Berliner Haftanstalt : Schwarzfahrer begeht Suizid im Krankenhaus der JVA Plötzensee

Am Dienstagmorgen wurde ein Insasse der JVA Plötzensee tot aufgefunden. Mitte Februar wäre der Häftling frei gekommen.

Vergitterte Fenster der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee in Berlin.
Vergitterte Fenster der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee in Berlin.Foto: Paul Zinken/dpa

Im Haftkrankenhaus Plötzensee hat sich ein Insasse das Leben genommen. Der Mann, der im Dezember in das Krankenhaus gekommen war, wurde am Dienstagmorgen tot aufgefunden. Der erkrankte Häftling verbüßte eine Ersatzfreiheitsstrafe von 70 Tagen wegen des Erschleichens von Leistungen, da er eine Geldstrafe für wiederholtes Schwarzfahren nicht bezahlt hatte. Mitte Februar wäre er frei gekommen. Angaben zum Grund seines Krankenhausaufenthalts und zur Todesursache machte die Justizverwaltung aus Datenschutzgründen nicht.

„Wir befassen uns bei jedem Gefangenen, der bei uns eingeht, mit der Frage einer Suizidgefährdung und wie er mit der Haftstrafe zurechtkommen wird“, erklärte Sebastian Brux, Sprecher der Justizverwaltung, auf Nachfrage des Tagesspiegel. Zuerst hatte die „BZ“ berichtet. Brux sagte, es habe keinen Verdacht auf eine mögliche Selbsttötungsabsicht oder eine psychische Störung gegeben. Die Leiche sei der Polizei zu Obduktion übergeben worden.

Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht. Im Rahmen der Sofortmaßnahmen muss die Justizvollzugsanstalt nun die zuständigen Behörden und Verantwortlichen informieren und den Fall intern aufarbeiten.

In der Regel seien die Patienten im Haftkrankenhaus in Einzelzimmern untergebracht, erklärte Brux. „Wenn der Verdacht besteht, dass ein Patient suizidgefährdet ist, kann man ihn in einem Doppelzimmer unterbringen, damit immer jemand bei ihm ist.“ Krankenpfleger könnten zudem regelmäßig nach ihm sehen und kontrollieren, ob er gefährliche Gegenstände, die sich zur Selbstverletzung eignen, bei sich habe. Zudem gebe es Angebote von Psychologen und Sozialarbeitern für die Insassen.

Der erste Suizid in diesem Jahr in einer Berliner Haftanstalt

Maßnahmen zur Suizidprävention werden nach Angaben der Justizverwaltung sowohl in Berlin als auch länderübergreifend weiterentwickelt. Laut der Behörde war der aktuelle Fall der erste Suizid in einer Berliner Haftanstalt in diesem Jahr. Auf ihrer Internetseite gibt die Verwaltung die Zahl der Selbsttötungen in den Gefängnissen öffentlich bekannt. Im vergangenen Jahr hatten sich demnach sieben Insassen das Leben genommen, davon zwei in der JVA Plötzensee, vier in der JVA Tegel und eine Person in der JVA Moabit. 2016 und 2014 hatte es ebenfalls sieben Suizide gegeben, 2015 waren es zwei. Der aktuelle Fall soll am Mittwoch auf der Internetseite vermerkt werden, sagte ein Sprecher. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) stand wegen seiner Öffentlichkeitsarbeit hinsichtlich der Flucht mehrerer Häftlinge zuletzt in der Kritik. Pressemeldungen wurden zu vergangenen Suiziden nicht herausgegeben.

Die Haftanstalten gehören zu den Sorgenkindern der Berliner Verwaltung: 200 Stellen waren zuletzt unbesetzt, hinzu kommen häufige Krankheitsausfälle und Überstunden bei den 1900 eingesetzten Vollzugsbeamten.

Nachdem es in den Gefängnissen wiederholt zu einer hohen Zahl Selbsttötungen und mehreren Fluchten kam, hatte Justizsenator Behrendt Anfang Januar angekündigt, dass noch in diesem Jahr 120 Männer und Frauen ihre Ausbildung für den Vollzugsdienst beenden und weitere 150 Azubis in den kommenden Jahren fertig werden.

Auch über die Abschaffung von Ersatzfreiheitsstrafen für das Schwarzfahren und dessen Einstufung als Ordnungswidrigkeit wurde wiederholt debattiert, da die Vielzahl der Fälle die Berliner Justiz überlastet. Auch Behrendt hatte dies 2016 vor Beginn seiner Amtszeit als Justizsenator vorgeschlagen.

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