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Berliner Abgeordnetenhaus : CDU kritisiert Gedenken der Linken an KPD-Gründung

Die Linkspartei wolle ihre eigenen Wurzeln „verniedlichen“, sagt Dregger. Als „Totengräber der Weimarer Republik“ bezeichnet Knabe die KPD.

Es war der erste öffentliche Auftritt des früheren Chefs der Stasiopfer-Gedenkstätte nach seinem Comeback-Versuch.
Es war der erste öffentliche Auftritt des früheren Chefs der Stasiopfer-Gedenkstätte nach seinem Comeback-Versuch.Foto: Tim Brakemeier

Keine vier Wochen nach seinem endgültigen Ausscheiden als Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hat sich Hubertus Knabe erstmals wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Auf Einladung der CDU-Fraktion nahm der Historiker am Montag an einem Pressegespräch im Abgeordnetenhaus teil. Anlass war eine am selben Abend anstehende Veranstaltung der Linkspartei zum Gedenken an die Gründung der KPD vor 100 Jahren.

Knabe bezeichnete die KPD als einen der „Totengräber der Weimarer Republik“, deren Ziel die Diktatur des Proletariats war. Die Partei habe einen gewaltsamen Umsturzversuch befürwortet, die SPD als Verräter abgestempelt und den Kampf um den Sozialismus als „gewalttätigsten Bürgerkrieg der Welt“ angekündigt. „Bis heute beruft sich die Linkspartei auf die Traditionen der KPD und hat dafür eine ganz eigene verschleiernde Sprache entwickelt“, sagte Knabe. Fragen nach seiner persönlichen Situation und möglichen Plänen nach dem Ausscheiden als Gedenkstättenleiter hatte die CDU-Fraktion bereits in der Einladung zum Pressegespräch abgeblockt. Darin hieß es: „Bitte haben Sie Verständnis für den Hinweis, dass es bei diesem Gespräch einzig und allein um die KPD-Gedenkfeier der Linksfraktion geht.“

Gastgeber Burkard Dregger wiederum warnte vor einer „Gedenkveranstaltung“, in der die Linken ihre eigenen Wurzeln „verniedlichen“ wollten. Er habe „große Zweifel an einer klaren Abgrenzung der Linkspartei von der linksextremistischen Geschichte der KPD und an einer selbstkritischen Auseinandersetzung.“

Redner nahmen Bedenken kritisch auf

Am Abend nahmen gleich mehrere Redner die vorab geäußerten Bedenken kritisch auf. Wenke Christoph von der Rosa- Luxemburg-Stiftung etwa verwies darauf, dass die Auseinandersetzung mit der KPD schon wegen der aktuellen Diskussionen um die ebenfalls 100. Jährung der Novemberrevolution 1918 unumgänglich sei. Ebenso begann der Historiker Marcel Bois seinen Vortrag über die KPD im Kontext der Kommunistischen Internationalen (Komintern) mit der Ansage, die CDU habe ihm Hoffnungen auf eine ausgelassene Jubelfeier gemacht – leider könne er mit seinem Text keinen Beitrag dazu leisten, und erzählte in den folgenden zehn Minuten von der internationalen Ausrichtung der Partei und dem Wachstum ihrer Abhängigkeit von der Komintern, die zu ihrer allmählichen Stalinisierung führte, den inneren Widerständen gegen dieselbe und schließlich zur „absurden“ Auslieferung tausender KPD- Mitglieder durch russische Genossen an die Nazis im Rahmen des Hitler-Stalin Paktes.

Die Linke sei nicht ohne die KPD zu denken, ebenso wenig die KPD ohne den Stalinismus, wie Manuela Schmidt, Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, formulierte – das war auch weitgehend Konsens bei der Veranstaltung. Auch Bundesparteichef Bernd Riexinger resümierte anhand der zahlreichen Fehleinschätzungen der KPD: Für die heutige Linke gelte, aus den Fehlern zu lernen. Schwarz-Weiß-Denken sei dabei aber nicht förderlich. Die Zentrumspartei habe damals dem Ermächtigungsgesetz Hitlers zugestimmt, während die KPD als erste Partei von den Nazis verboten worden sei. Die wechselseitigen Anfeindungen von KPD und SPD hätten damals die Chance auf eine antifaschistische Einheit vereitelt – ein Fehler, den man gerade jetzt wieder vor Augen haben solle.

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