Berlinale 2020 : Bei Fans beliebte Vorverkaufskasse geschlossen

Die Berlinale bietet dieses Jahr keinen Ticket-Vorverkauf im Haus der Berliner Festspiele an. Viele treue Fans aus der City West sind frustriert.

Caspar Schwietering
Im Haus der Berliner Festspiele gibt es dieses Jahr keine Tickets im Vorverkauf.
Im Haus der Berliner Festspiele gibt es dieses Jahr keine Tickets im Vorverkauf.Foto: Mike Wolff

Martina, genannt „Nana“ Frisch, erlebt am Montag ein Wiedersehen mit ihrer Filmfamilie. Um zehn Uhr beginnt der Vorverkauf für die Berlinale und zusammen mit etwa 30 anderen wird Frisch dann spätestens ab Fünf vor den Kassenhäuschen stehen, um sich die besten Tickets zu sichern. Die Gruppe kennt sich bereits aus den vergangenen Jahren.

Frisch, die sich seit 1996 frühmorgens für Tickets anstellt, hat die Tortur längst lieb gewonnen. „Durch das schlechte Ticketing der Berlinale, sind tiefe Freundschaften entstanden“, sagt die 59-Jährige. Weil das Filmfestival den Vorverkauf für Vorstellungen erst drei Tage im Voraus startet, werden Frisch und die anderen in den nächsten zehn Tagen zusammen die Morgenstunden verbringen.

In diesem Jahr wird allerdings einiges anders. Denn das Filmfestival hat ihre angestammte Vorverkaufsstelle im Haus der Berliner Festspiele (HdBF) abgeschafft. Stattdessen müssen Frisch und die anderen zum „Audi City Berlin“ – einem Autohaus des Hauptsponsors auf dem Ku’damm. „Viele in unserer Gruppe fühlen sich entwurzelt“, sagt Frisch.

Das Autohaus ist weniger komfortabel

Die Cineasten befürchten auch handfeste Nachteile. Im Haus der Berliner Festspiele machte ihnen um fünf Uhr der Pförtner den kleinen gläsernen Vorraum auf, den sie liebevoll Aquarium nannten. „Darin war die Luft zwar schnell schlecht, aber wenigstens saßen wir im Warmen“ sagt Frisch.

Um Acht durften sie ins Foyer. Dort packten viele ihre mitgebrachten Campingstühle aus und dann wurde gefrühstückt. „Dafür hat immer jemand Rosinenbrötchen und Kaffee vom Bäcker um die Ecke geholt, das war eingespielt“.

Martina „Nana“ Frisch bezeichnet sich selbst gerne als „Mutter der Schlange“ im HdBF. Foto: Caspar Schwietering
Martina „Nana“ Frisch bezeichnet sich selbst gerne als „Mutter der Schlange“ im HdBF. Foto: Caspar SchwieteringFoto: Caspar Schwietering

Das Haus der Berliner Festspiele sei für ihr Gemeinschaftsgefühl wichtig gewesen, meint Frisch. Im Laufe des Morgens sei die Gruppe dabei immer weiter gewachsen. „Als die Kassen um Zehn aufmachten, waren wir meistens an die 100 Leute.“

Nana Frisch zweifelt daran, dass die „Audi City Berlin“ einen solchen Ansturm bewältigen kann. Dort fehle es an Platz. Vor allem kritisiert sie, dass das Autohaus während der Festspiele erst um neun Uhr öffnen will. „Damit werden wir den Großteil des Morgens draußen stehen.“ Ihnen fehle so auch eine Toilette.

Die neue Berlinale-Leitung hat Frisch enttäuscht

Von der Berlinale fühlt sich Frisch im Stich gelassen. Als sie im Januar Gerüchte hörte, dass es im HdBF dieses Jahr keinen Vorverkauf geben wird, fragte sie beim Festival nach, erhielt aber keine Antwort. Offiziell verkündet wurde die Entscheidung erst mit der Programmveröffentlichung in der vergangenen Woche.

Dass die neue Berlinale-Chefin Mariette Rissenbeek im „Tagesspiegel Checkpoint“-Interview betont, dass viele Fans das Anstehen für Tickets wegen des Gemeinschaftsgefühls charmant fänden, kommt Frisch nun vor wie Hohn. An ihre Belange habe jedenfalls niemand gedacht, sagt sie.

Die Berlinale erklärt, dass Platzmangel im HdBF zum Aus der Vorverkaufs geführt habe. „Wir bespielen das Haus mit der Reihe ’Berlinale Special’ und haben dabei auch einen Roten Teppich und Nebenevents. Dabei kam es immer wieder zu Konflikten mit den Vorverkaufskassen“, sagt Ingo Franke, der Leiter des Ticketoffices. Das Haus habe nämlich nur eine Kassenhalle, die zugleich Foyer sei.

Auch am Potsdamer Platz wird es dieses Jahr ungemütlich

Mit dem 400 Meter entfernten „Audi City Berlin“ gebe es eine gute Alternative in der City West, sagt Franke. „ Auf die Öffnungszeiten dort haben wir aber leider nur begrenzt Einfluss.“

Allen, die die ganze Nacht warten wollen, um die besten Tickets zu ergattern, empfiehlt Franke den Vorverkauf in den Potsdamer Platz Arkaden. Dort gebe es sogar Sofas für die Fans. Wirklich gemütlich ist es in dem Einkaufszentrum momentan allerdings auch nicht. Wegen Bauarbeiten sind dieses Jahr alle Läden geschlossen.

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