Berliner Olympiastadion : Senat rechnet mit 70 Millionen Euro Sanierungskosten

Vor 15 Jahren wurde das Berliner Olympiastadion komplett saniert wieder eröffnet. Jetzt stehen neue, teure Baumaßnahmen an.

Das Berliner Olympiastadion - inzwischen wieder sanierungsreif.
Das Berliner Olympiastadion - inzwischen wieder sanierungsreif.Foto: Paul Zinken / dpa

Das Berliner Olympiastadion, das in den Jahren 2000 bis 2004 komplett umgebaut und modernisiert wurde, ist wieder sanierungsreif. Bis 2029 würden für Instandhaltungen und Modernisierungen der Multifunktions-Arena rund 70 Millionen Euro benötigt, teilte die Innen- und Sportverwaltung des Senats mit. Beispielsweise müsse die obere und untere Dachmembrane "altersbedingt ausgetauscht" werden. Das allein dauert fünf Jahre und kostet rund 15 Millionen Euro.

Ansonsten befinde sich die aufwändige Dachkonstruktion des Olympiastadions aber "laut gutachterlicher Bestätigung" in einem sehr guten Zustand, versicherte die Sportverwaltung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des AfD-Abgeordneten Frank Scheermesser. Zurzeit werden an fünf der 136 Außensäulen des denkmalgeschützten Gebäudes instandgesetzt. Auf jedem Pfeiler lastet ein Gewicht von 324 Tonnen.

Dort werden neue Gleitlager für die Stützenköpfe eingebaut. An einer Stelle wurde deshalb, wie berichtet, eine stählerne Ersatzstütze installiert, die von außen gut sichtbar ist und während der Bauarbeiten noch bis April für die notwendige Stabilität der Dachkonstruktion sorgen soll.

Nach 15 Jahren zeigt sich der normale Verschleiß

Auch an vielen anderen Stellen des Mammutbaus, der für die Olympischen Spiele in Berlin 1936 erreichtet wurde, zeigen sich nach 15 Jahren Verschleißerscheinungen. Beton ist nur begrenzt haltbar und die Bestuhlung sehr strapaziert. Ein größerer Sanierungsbedarf ist demnach normal, aber bisher legte die Sportverwaltung des Senats keinen großen Wert darauf, die anfallenden Sanierungskosten öffentlich zu kommunizieren. Zumal im Sommer 2025 der Bundesligist Hertha BSC ausziehen will.

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Selbst wenn sich der Auszug von Hertha ein wenig hinauszögern sollte, bleibt die Frage berechtigt, ob 70 Millionen Euro für ein großenteils leer stehendes Stadion investiert werden müssen. Andererseits ist die Sanierung und technische Modernisierung notwendig, um die Arena für internationale Wettkämpfe, etwa für die Leichtathletik, konkurrenzfähig zu halten.

Die Sanierung des Olympiaparks kostet 567 Millionen Euro

Aber nicht nur in das Stadion, auch in dessen unmittelbare Umgebung, muss mittel- und langfristig viel Geld gesteckt werden. Die vollständige Sanierung des Olympiaparks, einschließlich aller erhaltenswerter Gebäude, wird bis 2050 nach Schätzungen des Senats 567 Millionen Euro kosten. Grundlage für diese gewaltige Investition soll ein Masterplan werden, der seit Anfang 2018 in Vorbereitung ist. Jetzt kündigte Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki an, dass das Konzept voraussichtlich Ende März fertig sei und dem Abgeordnetenhaus im Mai vorgelegt werde.

In diesem Bericht gehe es beispielsweise um die "Schaffung weiterer Sportanlagen und Funktionsgebäude, die Verbesserung der Infrastruktur und Aufenthaltsqualität" im Olympiapark. Doch der Staatssekretär schreibt in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage auch, dass das Nutzungs- und Entwicklungskonzept nur "abhängig von den finanziell zur Verfügung stehenden Mitteln" umgesetzt werden könne.

Der aktuelle Finanzplan sagt zum Olympiastadion nichts

Im laufenden Finanzplan des Landes Berlin sind bis 2023 lediglich 6 Millionen Euro pro Jahr für die Sanierung und Modernisierung des Olympiageländes vorgesehen. Aktuell geht es um die Instandsetzung der Großen Turnhalle, der Treppenanlage der Waldbühne, die Erneuerung des Sportmuseums, Arbeiten am Schwimmstadion und an der Maifeldtribüne und um den Neubau der Wache Ost.

Zum Olympiastadion sagt die Finanzplanung derzeit nichts.

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