Berlin : Berlin versteckt sich auf der ITB

Nur Treptow-Köpenick wirbt offensiv – und gewährt anderen Bezirken Asyl

Stefan Jacobs

Im vergangenen Jahr war Berlin auf der Tourismusbörse nicht zu übersehen: Brandenburger Tor, Infostände, Prospekte. Diesmal aber tarnt sich die Präsentation der Berlin Tourismus Marketing (BTM) im Stand der Deutschen Zentrale für Tourismus in ITB-Halle 12 regelrecht, so dass nur aufmerksame und aus der richtigen Richtung kommende Besucher sie bemerken. Die Stände von Flughäfen, S-Bahn und Friedrichstadtpalast sind leichter zu finden.

BTM-Sprecherin Natascha Kompatzki sieht darin kein Problem: Die Fachbesucher als wichtigste Messekunden würden sich ohnehin am offiziellen Ausstellerverzeichnis orientieren und keinen Wert auf auffällige Präsentationen oder Showbühnen legen. Viele hätten vorab Termine vereinbart, die Standnummer habe man in der Branche kommuniziert und die Resonanz bei den Reiseprofis sei erfreulich.

Die Reinickendorfer Bürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) will allerdings nach der ITB mit BTM- Chef Hanns Peter Nerger reden. Sie nennt es „ein Konglomerat von Versagen“, dass die zwölf Bezirke mit ihrem gemeinsamen, unter Reinickendorfer Regie organisierten Stand erst von der BTM ausgelagert und dann von der Messe in eine der hintersten Ecken verbannt worden seien. Nachdem der angebotene Platz am Rand einer Durchgangshalle für inakzeptabel befunden worden war, kam der Zwölfer-Stand kurzfristig bei Treptow-Köpenick unter. Dieser Bezirk leistet sich als Einziger eine eigene ITB-Präsentation: 63 Quadratmeter an einer gut sichtbaren Stelle. Dank einer Partnerschaft mit Unternehmen muss der Bezirk die rund 17 000 Euro teure Präsentation nicht allein aufbringen. Katrin Reiche-Kurz, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Treptow-Köpenick will anders als die BTM auch Berliner ansprechen – mit einem Angebot, das vom Friedrichshagener Kneipenmusikfest am heutigen Sonnabend über neue Skaterrouten bis zur Vorschau auf die 800-Jahr-Feier im Jahr 2009 reicht.

Angesichts dieses Beispiels will Marlies Wanjura grundsätzlich mit den Berlinvermarktern darüber diskutieren, welche Wertigkeit die Bezirke haben. „Berlin ist mehr als Mitte“, sagt sie. Deshalb sei man „auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder dabei.“ Entweder bei der BTM wie einst. Oder, wenn die nicht wolle, gern als Partner von Treptow-Köpenick.

Am Sonnabend und Sonntag ist die ITB von 10 bis 18 Uhr auch für Privatbesucher geöffnet. Eintritt: 13 Euro, ermäßigt 7,50 Euro, selbst ausgedruckte Online-Tickets kosten 11 Euro. Infos: www.itb-berlin.de

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