Berliner Kulturstandort : Beteiligungsverfahren für Alte Münze beginnt

Lange war die Zukunft der Alten Münze unsicher. Über die Nutzung des Gebäudes am Molkenmarkt soll nun endlich entschieden werden. Aber wie?

Was wird aus der Alten Münze am Molkenmarkt?
Was wird aus der Alten Münze am Molkenmarkt?Foto: Britta Pedersen

Beim Auftakt des Beteiligungsverfahrens zur Nutzung der Alten Münze ist am Dienstag heftig diskutiert worden. Vor allem das Verfahren selbst wurde bei dem öffentlichen Forum kritisiert. Die Teilnehmer fürchten, dass nicht fair über die Nutzung entschieden wird - oder dass die Regierung schlussendlich über die Köpfe der Bürger hinweg einen Beschluss trifft. Ideen und Meinungen darüber, wie der Kulturstandort am Molkenmarkt, der dem Land Berlin gehört, genutzt werden soll, gibt es viele.

Bei dem öffentlichen Forum am Dienstag stellten die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH den Prozess und die bisherigen Pläne für die Entwicklung und Sanierung vor. Bis 2026 soll der Kulturstandort fertig sein. Dabei handelt es sich um ein riesiges Vorhaben, das dazu führen kann, dass aus der Alten Münze zeitweilen eine riesige Baustelle wird. Die Gebäude sind alle komplett unterkellert. Man wird den gesamten Keller aufmachen müssen - und unter der Erde befindet sich "ein einziges Labyrinth" an Räumen und Gängen, wie die zuständige Architektin erklärt. Zudem steht das Gebäude unter Denkmalschutz, weshalb vorsichtig gearbeitet werden muss.

Ein langer Weg

Doch bevor es überhaupt losgehen kann, muss ein Nutzungskonzept stehen, zu dem der Rat der Öffentlichkeit hinzugezogen wird. Bis Juni 2019 werden dazu mehrere Workshops und noch zwei weitere öffentliche Foren stattfinden. An den Workshops nimmt eine Arbeitsgruppe aus vierzig Personen teil, wovon zwanzig Mitglieder der Senat festlegt. Die andere Hälfte besteht aus freien Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich um die Plätze bewerben können. Offen ist das Bewerbungsverfahren für alle Interessierte. Man muss lediglich einen Bewerbungsbogen bis zum 19. Februar ausfüllen. Dann wird per Losverfahren entschieden, wer die zwanzig freien Plätze belegen wird.

Faire Beteiligung?

Das Losverfahren jedoch ist umstritten. Vor allem Künstlerinnen und Künstler sowie Mitglieder der "Koalition der Freien Szene" meldeten sich am Dienstag zu Wort, um Kritik daran zu äußern. Als "absurd und unfair" bezeichneten einige Teilnehmer das Verfahren. Außerdem sei offen, ob die Öffentlichkeit tatsächlich mitentscheiden wird, hieß es am Dienstag seitens der Kritiker.

Wenn per Zufallsprinzip entschieden wird, wer in der Arbeitsgruppe mitwirkt, wie kann dann sichergestellt werden, dass der Standort wirklich auch im Interesse der Kulturschaffenden entwickelt wird? Und wie kann man sicherstellen, dass es einen gleichberechtigten Anteil an Vertretern aus Kultur- und Kreativwirtschaft gibt? All das sei offen.

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Die Alte Münze in Mitte soll ein Kulturstandort bleiben
Die Alte Münze wird dauerhaft zum Kulturstandort

Die Senatsverwaltung und die BIM müssten jene Fragen jedoch beantworten können, heißt es seitens der Kritiker. Aber die Antworten sind letztlich immer wieder die gleichen: Das Verfahren stehe. Ungerechtigkeiten könne man nie ganz ausschließen und je mehr Künstler und Kulturschaffende sich bewerben, desto größer sei die Chance, dass sie auch ausreichend vertreten seien, heißt es.

Offener Projektraum für alle

Ob das Verfahren am Ende fair abläuft oder nicht, darüber wurden sich die rund 150 Teilnehmer am Dienstag nicht einig. Eine offene Ideenwand im Haus 2 soll ein Forum bilden und Beteiligung garantieren. Hier können Interessenten bis zum Sommer Visionen und Vorschläge für die Alte Münze anbringen. Es werden auch die Ergebnisse der einzelnen Workshops und Foren präsentiert, wodurch das Verfahren transparent werden soll. Bei dem Forum am Dienstagabend waren schon einige Ideen auf Plakaten angebracht, darunter das Konzept des "House of Jazz" und das "Art and Design Forum".

Welche der Ideen tatsächlich umgesetzt werden, wird sich noch zeigen. Vor allem ein Platz für Musik soll geschaffen werden, darauf hat sich die Senatsverwaltung schon festgelegt.

Am 28. Februar werden auch die Mitglieder der Arbeitsgruppe feststehen. Am 6. März geht es dann mit dem ersten Workshop los. Wer sich um einen Platz bewerben möchte, kann dies entweder online oder im Haus 2 der Alten Münze tun.

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