Berliner Polizei startet neue Image-Kampagne : „Wir können Hauptstadt“

Berlins Polizei wirbt für mehr Anerkennung. Die Kampagne soll auch Beamte stolzer auf ihren Job machen - und den Respekt steigern.

Die auf der neuen Imagekampagne der Berliner Polizei abgebildeten Polizisten halten ihre jeweiligen Plakate in den Händen.
Die auf der neuen Imagekampagne der Berliner Polizei abgebildeten Polizisten halten ihre jeweiligen Plakate in den Händen.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Nun ist es offiziell: „Wir können Hauptstadt“. Unter diesem Slogan wirbt die Berliner Polizei jetzt für sich, für mehr Anerkennung und Nachwuchs – und will ihren Mitarbeitern zu mehr Stolz auf sich selbst verhelfen. Der Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint hatte vor mehr als einer Woche berichtet. Seither wird in der Polizei lebhaft diskutiert. Denn Kampagnen verkaufen ein bestimmtes Image und selten finden sich alle darin wieder.

Es ist Montagmorgen um 9 Uhr. Unzählige Beamte stehen auf den Treppen des Polizeipräsidiums am Platz der Luftbrücke. Innensenator Andreas Geisel (SPD) spricht über den neuen Rückhalt für die Polizei in der Politik nach den Sparjahren, über mehr Personal und wie Berlin den Polizeiberuf attraktiver machen will: Wohnheime für Polizeischüler, die sich die teuren Mieten nicht leisten können. Neue Schießanlagen, höherer Sold, Zulagen. Und mit alldem soll es nach 2021, also nach der nächsten Wahl, weitergehen.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagt, die Behörde trete in der Kampagne „ernsthafter“ auf. „Nur wer sich selbst ernst nimmt, wird ernst genommen.“ Es solle gezeigt werden, „wer wir sind, was die Hauptstadtpolizei leistet“. Die Behördenchefin zählt auf: Schutz für 5000 Versammlungen im Jahr, 240 Staatsbesuche, 221 Botschaften, 141 Residenzen, 3300 Notrufe gehen am Tag ein – auch wenn die Anrufer zuweilen minutenlang warten müssen. Vor allem aber, sagt Slowik, begleitet die Polizei jetzt die Spiele zweier Fußball-Erstligisten.

Prüfungen der Social-Media-Profile von Beamten

Hauptstadt also. Wobei die Polizei und Berlin nicht selten wegen Pannen und Missständen in den Schlagzeilen stehen. „Wir müssen jeden Tag an uns arbeiten“, sagt Slowik. „Alles kommt auf den Tisch, wir stellen uns den Problemen.“ Die neue Ernsthaftigkeit reicht noch weiter: Slowik hat die interne Revision angewiesen, Profile von Beamten in den sozialen Medien wie Instagram, Twitter und Facebook einer „Sonderprüfung zur Risikofrüherkennung“ zu unterziehen.

Es geht vor allem um sogenannte Influencer – und die „Einhaltung dienstrechtlicher Pflichten, werberechtlicher Regelungen“ sowie Korruptionsprävention und „Interessenkollisionen bei Nebentätigkeiten“. Anlass dürfte auch der genehmigte Auftritt einer auf Instagram bekannten Beamtin für eine Kampagne der „Bild“-Zeitung sein.

„Kann Tatort“, „Kann 1. Mai“, „Kann Schnee“

Zurück zum 40 Sekunden langen Image-Film der Polizei: Er soll in Kinos im Werbeblock laufen, im Internet sowieso, und zeigt in kurzen Szenen Streifendienst, Verkehrslenkung, Fahrradstaffel, Demonstrationseinsätze, Spezialeinsatzkommando, Kriminalpolizei, Wasserschutzpolizei, Begleitung von Fußballspielen, Staatsbesuche. Dazu sind kurze Slogans zu lesen: „Kann SEK“, „Kann Tatort“, „Kann 1. Mai“, der Polizeitaucher „kann Spree“, der Ermittler „kann Schnee“ und präsentiert den Kokainfund.

Dazu gibt es acht Plakate mit den Porträts echter, ernst schauender Polizisten mit verschiedenen Slogans. Slowik sagt: „Damit soll in der Tat der Respekt gesteigert werden, um auch Gewalt gegen Polizeiangehörige zu senken.“ Ein Beamter der Fahrradstaffel „kann 42 km, kann 50 km/h“. Eine Ermittlerin „kann Zehnfinger, kann Langfinger“, eine andere „kann Akten, kann Fakten“. Ein Beamter „kann Kotti, kann Köpenick“. 200.000 Euro hat die Kampagne gekostet.

Die Reaktionen sind unterschiedlich, Beamte warnen vor spöttischen „Kann“-Wortspielen beim nächsten Skandal. Das sei einkalkuliert, sagt ein Polizeisprecher. Stephan Kelm, Landesvize der Gewerkschaft der Polizei, findet: Das Image sei eine Sache, die andere die tatsächliche Lage – die Ausstattung, marode Gebäude, die Besoldung, bei der Berlin Schlusslicht ist. „Mit Kampagnen kann man das nicht kompensieren“, sagt Kelm.

Jörn Badendick, Sprecher des Berufsverbands „Unabhängige“, sagt: „Die Kampagne ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“ Die Slang-Slogans lieferten Steilvorlagen für Kritik und erinnerten an die Berichte über schlechte Deutschkenntnisse der Polizeischüler. Viele Beamte fühlten sich durch die Slogans, sogar verunglimpft. Kurzer Blick in den Duden: „Image, das, idealisiertes Bild von jemandem“.

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