Berlin : Berlin strebt in den Himmel

In der City-West darf 120 Meter hoch gebaut werden. Auch an anderer Stelle verändert sich die Skyline

Christian van Lessen

Zwei markante Hochhaus-Projekte an der Gedächtniskirche scheinen in Schwung zu kommen, die Baugenehmigungen liegen vor. Aber so richtig kann sich Charlottenburgs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) darüber nicht freuen. Dass sich die große Baulücke gegenüber dem Bahnhof Zoo mit dem „Zoofenster“ schließt und das „Casia“-Hochhaus das Schimmelpfeng–Haus ablöst – dagegen hat der Baustadtrat nichts. Aber dass auf engem Raum zwei fast 120 Meter hohe Hochhauskomplexe nur für Hotels entstehen sollen, misshagt ihm etwas. „Da bin ich nicht sicher, ob das der große Wurf ist.“

Beide Investoren, Ebertz und Partner (Zoofenster) und Casia (für das Vorhaben auf dem Schimmelpfeng-Grundstück) wollen aber Hotels einrichten, sie verhandeln noch mit Nutzern. Den Zoofenster-Entwurf zeichnete der Architekt Christoph Mäckler, das Casia-Projekt Christoph Langhof. Erst nach erfolgreicher Nutzersuche wollen die Investoren mit dem Bau beginnen. Termine werden nicht genannt, über Details wollten sich die Bauherren noch nicht äußern.

Für das Zoofenster, dessen Planung auf die frühen neunziger Jahre zurückgeht, war zunächst eine Mischnutzung mit hohem Wohnanteil geplant, dann aber entschieden sich die Eigentümer des Grundstücks für ein reines Hotel, der Bezirk versagte die Genehmigung, im Widerspruchsverfahren hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Genehmigung erteilt. Für Hotels sehe man hier gute Chancen, sagte Manuela Damianakis von der Senatsverwaltung, das Potenzial hätten auch die Investoren erkannt. Das Casia-Projekt besteht aus drei separaten Einzelbauten an der Kantstraße, die zwei hohen davon sollen als Hotel genutzt werden. Der Abriss des Schimmelpfeng-Hauses dürfe aber erst erfolgen, wenn sichergestellt sei, dass die neuen Häuser innerhalb von vier Jahren nach Bestandskraft der Baugenehmigung fertiggestellt werden könnten, hieß es. Die Behörde verlangt auch eine Finanzierungsbestätigung. Die Baugenehmigung gilt für die Dauer von zwei Jahren.

Sollten die beiden Hochhaus-Projekte verwirklicht werden, dürften sie nicht nur die West-City beleben,die an dieser Stelle vernachlässigt wirkt. Auch die Skyline der Stadt hätte neue Fixpunkte, denn die Neubauten würden zu den höchsten Häusern Berlins gehören. Den Spitzenplatz mit fast 150 Metern nimmt das heutige Park-Inn-Hotel ein, das Ende der sechziger Jahre am Alexanderplatz errichtet wurde. Der Bau fast eines Dutzend weiterer Riesen in dieser Höhe wurde nach der Wende zum städtebaulichen Ziel erkoren, bislang aber nicht verwirklicht, der Raumbedarf fehlt, so dass bislang nur an „Sockelgeschossen“ geplant wird. Die Treptowers an der Spree mit dem Allianzgebäude schlossen in den neunziger Jahren auf, erreichten immerhin 125 Meter und stellten den 118 Meter hohen Steglitzer Kreisel als das bis dahin höchste Berliner Bürogebäude in den Schatten. Der Kreisel wird sich vermutlich wegen seiner Asbestbelastung und des möglichen Abrisses aus der Liga der höchsten Berliner Häuser verabschieden müssen. Was aus ihm nach der 2008 beginnenden Asbestbeseitigung wird, ist jedenfalls noch offen. Das Bettenhaus der Charité, mit 100 Metern jetzt schon so hoch wie die hohen Gebäude am Potsdamer Platz, wird bei einer möglichen Aufstockung um sechs Etagen noch deutlicher in der Stadt sichtbar. Mit fast 90 Metern steht an der Fritz-Erler-Allee in der Gropiusstadt das mit 30 Stockwerken höchste Berliner Wohnhaus.

Vergleichsweise bescheiden wirkt ein Hochhaus, das in den sechziger Jahren den Aufschwung der westlichen City besiegelte. Die West-Berliner sprachen stolz von ihrem „Wolkenkratzer“. Wenn aber erst die neuen Hochhäuser in der Nähe des Breitscheidplatzes stehen, dann wird das 90 Meter hohe Europa-Center sehr viel kleiner scheinen. Immerhin verhilft ihm der Mercedes-Stern dazu, die 100-Meter-Höhe um 3 Meter knapp zu überschreiten.

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