Berlin-Neukölln : Sanitäter bei Einsatz beleidigt, bespuckt und bedroht

Ein 31-Jähriger soll Rettungskräfte bei einem Einsatz in Berlin bedroht und mit ihrem Rucksack beworfen haben. Vor Gericht bagatellisierte er den Vorfall. Die Helfer verfolgt der Einsatz bis heute.

Der Angeklagte soll die Helfer übel beleidigt, bespuckt und bedroht haben. Solche Zwischenfälle sind für Rettungskräfte keine Seltenheit.
Der Angeklagte soll die Helfer übel beleidigt, bespuckt und bedroht haben. Solche Zwischenfälle sind für Rettungskräfte keine...Foto: Arno Burgi/dpa

Sie wollten einfach ihre Arbeit machen und helfen, doch sie mussten sich selbst vor Attacken retten: Ein Notfallsanitäter, ein Rettungsassistent und eine Auszubildende erlebten in einer Wohnung in Neukölln einen Einsatz, der fassungslos macht.

Ilker C., ein vielfach vorbestrafter Mann, rastete aus. Er soll die Helfer beleidigt, bespuckt, übel bedroht und mit ihrem 15 bis 20 Kilogramm schweren Einsatzrucksack beworfen haben. Vor dem Amtsgericht Tiergarten sprach er am Donnerstag von einem „ Fehlverhalten“ und Erinnerungslücken.

Der 31-Jährige mit langem Bart wirkte unbekümmert. „Ich war eben auf 180, weil mein Vater am Boden lag.“ Die Rettungskräfte hätten nicht das gemacht, was er erwartet habe. „Da habe ich die Beherrschung verloren und Dinge gesagt, die nicht in Ordnung sind“, schilderte C. und schien den Vorfall verharmlosen zu wollen.

Notfallsanitäter kündigte Job in Berlin

Die Tasche habe er zwar geworfen. „Aber ich hatte keine böse Absicht.“ Die Tür habe er nicht gefährlich geworfen. „Ich wollte sie zudrücken, aber einer der Herren lehnte sich dagegen.“ Und Pöbeleien? „Weiß ich nicht, kann sein.“

Notfallsanitäter David R. aber kann sich sehr genau erinnern. Der Einsatz hinterließ tiefe seelische Narben. „Danach habe ich in Berlin den Job an den Nagel gehängt.“ Der 34-Jährige wechselte in ein anderes Bundesland. Nach fast zwölf Jahren in Berlin. Oft habe er Angriffe erlebt, sei verletzt worden, habe sich im Stich gelassen gefühlt. „Wenn man auch noch Angst um seine Familie haben muss, ist es zu viel.“ 

David R. und seine Kollegen waren am 27. Dezember 2016 zu dem Einsatz ausgerückt. Es hatte einen Hinweis auf häusliche Gewalt gegeben. Eine Frau habe die Tür geöffnet und erklärt, ihr Mann habe einen epileptischen Anfall, sagte der Sanitäter. Als er mit der Mieterin sprach, habe sich Ilker C. tobend gemeldet. „Er beschimpfte uns ohne Ende, war total aggressiv.“ Sie riefen die Polizei.

"Verfolgt er mich?"

IIker C. habe sich in üble Todesdrohungen gesteigert: „Ich töte deine Familie, ich bekomme raus, wo du wohnst, ihr Scheißt Deutschen, ihr Ungläubigen, ich kille euch und eure Familien.“ Das Attentat auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz war acht Tage her.

Alle drei Helfer erklärten nun: „Es war beängstigend.“ Sie hätten befürchtet, dass der Mann ein Messer holen und umsetzen könnte, was er angekündigt hatte. „Er warf dann unseren Rucksack in meine Richtung“, so der 38-jährige Rettungsassistent. „Ich konnte ihn abwehren.“ Als er in der Tür stand und den Rucksack aus dem Flur angeln wollte, habe C. die Tür zugeschlagen, ihn beinahe getroffen.

Schließlich kam die Polizei. Bei den Helfern blieb Angst - „Verfolgt er mich? Taucht er bei der Familie auf?“ Der Prozess um versuchte gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung geht am 1. Februar weiter.

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