. Wir leben ja im digitaldezimalen Zeitalter: 10101010 ...

Sofort wegschauen. Diese Glosse ist verhext. Wie viele Tage sind es noch bis Heiligabend? Oh Gott.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

10 Kommentare

Neuester Kommentar