Berliner Regionalverkehr : Die Sperrung am Karower Kreuz wird aufgehoben

Nach siebeneinhalb Wochen Schienenersatzverkehr fahren die S-Bahnen zwischen Blankenburg und Karow/Buch wieder.

Der Schnellumbauzug „Mammut“ der Bahn verlegt in der Rostocker Kurve am Karower Kreuz Gleise.
Der Schnellumbauzug „Mammut“ der Bahn verlegt in der Rostocker Kurve am Karower Kreuz Gleise.Foto: Bernd Settnik/dpa

Tausende von S-Bahn-Fahrgästen im Nordosten können aufatmen: Nach siebeneinhalb Wochen soll am Freitag die Zeit des Ersatzverkehrs mit Bussen zwischen Blankenburg und Karow/Buch zu Ende sein. Vorausgesetzt, in der Nacht verlaufen die Testfahrten der S-Bahn erfolgreich. Die Bauarbeiten jedenfalls haben das Etappenziel erreicht, konnte Projektleiter Jens Kulecki am Donnerstag bei einer Baustellenbesichtigung stolz verkünden.

Am Karower Kreuz baut die Bahn auf der Strecke Richtung Stettin/Stralsund ein zweites Gleis für den Fern-, Regional- und Güterverkehr, der sogenannten Stettiner Bahn. Dafür ist allerdings ein Mammutprojekt erforderlich. Das Gleis fehlt zwar nur auf einer Länge von etwa einem Kilometer, gebaggert und betoniert wird aber auf einem gut drei Kilometer langen Abschnitt, der auch die parallele S-Bahn einbezieht. Allein acht gemeinsame Brückenneubauten sind erforderlich. Auf der Blankenburger Seite sind sie fertig, im Bereich Karow folgen jetzt drei Bauwerke.

Mammut legt die Gleise

Während es bei der S-Bahn nach Angaben von Kulecki nur noch einige Sperrungen an den Wochenenden geben wird, müssen Züge im Fern-, Regional- und Güterverkehr nach dem jetzigen Terminplan noch bis zum 12. Oktober umgeleitet werden. Danach kann zunächst weiter nur eingleisig gefahren werden. Im Bereich Karow sei keine Vollsperrung möglich, weil die Züge nicht umgeleitet werden können, sagte Kulecki.
Bereits Ende August sollen die Züge Richtung Rostock wieder das Karower Kreuz passieren können. Die neu gebaute Trasse des Abzweigs von der Stettiner Bahn auf den Außenring ist fertig, gestern legte „Mammut“ das Gleis.
„Mammut“ ist eine fahrende Großmaschine, die die Bahn „Schnellumbauzug“ nennt. Zunächst bewegt sie sich auf Raupen auf dem Schotterbett, auf dem in breitem Abstand die Schienen unbefestigt liegen. Aus der Maschine heraus werden die Schwellen im vorgegebenen Abstand auf dem Schotter platziert, anschließend hebt „Mammut“ die Schienen gleich in die richtige Position auf die Schwellen.

So entsteht unter der Maschine das neue Gleis. Der GPS-geregelte Umbauzug schafft in der Stunde etwa 250 Meter. Mit herkömmlicher Technik hätten die Arbeiten auf der 1,3 Kilometer langen Trasse vier Tage gedauert, sagte Matthias Müller, stellvertretender Projektleiter.

„Es kribbelt doch ein wenig im Bauch, ehe man sieht, dass wir alles richtig gemacht haben“

Und am Karower Kreuz zählt jeder Tag. Die Arbeiten haben sich um ein halbes Jahr verzögert, weil Baufirmen Termine nicht eingehalten hätten, klagte Kulecki. Jetzt aber sei man wieder auf einem guten Weg; einen Teil der Verspätung habe man aufgeholt. Im September 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, dann nur noch drei Monate hinter dem alten Zeitplan. Die Kosten sind mit insgesamt 400 Millionen Euro veranschlagt.

Die Planer haben auch bereits für die Zukunft gebaut, An der neuen Betonbrücke der Stettiner Bahn über die Gleise des Außenrings gibt es oben und unten Platz für künftige Bahnsteige des Regionalverkehrs. Auch Vorleistungen für Zugänge sind bereits mitgebaut worden. Einen Termin, wann der seit ewigen Zeiten geplante Turmbahnhof Karower Kreuz, der auch eine Station für die S-Bahn vorsieht, tatsächlich gebaut wird, gibt es aber nicht. Bestellen muss ihn der Senat.

Aber auch die Vergangenheit kommt nicht zu kurz. In Röntgental sollen vor die neuen Brücken Teile des Vorgängerbaus einschließlich – der dann funktionslosen – Stützen angebracht werden und an das alte Bauwerk erinnern. Die sei mit dem Denkmalschutz so abgestimmt, sagte Kulecki.

Bei der Abnahmefahrt für die S-Bahn in der Nacht um 2.05 Uhr wollte er unbedingt dabei sein. „Es kribbelt doch ein wenig im Bauch, ehe man sieht, dass wir alles richtig gemacht haben“, sagte er. Wenn’s klappt, können sich auch die Fahrgäste freuen.

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