Berlin-Wilhelmsruh : Zu Besuch im Rammstein-Store

Babystrampler, Toaster und Tequila mit Band-Logo: In einem eigenen Laden verkauft die Band Rammstein Fan-Artikel - und stellt ihr Bühnen-Equipment aus.

Im Rammstein-Shop können Bühnenaccessoires wie der Feuerwerfer von einer früheren Tour bestaunt werden.
Im Rammstein-Shop können Bühnenaccessoires wie der Feuerwerfer von einer früheren Tour bestaunt werden.Foto: Jonas Friedrich/promo

Wer sich in die Schlange vor dem Pop-up-Store der Berliner Band Rammstein einreiht, braucht vor allem eines: viel Geduld. Geöffnet wird der Fanshop im Pankower Ortsteil Wilhelmsruh nur hin und wieder, im Dezember etwa am 8. und 15., danach erst wieder am 19. Januar. Immer nur sonnabends, immer von 10 bis 14 Uhr. Und die Schlange von konsumfreudigen Fans ist stets lang.

Die Rocker machen es ihren Anhängern dabei leicht, den Shop zu finden: Über der Tür prangt ein großes, gußeisernes Logo der Band. Die Gruppe hat die denkmalgeschützte, 100 Jahre alte Industriehalle auf dem ehemaligen Gelände der VEB Bergmann-Borsig in der Hertzstraße 63B inzwischen gekauft. Für die Restaurierung des einstigen Metallwalzwerks wurde die Band Anfang des Jahres sogar mit einem Denkmalpreis des Landes Berlin ausgezeichnet. Auf den 3500 Quadratmetern Fläche werden dabei nicht nur Fan-Artikel vertrieben, sondern auch Bühnen-Equipment zwischengelagert, wenn gerade keine Tour ansteht.

Songnamen werden zu Produktnamen

Mit dem Pop-up-Store wird deutlich, dass Rammstein nicht länger mehr nur die weltweit bekannteste Band ist – sondern sich die Rocker zu einer echten Marke entwickelt haben, über die sich so gut wie alles verkaufen lässt. T-Shirts und Hoodies, klar, das hat auch jede Nachwuchsband im Programm. Doch die Produktpalette von Rammstein geht weit über die üblichen Devotionalien hinaus: Babystrampler, Tequila, Geschenkpapier mit Bandlogo – alles da. Und noch mehr: Es gibt Rammstein-Stiefel, ein Rammstein-Fahrrad, einen Rammstein-Toaster, Rammstein-Kopfhörer. Auch bei den Produktnamen hat das Kreativteam der Merchandise-Abteilung ganze Arbeit geleistet. So heißt die Rammstein-Seife etwa „Bück dich“ und das Frühstücksbrettchen „Mein Teil“ – bekannte Songnamen der Band werden so zu Produktnamen.

Die Schlange vor dem Pop-Up-Store ist lang.
Die Schlange vor dem Pop-Up-Store ist lang.Foto: Jonas Friedrich/promo

Doch nicht nur auf den Verpackungen, natürlich auch in den Ohren ist die Musik der Band omnipräsent: Im Store läuft sie genauso wie draußen in der Pommesbude. Ist das zu viel des Guten? Für die Fans natürlich nicht. Und Mandy Pfennig, die mit Freundin und Familie gekommen ist, vermutet noch einen anderen Grund für den Andrang. „Ein paar sind sicher auch hier, weil sie hoffen, dass sie im Store ein Ticket für ein Rammstein-Konzert ergattern können.“

Ausverkaufte Konzerte

Die Europa-Tour der Band im nächsten Jahr ist für viele Shop-Besucher ein großes Thema. Rammstein sind derzeit dabei, ihr neues Album fertig zu stellen. Gerade erst kamen die Tickets für die Deutschland-Gigs in den Vorverkauf, alle 800.000 Stück waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft, auch die Karten für das Konzert im Olympiastadion am 22. Juni sind schon weg.

Es gehört also ein gewisses Maß an Obsession dazu, wenn man Rammstein-Fan ist. Bei Mandy Pfennigs Hochzeit etwa durfte die Band selbstverständlich nicht fehlen, genauer: eine Rammstein-Coverband. Gespielt habe die, erzählt Pfennig, unter anderem die Songs „Heirate mich“ und „Ich will“. Pfennigs Freundin Katharina Krüger ist ein mindestens ebenso begeisterter Fan. Ihren Sohn habe sie Till getauft, nach Rammstein-Sänger Till Lindemann.

"Pimmelleuten" der Südamerika-Tour ausgestellt

Doch nicht nur mit Konsum, auch mit Historie lockt der Rammstein-Store. So ist etwa ein Flammenwerfer ausgestellt, der eine Zeit lang bei Auftritten der Band zum Einsatz kam. Auch ein angekokeltes Keyboard, das zumindest während einer Tour 2004 noch funktionsfähig war, kann bewundert werden. Allerlei bizarre Gegenstände werden in der alten Halle ausgestellt: Die sogenannten „Pimmelleuchten“, dildoartige Lampen, die bei einer Südamerika-Tour zum Einsatz kamen.

Paulin Zoller und Ingo Glaser, ein Paar aus Prenzlauer Berg, ist zufrieden mit dem Besuch in Wilhelmsruh. Glaser hat sich eine Rammstein-Hose gekauft, Zoller ein T-Shirt. Sie sagt, ihr sei die Liebe zur Band in die Wiege gelegt worden. „Mein Vater hat mir immer ‚Sonne‘ von Rammstein vorgespielt, mit dem Lied habe ich das Zählen gelernt.“

www.facebook.com/RammsteinShop

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