Berlinale-Kolumne : Die Frau hinter dem Berlinale-Bären

Almut Fischer ist das Gesicht der Berlinale, auf jedem Plakat zu sehen – als Bär. Ein echter Berlin-Film ist auch ihr Leben. Eine Kolumne.

In dem Bärenkostüm ist sie überall zu sehen. Wie hier, über den Köpfen der Filmemacher. Almut Fischer.
In dem Bärenkostüm ist sie überall zu sehen. Wie hier, über den Köpfen der Filmemacher. Almut Fischer.Foto: imago/snapshot

Krass, was hinter den Kulissen alles abgeht. Der Bär der Berlinale zum Beispiel, der isst Blutwurst. „Ist doch ein schönes Wintergericht“, sagt Almut Fischer und streicht sich ihre blonden Haare zurück hier in der alten DDR- Speisegaststätte inmitten des neu frisierten Prenzlauer Berg.

Sie werden diese blonden Haare kennen: Sie sind auf jedem Berlinale-Plakat zu sehen, wie sie aus einem Bärenkostüm herausgucken. Und auf jeder Kinokarte. Almut Fischer ist nicht weniger als die Berlinale selbst, überall in der Stadt hängt sie als Bär ab. „Das ist surreal“, sagt die 30-Jährige. Und das ist, wie alles bei diesem Festival, maßlos untertrieben.

Ein echter Berlin-Film

Eigentlich wollte Almut Fischer Journalistin werden. Aber dann drehte sich ihr Leben in einen echten Berlin-Film. Aufgewachsen im gleichen 300-Seelen- Dorf wie Matthias Sammer, fasziniert vom Kinderausflug auf Berlins Fernsehturm, geprägt von der Plattensammlung des Vaters, auch vom Blick ihrer Eltern in die Stasi-Akten, als größter GZSZ-Fan und jüngste Jugendseitenredakteurin in Großenhain verschlug es sie, klar, nach Berlin.

Sie wurde Kartenabreißerin bei der Berlinale. Garderobenfrau im Berghain („Da hab ich einfach angerufen, weil ich nebenan wohnte.“) Friedrichshainerin, in deren Haus „Das Leben der Anderen“ gedreht wird. Nun ist sie, eher zufällig über ihre Scoutagentur „Deebeephunky“, das Gesicht der Berlinale. Jeder Regisseur würde so ein Drehbuch ablehnen.

Almut Fischer ist das Gesicht der Berlinale - im Bärenkostüm.
Almut Fischer ist das Gesicht der Berlinale - im Bärenkostüm.Foto: Robert Ide

„Am Ende hatte ich Muskelkater“

Da stand sie also, an einem graukalten Abend am Fehrbelliner Platz. Im Bärenkostüm. Busse hupten. Ein Obdachloser hütete ihre Schminke. Und sie hatte den Bärenkopf, der sie an einen DDR-Märchenfilm erinnerte, in der Hand – setzte ihn fürs Foto auf und ab, auf und ab. „Am Ende hatte ich Muskelkater.“ Aber wieder was erlebt. Nicht bloß Hip-Hop-Konzerte, Alba-Spiele, Berghain-Nächte, Berlinale-Filme – was man in Berlin so macht, wenn man hier nie wieder weg will aus diesem Film namens Leben.

Wenn du dich jeden Tag selbst siehst in der Stadt, die du verkörperst – was soll da noch kommen? „Keine Ahnung“, sagt Almut Fischer. Da geht es ihr so wie der Berlinale: Nach der Vermenschlichung der Bären braucht es eine neue Story. „Das Ding ist durch“, glaubt Almut Fischer. Sie sollte Journalistin werden.

Und aus dem Berlinale-Bär wird bald Blutwurst.

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Robert Ide, Berlin-Chef beim Tagesspiegel und großer Kino-Fan, schreibt für den Tagesspiegel jeden Tag seine neue Berlinale-Kolumne - auch auf der Titelseite. Titel: "Im Film mit Robert Ide". Er löst damit Harald Martenstein ab, der seit 1990 die Berlinale als Kolumnist begleitet hat. Hier lesen Sie Martensteins Bilanz im Tagesspiegel.

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