Berlin-Schöneberg : Mahnwache für getötete Fußgängerin

Am Donnerstagabend kamen rund 200 Menschen zusammen, um an den Tod einer 23-Jährigen Frau zu erinnern. Sie fragen: "Wie viele Mahnwachen brauchen wir noch?"

Milena Fritzsch
Mahnwache an der Hauptstraße Ecke Dominicusstraße in Schöneberg.
Mahnwache an der Hauptstraße Ecke Dominicusstraße in Schöneberg.Foto: Milena Fritzsche

Die Ampel zeigt Grün. Aber niemand darf fahren. Für einen Moment steht der Verkehr an diesem frühen Donnerstagabend in beiden Richtungen still auf der Hauptstraße in Schöneberg, Ecke Dominicusstraße. Hier kam am Dienstag, 21. August, eine 23-jährige Fußgängerin ums Leben. Sie wurde von einen rechtsabbiegenden LKW erfasst und starb noch am Ort des Unfalls.

Claudia Jakob kam kurz nach dem Unfall an der Kreuzung vorbei. Die Schönebergerin weiß, wie gefährlich die Ampelschaltung an der Stelle ist, wenn Fußgänger und abbiegende Autofahrer gleichzeitig grün haben. "Ich habe hier schon viele gefährliche Situationen erlebt", sagt sie. Grund genug für Jakob, nun mit rund 200 Menschen zumindest für eine knappe halbe Stunde die Straße zu blockieren und ein Zeichen zu setzen.

"Wie viele Mahnwachen brauchen wir denn noch?"

Zur Mahnwache hatten der Fachverkehr Fußverkehr Deutschland (Fuss e.V.), der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie der Verein Changing Cities aufgerufen. Annabelle Wolfsturm (Grüne) spricht stellvertretend für das Bündnis und fordert die Bundesregierung auf, verpflichtend Abbiegeassistenzsysteme für LKWs einzuführen. "Es ist traurig, dass wir immer wieder aus diesem Anlass zusammenkommen. Wie viele Mahnwachen brauchen wir denn noch?"

Die junge Fußgängerin war bereit der 26. Mensch, der in diesem Jahr im Berliner Straßenverkehr ums Leben kam - mehrere von ihnen, weil rechtsabbiegende Lkw-Fahrer sie übersehen hatten. Nach mehreren Schweigeminuten, an denen auch Angehörige des Opfers teilnahmen, stellt das Bündnis um Annabelle Wolfsturm auf der Verkehrsinsel eine Figur aus Polystyrol auf mit dem Datum des Unfalls. Es soll Vorbeifahrende mahnen.

Karsten Bühler, der mit seiner kleinen Tochter extra aus Lichtenberg nach Schöneberg gekommen ist, hat nicht viel Hoffnung, dass sich etwas ändert: "Die Autos in Berlin sind eine Katastrophe. Es werden immer mehr", sagt er. Andere Teilnehmer der Mahnwache halten Zettel in die Höhe. Auf ihnen steht: "Vision Zero: 0 Verkehrstote" - ein Auftrag wohl an Politik und Gesellschaft.

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