Berliner Flughafenbaustelle : Anton Hofreiter denkt den BER endlich vom Ende her

Was tun mit dem BER? Der Grünen-Politiker hat da einen Vorschlag. Und unser Kolumnist erklärt ihn. Eine Glosse.

Guter Mann. Anton Hofreiter hat eine Idee zum BER.
Guter Mann. Anton Hofreiter hat eine Idee zum BER.Foto: dpa

Wenn Sie mir ein Geständnis erlauben: Ich war im bitterkalten Winter 2012 einer der Komparsen, die auf dem Flughafen BER mit abgeschabten Leihkoffern das Abgefertigtwerden geübt haben. Das lief – so hieß es jedenfalls – ganz gut, ich habe diese Botschaft dann als Journalist in die Welt posaunt und damit den größten Unsinn meines Berufslebens verbreitet. Einziger Trost: Auch kein anderer Kollege hat die Wahrheit erkannt und geschrieben, dass man diesen Flughafen nur noch auf den Laster schmeißen und von vorn anfangen könne.

Möglicherweise kam in den zahllosen Satiren späterer Jahre auch mal der Vorschlag vor, das Terminal einfach wegzuschließen, dafür ein paar Hundert typgeprüfte und einfach zu entrauchende Bretterbuden neben das Flugfeld zu stellen und die Passagiere dort abzufertigen. Also genau die Idee, die der Obergrüne Anton Hofreiter nun ganz ernst ins Gespräch gebracht hat. Das klingt ein bisschen wie: „Wir frieren den Patienten erst mal ein und tauen ihn wieder auf, wenn die Wissenschaft ein Mittel gegen diese scheußliche Krankheit gefunden hat.“ Aber: Er hat ja recht.

In 50 Jahren zeigt sich, wie recht er hat

Denn nur so ist es möglich, Tegel endlich zu schließen und den Regelflugbetrieb drunten aufzunehmen. Und wenn sich das System erst einmal eingespielt hat, mit kurzen Wegen, dezentralen Sicherheitskontrollen und einem reisefiebrigen Lauf übers Flugfeld bis zur Gangway – also wie Tegels Terminal C zu Zeiten von Air Berlin –, dann werden wir das gar nicht mehr anders wollen. Es ist so authentisch!

Im zwölften Jahr wird der BER immer närrischer
Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.Weitere Bilder anzeigen
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22.11.2017 23:24Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.

Und das schöne Terminal? Zugegeben: Es wird nicht einfach sein, die Leute von Bosch und Siemens zum Aufhören zu bewegen, die sich da in den Kabelschächten eine Lebensstellung erschraubt haben. Aber Berlin war schon immer erfinderisch darin, den Gescheiterten neue Perspektiven zu eröffnen, warum nicht als Fremdenführer im unvollendeten Terminal? Auch die ulkige Kleckerkathedrale in Barcelona ist ja nie richtig fertig geworden – und trotzdem rennen alle Touristen hin.

Schätzungsweise in 50 Jahren wird die Hofreiter-Lösung ihre ganze Weisheit entfaltet haben. Dann ist nämlich das Kerosin alle, das Beamen ohne Flugzeug funktioniert und BER kann der Natur überlassen werden, den brandenburgischen Wölfen und der Spontanvegetation. Und für die Archäologen, die sich später fragen werden, was das für ein komischer Bau sein soll, lassen wir einfach einen Zettel hängen: Pyramide Berliner Art, Betreten verboten.

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