• Berlin trauert um Fritz von Weizsäcker : „Sein Tod reißt eine große Lücke in die medizinische Landschaft“
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Berlin trauert um Fritz von Weizsäcker : „Sein Tod reißt eine große Lücke in die medizinische Landschaft“

Zahlreiche Klinikmitarbeiter haben des getöteten Chefarztes gedacht. Auch Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) würdigte sein Wirken.

Blick auf die Berliner Schlosspark-Klinik samt Schlosspark-Hotel. Dort wurde am Dienstagabend der Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker erstochen.
Blick auf die Berliner Schlosspark-Klinik samt Schlosspark-Hotel. Dort wurde am Dienstagabend der Berliner Arzt Fritz von...Foto: Paul Zinken/dpa

Nach dem tödlichen Messerangriff auf Fritz von Weizsäcker hat Berlins Gesundheitssenatorin die Schlosspark-Klinik besucht. Dilek Kalayci (SPD) trug sich in das Kondolenzbuch ein, das dort seit Mittwoch ausliegt. Dabei würdigte sie den Getöteten nach vorab verbreiteten Angaben ihrer Sprecherin als sehr engagierten, anerkannten Mediziner: „Sein unerwarteter und gewaltsamer Tod reißt eine große Lücke in die medizinische Landschaft Berlins.“ Seine Arbeit und sein Wirken würden nicht vergessen.

Zahlreiche Mitarbeiter der Klinik hätten am Mittwochnachmittag im Rahmen einer internen Veranstaltung des getöteten Chefarztes gedacht, teilte eine Sprecherin der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg auf Anfrage mit. Man habe die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, hieß es - ohne dass dazu Details genannt wurden. Frühere Attacken auf Personal habe es nicht gegeben. Zu weiteren Fragen wollte sich die Klinik nicht äußern.

Unterdessen hat sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft gegen Zugangskontrollen ausgesprochen. „Zugangskontrollen zu installieren, wie wir sie an Flughäfen kennen, ist bei uns nicht möglich“, sagte der Präsident der Organisation, Gerald Gaß, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir würden die Abläufe im Klinikalltag massiv behindern.“ Auch bei Patienten würde dies für Unverständnis sorgen.

„Die Krankenhäuser sind ein öffentlicher Raum, deren Schutz eine Herausforderung ist“, betonte Gaß. Dies versuchten Kliniken im Alltag „bestmöglich zu gewährleisten“. Den tödlichen Messerangriff auf den Mediziner in der Charlottenburger Schlosspark-Klinik vom Dienstagabend wertete Gaß als „absolute Ausnahme“ - solche Taten seien ausgesprochen selten. Solche Extremereignisse ließen sich in einer offenen Gesellschaft auch nie ganz ausschließen.

In Krankenhäusern gebe es zum Beispiel Schulungen für Mitarbeiter und Deeskalationstrainings, schilderte Gaß. Es gehe darum, auffällige Menschen anzusprechen und zu versuchen, „Situationen frühzeitig zu erkennen und dadurch zu vermeiden“, so Gaß. Sicherheitsdienste kämen zum Teil in Rettungsstellen zum Einsatz: Die Ambulanzen, wo viele Patienten aufeinanderträfen, seien Problembereiche - auch weil die Patienten teilweise selbst in einer Ausnahmesituation und aufgeregt seien. Es komme dort öfter zu Streits bis hin zu körperlichen Übergriffen, wenn sich Patienten oder Angehörige „nicht schnell genug oder nicht aufmerksam genug betreut und behandelt fühlen“, so Gaß.

Fritz von Weizsäcker wurde in der Schlosspark-Klinik attackiert

In der Schlosspark-Klinik wurde ein Kondolenzbuch für Fritz von Weizsäcker ausgelegt.
In der Schlosspark-Klinik wurde ein Kondolenzbuch für Fritz von Weizsäcker ausgelegt.Foto: Catharina Ackenhausen/Schlosspark-Klinik /dpa

Was war passiert?

  • Fritz von Weizsäcker wurde während eines öffentlichen Vortrags mit einem Messer attackiert.
  • Der Sohn des früheren Bundespräsident erlag seinen Verletzungen.
  • Der Angreifer war ein offenbar geistig verwirrter 57-Jähriger aus Rheinland-Pfalz.
  • Ein zufällig privat anwesender 33-jähriger Polizist überwältigte den Angreifer, wurde dabei aber selbst schwer verletzt.
  • Der Polizist ist mittlerweile außer Lebensgefahr.
  • Der Angreifer sollte noch am Mittwoch in ein psychatrisches Krankenhaus gebracht werden.
Der 57-jährige Angreifer wird von Polizisten abgeführt.
Der 57-jährige Angreifer wird von Polizisten abgeführt.Foto: Paul Zinken / dpa

Die Unterbringung wolle man in Hinblick auf eine „akute psychische Erkrankung“ des Beschuldigten beantragen, hieß es zuvor von der Behörde. Sein Motiv liege in einer „wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“.

Details zu den Wahnvorstellungen wurden vom Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, in Fernsehinterviews nicht genannt. Der Angreifer war zuvor nicht mit Straftaten in Erscheinung getreten.

Angreifer hatte Attacke auf Fritz von Weizsäcker offenbar geplant

Der 57-Jährige habe angegeben, die Tat geplant zu haben, hieß es. Im Internet sei er auf den Vortrag des Chefarztes in der Schlosspark-Klinik gestoßen. Der Mann sei am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung gefahren. Zuvor habe er noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft, um damit die Tat zu begehen. Für von Weizsäcker kam jede Hilfe zu spät.

Dem Angreifer werden Mord und versuchter Mord zur Last gelegt. Dem Polizisten, der beim Angriff auf Fritz von Weizsäcker dazwischenging, geht es laut Polizei „den Umständen entsprechend“. Der 33-Jährige habe nachoperiert werden müssen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Der Beamte sei aber nicht in Lebensgefahr.

Mehrere Menschen aus dem Publikum hielten Angreifer fest

Sein Eingreifen verdiene „allergrößten Respekt“, betonte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin. Man hoffe, dass sowohl seine schweren körperlichen als auch die seelischen Wunden „schnellstmöglich und vor allem vollständig verheilen“.

Mehrere der etwa 20 Menschen im Publikum halfen, den Angreifer festzuhalten. Er wurde festgenommen. Seine Wohnung in Rheinland-Pfalz wurde durchsucht. Der Verdächtige kommt nach dpa-Informationen aus Andernach.

Das Verbrechen löste auch in der Fachwelt Bestürzung aus. „Es ist ein großer Schock und erfüllt mich mit großer Trauer, dass ein hochintellektueller, dem Zeitgeist kritisch gegenüberstehender, unterhaltsamer und bodenständiger Mensch und Arzt wie Fritz von Weizsäcker nicht mehr unter uns weilt“, schrieb sein Medizinkollege Michael Geißler, Sohn von CDU-Politiker Heiner Geißler, in einem Nachruf in der „Welt“. Viele erfolgreiche Wissenschaftler und Ärzte seien von ihm klinisch und akademisch geprägt worden. (dpa/tsp)

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