• Berliner CDU-Chef besucht Jüdisches Bildungszentrum: Rabbiner Teichtal fordert Taten statt Worte

Berliner CDU-Chef besucht Jüdisches Bildungszentrum : Rabbiner Teichtal fordert Taten statt Worte

Vor kurzem wurde der Rabbiner Yehuda Teichtal Opfer einer antisemitischen Beleidigung. Er sagt, Juden in Berlin fürchten um ihre Sicherheit.

Der kürzlich attackierte Rabbiner Yehuda Teichtal (l.) mit Berlins CDU-Chef Kai Wegner und Cornelia Seibeld (CDU).
Der kürzlich attackierte Rabbiner Yehuda Teichtal (l.) mit Berlins CDU-Chef Kai Wegner und Cornelia Seibeld (CDU).Foto: Britta Pedersen/dpa

Vor dem Hintergrund steigender Zahlen antisemitischer Vorfälle in Berlin ruft Yehuda Teichtal, Rabbi der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft dazu auf, ihren Worten auch Handlungen folgen zu lassen. „Wenn auf Attacken und Straftaten nicht die entsprechende Reaktion folgt, geht das Vertrauen der Menschen verloren“, erklärte Teichtal am Mittwoch anlässlich eines Besuchs des Berliner CDU-Chefs Kai Wegner im Jüdischen Bildungszentrum.

In Schulen, in der Erziehung und auch in der Politik müssten konkrete Maßnahmen ergriffen werden, um judenfeindlichen Vorurteilen und Straftaten entgegenzutreten. Die Betroffenen der verbalen oder auch körperlichen Attacken müssten spüren, dass die Gesellschaft diese nicht toleriert, forderte Teichtal. Er erklärte: „Es muss unpopulär sein, sich antisemitisch zu äußern.“ Der Rabbi lebt selbst seit 23 Jahren in Berlin. Er stellte fest, dass Klima gegenüber Juden in der Stadt habe sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren zum Negativen verändert.

Teichtal, der selbst erst Opfer antisemitischer Beleidigungen geworden war und diese zur Anzeige gebracht hatte, machte aber auch klar: „Wir Juden sind hier und wir bleiben hier, wir gehen nirgendwo hin.“ In dem Fall, der sich vor knapp zwei Wochen ereignet hatte, ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz. Informationen zum Stand des Verfahrens – Teichtal war im Beisein seines Sohnes aus der Wohnung eines Mehrfamilienhauses heraus beleidigt und bespuckt worden – gab es am Mittwoch nicht.

Teichtal lobte die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden, erklärte aber auch: „Zügige Ermittlungsergebnisse würden das Vertrauen unserer Gemeindemitglieder sicher stärken.“ Erst am Mittwochmorgen habe die Mutter eines Sohnes den Rabbi um Rat gefragt, weil sie um die Sicherheit des Kippa-tragenden Jungen fürchtet. Gespräche wie diese müsste er in letzter Zeit häufiger führen, so der Rabbi. Juden in Berlin hätten Angst, einige seien sogar verzweifelt.

Jüdisches Leben ist Geschenk und Verpflichtung

Wegner, der Teichtal gemeinsam mit der kirchenpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion, Cornelia Seibeld, besucht hatte, setzte eigene Akzente. Er sprach sich dafür aus, den Besuch einer KZ-Gedenkstätte wie der in Sachsenhausen verpflichtend in den Berliner Lehrplan aufzunehmen. So sollten die Schüler für das Thema Antisemitismus sensibilisiert werden. Seibeld merkte an, diese Besuche müssten am Ende der ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Thema stehen und gut vorbereitet sein, unterstützte den Vorstoß aber grundsätzlich.

Der Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender des Chabad Jüdischen Bildungszentrums hat Kai Wegener (CDU) zu Besuch.
Der Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender des Chabad Jüdischen Bildungszentrums hat Kai Wegener (CDU) zu Besuch.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eine Debatte zum verpflichtenden Besuch von KZ-Gedenkstätten für Berliner Schüler hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Angestoßen hatte sie die SPD-Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli. Mit Blick auf die Situation von in Berlin lebenden Juden sagte Wegner: „Jüdisches Leben in der Stadt ist ein Geschenk und Verpflichtung zugleich. Wenn ich höre, dass das Wort Jude auf Schulhöfen dieser Stadt als Schimpfwort gebraucht wird, macht mich das rasend.“

Solidaritätsgebet in Wilmersdorfer Synagoge

Er forderte zugleich dazu auf, die Täter bei Straftaten klar zu benennen und auch die muslimischen Verbände stärker in die Pflicht zu nehmen. Wegner und Seibeld waren nach Auskunft Teichtals neben SPD-Fraktionschef Raed Saleh die einzigen Vertreter aus der Landespolitik, die der Jüdischen Gemeinde nach dem Angriff auf deren Rabbi einen Besuch abgestattet hatten.

Am Freitag (19 Uhr) plant diese ein Solidaritätsgebet in der Wilmersdorfer Synagoge, Münstersche Straße 6. Dabei sollen Gebete für Frieden und Toleranz für Angehörige aller Religionen auf Hebräisch und Deutsch gelesen werden. Teichtal, der das Gebet leiten wird, erklärte dazu: „Wir werden die Dunkelheit mit Licht bekämpfen.“ Nach seinen Angaben hat Außenminister Heiko Maas (SPD) seine Teilnahme bereits am Mittwoch zugesagt. Und auch Kai Wegner wird der Einladung folgen.

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