Berliner Kliniken : Therapeuten streiken erneut an der Charité

Am Mittwoch streiken die Physio- und Ergotherapeuten an der Charité für höheren Tariflohn. Auch Vivantes ringt mit seinen Tochterfirmen wegen des Geldes.

Das Bettenhaus der Charité an der Luisenstraße in Berlin-Mitte.
Das Bettenhaus der Charité an der Luisenstraße in Berlin-Mitte.Foto: imago/Olaf Selchow

Am heutigen Mittwoch kommt es an der Charité erneut zum Streik: Protestierende Physio- und Ergotherapeuten versammelten sich vor den Eingängen der Universitätsklinik. Sie sind Angestellte der Charité-Tochterfirma CPPZ. Für 120 der 170 CPPZ-Mitarbeiter aber gilt kein Tarifvertrag. Die Therapeuten erhalten deshalb oft zwischen 400 und 800 Euro brutto im Monat weniger, als die nach Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TvöD) bezahlten Kollegen im Charité-Stammhaus. Wie berichtet, waren Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Geschäftsführung ausgesetzt worden.

Therapeuten wollen vor Charité-Aufsichtsrat demonstrieren

Am Freitag wollen die Therapeuten vor der Charité-Aufsichtsratssitzung am Campus in Mitte demonstrieren. Aufsichtsratschef des landeseigenen Hochschulkrankenhauses ist Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD). Im vergangenen Jahr hatte das Abgeordnetenhaus beschlossen, dass die Tochterfirmen der landeseigenen Krankenhäuser wieder eingegliedert werden sollen.

Zwischen Vertretern von Senat und Gewerkschaft laufen dazu Gespräche. Womöglich soll es erst einen Fahrplan für die komplette Wiedereingliederung der Tochterfirmen geben, dann eine Detailverhandlung für das zu übertragende Tarifmodell.

Vor wenigen Tagen berichtete der Tagesspiegel vorab, dass die Charité das vergangene Geschäftsjahr nur äußerst knapp ohne neue Schulden abgeschlossen hat. Zudem wurde bekannt, dass 75 Prozent der Charité-Ärzte nur befristet angestellt sind. Auch einige der CPPZ-Therapeuten waren nach Auskunft eines Verdi-Verhandlers erst in diesem Jahr befristet angestellt worden. Auch gegen diese Personalpraxis richtet sich ein Beschluss des Abgeordnetenhauses. Der Charité-Vorstand wird sich am Freitag zur aktuellen Bilanz und den Aussichten für 2019 äußern.

Auch Vivantes gliedert Tochterfirma wieder ein

Auch bei den ebenfalls landeseigenen Vivantes-Kliniken geht es darum, die Service-Tochterfirma VSG wieder einzugliedern. Nachdem VGS-Mitarbeiter vergangenes Jahr insgesamt 51 Tage streikten, werden deren Gehälter bis 2020 schrittweise auf 90 Prozent des TvöD-Niveaus angehoben. Das sind je nach Einstufung bis zu 500 Euro Monatsbrutto mehr. Das gilt allerdings noch nicht für alle Mitarbeiter des Vivantes-Konzerns.

Müsste Vivantes alle Beschäftigten nach TvöD (und dann in voller Höhe) bezahlen, stiegen die Personalkosten bis zu 30 Millionen Euro im Jahr. Wie berichtet, wehrt sich die Klinikkette gerade gegen die Vorwürfe einer RTL-Sendung des "Team Wallraff". Bei Vivantes arbeiten mehr als 16.000 Beschäftige in neun Kliniken und 13 Pflegeheimen. An der Charité sind es 17.000 Mitarbeiter an vier Standorten.

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