Berliner Abitur zu schwer? : Schüler fordern Überprüfung der Matheklausur

Abitur mit Nachspiel: Der Landesschülerausschuss will genau wissen, wie die Noten ausfielen. In Bayern gibt es diese Information schon an diesem Donnerstag.

Keine Ruhe um Abi-Prüfungen: Bundesweit gibt es Protest-Petitionen. Mit Abstand am größten ist die Resonanz aber in Bayern.
Keine Ruhe um Abi-Prüfungen: Bundesweit gibt es Protest-Petitionen. Mit Abstand am größten ist die Resonanz aber in Bayern.Foto: Julian Stratenschulte/dp

„Zu schwer“ war das diesjährige Mathematikabitur. Das hatten kürzlich 70 bis 75 Prozent der Teilnehmer bei einer Umfrage des Berliner Landesschülerausschusses (LSA) angegeben. Das höchste Schülergremium leitete daraus am Dienstag zwei Forderungen ab: Die Bildungsverwaltung soll eine „objektive Überprüfung“ des Schwierigkeitsgrades durch Fachleute anstoßen und die Resultate der Klausuren bekannt geben. Dies beschloss der LSA nach Tagesspiegel-Informationen am Dienstagabend

Sofern die Klausuren „deutlich schlechter“ als in den Vorjahren ausgefallen seien, müssten daraus „Konsequenzen gezogen werden“, sagte LSA-Sprecher Lucas Valle-Thiele.

Die Mathematikdidaktik-Experten der Humboldt-Universität (HU), Andreas Filler und Luise Fehlinger, teilten auf Anfrage mit, sie sähen mehrere „positive Tendenzen“ im diesjährigen Abitur. Dazu zähle, dass mehr Begründungen und Argumentationen sowie der „Umgang mit verschiedenen Darstellungsformen von Funktionen“ gefordert worden seien. Zudem sei „mehr grundlegendes Wissen“ aus den Klassen 7-10 benötigt und der Anteil der Aufgaben, „die nicht nur das Abarbeiten von bekannten Routinen erfordern“, sei erhöht worden, lobten sie. Als "positive Tendenz" vermerkten die HU-Mathematiker darüber hinaus, dass es "nach längerer Zeit wieder eine Logarithmusfunktion gab".

Bayern: 73.000 Protestunterschriften

Wie berichtet fokussieren sich die Berliner Beschwerden auf die Analysisaufgaben im Leistungskurs und auf den hilfsmittelfreien Teil im Grundkurs. Die Protestpetition gegen das Berliner Mathematikabitur haben bisher rund 3500 Schüler und Eltern unterschrieben, in Bayern waren es rund 73 000. Das dortige Kultusministerium ist daher stärker unter Druck geraten und will die Öffentlichkeit am Donnerstag „über das Abitur 2019 im Fach Mathematik informieren“, wie es am Dienstag ankündigte.

Eine Untersuchung an der HU im Rahmen einer Masterarbeit hatte kürzlich gezeigt, dass Bayerns Mathematik-Abitur anspruchsvoller ist als das Berliner, obwohl in Bayern alle Abiturienten sich in Mathematik prüfen lassen müssen, in Berlin aber nur die Schüler, die Mathematik als Prüfungsfach wählen.

Die diesjährigen Berliner Abituraufgaben in Mathematik gibt es HIER.

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