• Berliner Start-Up vermisst Pop-up-Radwege: „Die Vermessung per Drohne geht schnell“

Berliner Start-Up vermisst Pop-up-Radwege : „Die Vermessung per Drohne geht schnell“

Ein Kreuzberger Start-up hilft dem Bezirk, die neuen Pop-up-Radwege zu planen – aus der Luft. Wie das funktioniert erzählt Gründer Thomas Gorski im Interview.

Sieben Kilometer Pop-up-Radwege in Friedrichshain-Kreuzberg hat „Airteam“ schon vermessen – 20 sollen noch folgen. 
Sieben Kilometer Pop-up-Radwege in Friedrichshain-Kreuzberg hat „Airteam“ schon vermessen – 20 sollen noch folgen. Foto: Airteam Aerial Intelligence

Normalerweise dokumentiert das Kreuzberger Start-up „Airteam“ Gebäude mittels Drohnen. Kürzlich wurden sie mit der Vermessung der Pop-up-Radwege beauftragt. 

Thomas Gorski ist Gründer der Airteam Aerial Intelligence GmbH – das Start-up verfügt über ein Netzwerk von Drohnenpiloten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Warum wollte der Bezirk für die Radwege mit euch statt einem klassischen Vermessungsbüro zusammenarbeiten?
Der Bezirk hat die breiten Pop-up Radwege innerhalb von zehn Tagen realisiert und wollte das Ganze dementsprechend schnell dokumentieren. Bei einer Vermessung per Drohne geht das – pro Kilometer brauchen wir etwa eine Stunde, bei der Petersburger Straße waren wir eineinhalb Stunden vor Ort. Der zweite Vorteil: Von der gesamten Fläche entsteht ein großes, anschauliches Foto. Vermesser würden nur ein paar Punkte aufnehmen, bei uns gibt es ein komplettes Bild der Realität.

Ist das ein normales, von oben aufgenommenes Foto?
Nein, wie bei jeder Fotokamera entstehen bei Drohnenaufnahmen perspektivische Verzerrungen. Wir kreieren ein sogenanntes Orthofoto, das ist ein verzerrungsfreies Bild. Das sieht so aus, als würde man seine Augen von oben immer genau auf die Straßenfläche richten – praktisch wie bei einer Weltkarte, bei der die Erdkrümmung rausgenommen ist.

Wie viel Radweg-Fläche habt Ihr schon vermessen, wie viel liegt noch vor euch?
Wir haben schon sieben Kilometer vermessen, 20 zu vermessende Kilometer stehen jetzt noch im Raum.

Bisher lag euer Fokus auf Gebäuden, was ist bei den Radwegen neu für euch?
Das Einholen der Genehmigungen ist aufwendiger. Bei einer Dachbefliegung müssen wir nur die Hauseigentümer um Erlaubnis fragen, bei den Pop-up-Radwegen sind mehr Parteien beteiligt: die BVG, das Wasseramt und die Landesluftfahrtbehörde.

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Wir informieren im Vorfeld, damit keine Überraschungen entstehen, wenn zum Beispiel eine Drohne eine Trambahn überfliegt. Bei der Nachbearbeitung sind wir für die Bike-Lane-Daten im intensiven Austausch mit den Kollegen von infraVelo. Deren Bedürfnisse sind auch ein wenig anders als die Anforderungen von Dachdeckern oder Bauunternehmen.

Haben bei Airteam alle Mitarbeitenden einen Drohnen-Führerschein?
Offiziell heißt dieser Führerschein „Drohnenkenntnisnachweis“, den bereits die Hälfte unserer Mitarbeiter gemacht haben. Trotzdem wissen alle von uns, wie mit Drohnen umzugehen ist. Der Nachweis wird nämlich nur im Fall einer Sondergenehmigung benötigt – oder wenn Drohnen geflogen werden, die über zwei Kilogramm wiegen.

Auf eurer Webseite ist das Angebot in „Wir fliegen“ und „Sie fliegen“ aufgeteilt…
Ja, viele unserer Kunden fliegen auch selbst und schicken uns danach nur noch die Daten zur Auswertung zu. Dafür bieten wir eine zweitägige Schulung an, danach ist man fit im Drohnenfliegen. Okay, die Vermessung von Pop-up-Radwegen ist etwas komplizierter, aber unser Algorithmus liefert praktisch aus allen Bilddaten verlässliche Vermessungsergebnisse. Unser Ziel ist, komplexe Drohnen - und Vermessungstechnologie zu demokratisieren. So kann die Drohnentechnik nicht nur von ein paar Großunternehmen genutzt werden, sondern von allen, die sie brauchen.

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