Berlin-Oberschöneweide : Prozess um getötete Fußgängerin eingestellt

2016 wurde eine 85-Jährige von einem Laster erfasst und verstarb. Der Lkw-Fahrer trug nur eine geringe Schuld, urteilen nun die Richter. „Es gab eine Ampel.“

Justitia.
Justitia.Foto: helmutvogler Fotolia

Vor der Ampel hatte sich ein Rückstau gebildet, als die 85 Jahre alte Frau die Edisonstraße betrat. Auf dem Weg zur Straßenbahn-Haltestelle wollte sie die Fahrbahn zwischen den wartenden Autos überqueren. Als sie vor einem mächtigen Sattelzug stand, kam bei Grün Bewegung in die Kolonne. Die Frau wurde vom Lkw erfasst und überrollt. Rund zwei Jahre später kam es am Montag zum Prozess wegen fahrlässiger Tötung gegen den Lkw-Fahrer. Er blieb am Ende straffrei.

Die Anklage ging davon aus, dass der 59-Jährige den tragischen Unfall Ende 2016 in Oberschöneweide durch größere Sorgfalt hätte verhindern können – „insbesondere durch einen Blick in den rechten Rampenspiegel“. Auch hätte er sich „durch kurzes Erheben vom Fahrersitz vergewissern können, dass sich keine Fußgänger mehr auf der Fahrbahn befinden“.

Richter: "Es gab eine Ampel"

Die Vorwürfe hörte der Angeklagte schweigend. Krzysztof S. hatte damals einen Schock erlitten. „Er saß im Auto und zitterte am ganzen Körper“, so eine Zeugin. „Er war völlig fertig.“ Ein weiterer Augenzeuge sagte, dass es an der Kreuzung immer massiven Verkehr gibt. „Das ist total gefährlich, die Straße dort zu überqueren.“ Eine Fußgängerampel sei nicht weit entfernt.

Für die Seniorin kam jede Hilfe zu spät. Sie verstarb noch am Unfallort. Ein Gutachter kam später zu dem Schluss, dass Fahrer S. die Frau bei Blick in den Rampenspiegel für einen ganz kurzen Moment hätte sehen können. Allerdings blieb offen, aus welchem Winkel sich die ältere Dame näherte.

Der Staatsanwalt regte ein Gespräch der Prozessbeteiligten an. Wenig später verkündete der Richter: Das Verfahren wird gegen Zahlung einer Auflage von 1000 Euro eingestellt. Es sei von einem Mitverschulden des Opfers auszugehen – „es gab eine Ampel“. Den Angeklagten, der zudem nicht vorbestraft ist, treffe geringe Schuld.

Zwölf Newsletter, zwölf Bezirke: Unsere Leute-Newsletter aus allen Berliner Bezirken können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben