Berlin soll besser essen : Senat will Kantinen auf Bio umstellen

Der Verbrauchersenator stellte das Projekt "Kantine Zukunft" vor - durch Coachings sollen Küchenteams selbst kochen, am besten ökologisch.

Das ideale Kantinenessen ist frisch gekocht mit Zutaten aus der Region. Das ist das Ziel, der Weg jedoch weit.
Das ideale Kantinenessen ist frisch gekocht mit Zutaten aus der Region. Das ist das Ziel, der Weg jedoch weit.Foto: picture alliance/dpa

Kopenhagen ist nicht nur beim Radverkehr, sondern auch bei der Gemeinschaftsverpflegung Vorbild. Am dortigen "House of Food" will sich Berlin ein Beispiel nehmen und öffentliche Kantinen, Schulen und Kitas mit besserem Essen versorgen. Statt ihnen diese Neuerung aufzuzwingen, sollen die Küchenteams durch Coachings und Schulungen selbst wieder auf den Geschmack kommen. Sie sollen wieder "mit dem Messer kochen", statt "Tüten aufzureißen", sagte der zuständige Senator Dirk Behrendt (Grüne) bei der Vorstellung des Projekts am Montag. Das sei Teil der geplanten Ernährungsstrategie für Berlin, die noch nicht in Gänze fertig sei. Das Ziel sei ein Bio-Anteil von 50 Prozent binnen zehn Jahren.

Im März hatte die Senatsverwaltung ein Interessenbekundungsverfahren gestartet, das nun der Träger "Speiseräume Lab" für sich entschied. Dessen Geschäftsführer Philipp Stierand ist eigentlich Stadtplaner und kommt aus Dortmund; er hat ein Buch mit dem Titel "Speiseräume" geschrieben, in dem er sich mit dem Thema Stadt und Ernährung beschäftigt. Von ihm stammt auch die Idee eines Ernährungsrates, die sogar Eingang in den Koalitionsvertrag fand.

Mehr als die Hälfte der verkauften Lebensmittel sind Fertigprodukte

Behrendt zufolge lag in diesem Jahr der Anteil der Fertigprodukte unter den verkauften Lebensmitteln erstmals über 50 Prozent. Das sei bedauerlich. Berlin sei der größte Absatzmarkt für Bio-Produkte in Europa. Wenn Brandenburgs Bio-Bauern sicher sein könnten, dass sie ihre Produkte hier verkaufen können, würden sie auch mehr produzieren, so die Hoffnung. Derzeit sind sie davon weit entfernt.

Stierand selbst hat sich 60 Prozent Bio-Anteil vorgenommen; er will die "Akteure im Kosmos der Berliner Gemeinschaftsverpflegung miteinander vernetzen". Zum Loslegen bekommt sein Träger in diesem Jahr 350.000 Euro zugewendet; in den nächsten Haushalt wollen Behrendt und seine Abteilungsleiterin Claudia Schmid 1,54 Millionen Euro für die Ernährungsstrategie einstellen, davon 1,2 Millionen für die "Kantine Zukunft Berlin" - so heißt das Projekt. Wie viele öffentliche Kantinen es in Berlin gibt und wie viele Menschen dort täglich essen, weiß bisher niemand.

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