Berlin-Neukölln : Nächtliche Abschleppaktion gegen Falschparker

Bei einer gemeinsamen Aktion gingen Feuerwehr und Ordnungsamt im Bezirk gegen Falschparker vor. Die Bilanz: Ein umgesetztes Auto und 20 Knöllchen.

Miriam Dahlinger
Nächtliche Abschleppaktion in Neukölln.
Nächtliche Abschleppaktion in Neukölln.Foto: Michele Galassi

Rückt die Feuerwehr aus, ist eines meist gewiss: Jetzt muss es schnell gehen. Wären da nicht die Falschparker, die der Berliner Feuerwehr das Leben schwer machen. Häufig kommen die breiten Feuerwehrwagen nicht durch die zugeparkten Straßen oder müssen erst einmal aufwendig rangieren, um die Leiter ausfahren zu können. Dann ist es aber vielleicht schon zu spät. "Im Ernstfall geht es um Leben und Tod", sagt Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Deshalb griff er in seinem Bezirk in einer gemeinsamen Aktion des Neuköllner Ordnungsamtes mit der Berufsfeuerwache Neukölln am Donnerstag durch. Abschrecken durch Abschleppen sozusagen.

Wo der Feuerwehrwagen nicht vorbeikommt, wird abgeschleppt

Es ist 21.30 Uhr, Martin Hikel schwingt sich im blauen Anzug auf den Beifahrersitz des Abschleppwagens. Drei Einsatzwagen des Ordnungsamtes, drei Abschleppwagen und ein großer Drehleiterfeuerwehrwagen sind bei der Aktion im Einsatz, um Falschparker aus dem Verkehr zu ziehen. Überall wo der Feuerwehrwagen nicht vorbeikommt, soll sofort abgeschleppt werden. Soweit zumindest die Theorie, denn zunächst einmal kommt der Feuerwehrwagen überall problemlos durch. "Murphys Gesetz", sagt Feuerwehrsprecher André Mrázek. Normalerweise gäbe es hier zehnmal so viele Falschparker.

Schließlich tut sich aber doch etwas. Zweimal wird angefangen abzuschleppen, zweimal wird der Abschleppvorgang abgebrochen. Die Besitzer der Autos bemerkten die Aktion rechtzeitig und parken ihre Wagen lieber selbst um. Bezirksbürgermeister Hikel freut das: "Wir wollen ja niemanden ärgern, sondern für das Problem sensibilisieren."

"Es gibt einfach nicht genügend Parkplätze"

Tatsächlich generiert die Aktion einiges an Aufmerksamkeit, in der Warthestraße sammelt sich eine kleine Menschentraube. Als um 23 Uhr doch noch ein schwarzer Audi auf die Ladefläche des Abschleppwagens gehievt wird, sind viele junge Anwohner gerade auf dem Heimweg. Ein Mann mit Cap und runder Hornbrille zeigt sich skeptisch: "Hier gibt es einfach nicht genügend Parkplätze, da bleibt einem gar nichts anderes übrig als in der zweiten Reihe zu parken." Anwohnerin Annika Becker sieht das anders: "Bisher habe ich im Umkreis von zehn Minuten immer etwas gefunden."

Becker findet die Aktion richtig. Schon für ihre eigene Sicherheit hofft sie, dass weniger Menschen in zweiter Reihe parken. "Letztes Jahr hat es beim Nachbarn gebrannt. Die Feuerwehr musste den Brand von der Parallelstraße aus löschen." Für den Halter des abgeschleppten Audis gab es vermutlich ein böses Erwachen. Sein Auto ist nicht nur weg, er muss auch 25 Euro fürs Falschparken und 199 Euro fürs Abschleppen bezahlen. Die Bilanz des Abends, von 21.30 Uhr bis 23.30 Uhr wurde ein Auto umgesetzt, zweimal angefangen, zweimal abgebrochen und 20 Knöllchen verteilt.

Eine Gruppe junger Männer beobachtet das Schauspiel belustigt und verärgert zugleich. An dem Falschparker wären sie vorbei gekommen, aber der Abschleppwagen blockiert die gesamte Straße. "Kannste vergessen. Da ist kein Durchkommen, Digga", sagt einer der Männer. Sie müssen außenherum fahren.


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