Berliner Wirtschaft : Kammern laden unter Tage zum Neujahrsempfang

Die Kammern begrüßen 1500 Gäste zum Neujahrsempfang in stillgelegtem U-Bahn-Tunnel am Potsdamer Platz. Erstmals laden zwei Frauen zur Feier ein.

Kevin P. Hoffmann
v.l.n.r. Juergen Wittke (Geschäftsführer HWK) Carola Zarth (Präsidentin HWK), Beatrice Kramm (IHK-Präsidentin), Jan Eder (Geschäftsführer IHK)
v.l.n.r. Juergen Wittke (Geschäftsführer HWK) Carola Zarth (Präsidentin HWK), Beatrice Kramm (IHK-Präsidentin), Jan Eder...Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Zum Start ins Jahrzehnt haben sich die beiden größten Kammern der Berliner Wirtschaft ein wenig anders als üblich präsentiert: Ihr gemeinsamer Neujahrsempfang – traditionell das erste große Treffen von Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur – fand am Freitag nicht im Ludwig-Erhard-Hauses statt, wo etwa die Industrie- und Handelskammer (IHK), Berlin Partner und der Verein der Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) ihre Büros haben.

Das Haus wird derzeit renoviert. Also hatten IHK und Handwerkskammer ihre gut 1500 Gäste in „The Tunnel“ geladen, einen stillgelegten U 3-Schacht unter dem Potsdamer Platz – und damit erstmals in den Osten der Stadt, zumindest nach dem ehemaligen Grenzstreifen.

„Berlin ist eine Baustelle“

Eine weitere Premiere: Erstmals haben zwei Frauen als oberste Repräsentantinnen der Kammern die Gäste begrüßt. Für IHK-Präsidentin und Medienunternehmerin Beatrice Kramm (Inhaberin der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft aus Adlershof) war es das dritte Mal. An ihrer Seite stand erstmals Berlins oberste Handwerkerin Carola Zarth, Inhaberin einer KfZ-Werkstatt in Charlottenburg.

Was den Ort der Veranstaltung angeht, erklärte Kramm, man dürfe nicht annehmen, dass Berlins Wirtschaft sich „vor weiteren politischen Einschlägen in Sicherheit bringen“ wolle. „Die Berliner Wirtschaft versteckt sich nicht und weiß sich auch zu wehren!“ Und Zarth betonte: „Energiewende, Straßenbau, Schulsanierung: Jeder braucht Handwerker – und genau das macht uns stark und lässt uns auf goldene zwanziger Jahre hoffen.“

Das neue Berlin im neuen Jahrzehnt werde ein handwerklich gefertigtes sein. „Berlin ist eine Baustelle, hieß es schon in den 90er Jahren – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagte die Handwerkspräsidentin.


Der Neujahrsempfang gilt als Plattform für führende Akteure aus Politik und Wirtschaft. Das Treffen im vergangenen Jahr war geprägt von Spannungen, die im Jahresverlauf deutlich zugenommen haben. Enteignungspläne des Senats für Immobilieneigentümer, überteuerte Rückkäufe von Wohnungsbeständen, der Mietendeckel: All das hat auch Branchen, die keinen direkten Bezug zum Immobilienmarkt haben, verunsichert.

Kritik von Seiten der Wirtschaftsvertretern

Ein großartiger Standort allein reiche nicht, erklärte Kramm. „Wir brauchen auch die richtige Standortpolitik. Und da ist – um es salopp zu sagen – noch eine Menge Luft nach oben.“
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) muss sich viel Kritik von den Wirtschaftsvertretern anhören. Gleichwohl sprach er auch in diesem Jahr wieder ein Grußwort und erwähnte ein Thema, bei dem er die Wirtschaft klar auf seiner Seite hat: die Bewerbung als neuer Standort für die Internationale Automobil-Ausstellung IAA.

In zwei Wochen wollen Müller und Messe-Chef Christian Göke dem Autoverband Berlins Konzept dafür präsentieren.
Auch Bundesministerin Franziska Giffey (SPD) war am Freitag unter den Gästen. Fragen zu der jüngst bekanntgewordenen Entlassung ihres Ehemannes aus dem Beamtenstand mochte sie aber nicht beantworten.

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