Berliner Provisorium : Schule wartet seit 26 Jahren auf Neubau

Seit den 1990ern ist die Biesdorfer Grundschule am Fuchsberg in Behelfsbauten untergebracht. Nun sollte das Provisorium enden – doch es gibt wieder Verzögerungen.

So soll das neue Schulgebäude nach den Planungen der Architekten aussehen. Wenn es eines Tages eröffnet wird.
So soll das neue Schulgebäude nach den Planungen der Architekten aussehen. Wenn es eines Tages eröffnet wird.Foto: HerbstKunkler Architekten

Diese Schule ist Kummer gewohnt: Seit 26 Jahren schon ist die Grundschule am Fuchsberg im Marzahn-Hellersdorfer Ortsteil Biesdorf in Behelfsbauten untergebracht – in sogenannten Mobilen Unterrichtsräumen (MURs), die noch dazu stark sanierungsbedürftig sind.

Jetzt sollte es eigentlich endlich besser werden: Zum Start des neuen Schuljahres im August sollte der seit 1998 angekündigte Neubau fertig sein, so hatten es die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Bezirk geplant. Doch nun gibt es wieder Verzögerungen.

Marzahn-Hellersdorfs Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) ging am Donnerstag mit der Information an die Öffentlichkeit, dass ihm die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine erneute Bauverzögerung mitgeteilt habe. Wenn es dabei bliebe, könne die Schule wohl erst in den Herbstferien in das neue Gebäude ziehen.

Umzug innerhalb von zwei Wochen?

Die Schule und den Bezirk stelle dies vor große organisatorische Schwierigkeiten, teilte Lemm mit. Denn ein Umzug ist in den sechs Wochen langen Sommerferien einfacher zu stemmen als in zwei Wochen Herbstferien – zumal dann ja der Unterricht längst begonnen hat und die neuen Schüler gerade angekommen sind. Außerdem nimmt die Schule zum neuen Schuljahr rund 40 Schüler mehr als bisher auf. Wie und wo diese Schüler in den jetzigen MURs untergebracht werden sollen, ist unklar.

Stadtrat Lemm hat deshalb Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) aufgefordert, alle Möglichkeiten und Kapazitäten zu nutzen, um den Umzugstermin zum Schuljahreswechsel doch noch einhalten zu können: „Ich erwarte, dass alle Beteiligten alles in ihrer Macht Stehende unternehmen.“ Er habe auch das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordneten über die Situation informiert und „um Hilfe gegenüber dem Land gebeten“.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt sich von Lemms Vorstoß überrascht. Es sei richtig, dass es derzeit nach einer wohl sechswöchigen Verzögerung aussehe, doch das sei bei einem so großen Projekt nicht ungewöhnlich, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Man sei verwundert über die Dringlichkeit, die der Bezirk nun anführe. Man wolle jetzt aber prüfen, ob eine Beschleunigung möglich sei.

Keine Essensräume, keine Sporthalle

Im Moment befindet sich die Grundschule mit ihren MURs auf dem Gelände der Klingenberg-Oberschule. Sie hat keine eigenen Essensräume und keine eigene Sporthalle. Doch selbst wenn die Grundschule dann in ihr neues Gebäude kann, gehen die Probleme weiter.

Denn schon jetzt ist klar, dass der 17,4 Millionen Euro teure Neubau zu klein geplant ist. Er ist nur für eine dreizügige Grundschule ausgelegt, es wird jedoch mit steigenden Schülerzahlen gerechnet. Deshalb soll auf dem Gelände ein Erweiterungsbau entstehen. Doch auch da gibt es noch Unklarheiten, wann dieser errichtet wird.

Norman Heise, der neben seinem Amt als Landeselternsprecher auch Vorsitzender des Bezirkselternausschusses Marzahn-Hellersdorf ist, nennt die mögliche Verzögerung einen „Schlag ins Kontor für alle Beteiligten, der einen Rattenschwanz an Problemen nach sich zieht“.

Die Schulleiterin der Fuchsberg-Grundschule unterstützt die Forderungen ihres Stadtrats. So richtig überrascht über die neuerliche Verzögerung sei sie aber nicht: „Dass irgendetwas in Berlin nicht pünktlich fertig wird, das erschüttert mich jetzt nicht.“

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