Berlins Hochhausleitbild : Ein bisschen was für alle

Berlin ist eine flache Stadt. Noch. Denn das ändert sich gerade. Wie sich Senatsbaudirektorin Regula Lüscher neue Hochhäuser vorstellt.

Ist das schon eine Skyline? Eher nicht.
Ist das schon eine Skyline? Eher nicht.Foto: Michele Galassi

Penthäuser auf dem Dach? "Das geht dann nicht mehr", sagt Regula Lüscher mit Blick auf das Hochhausleitbild, das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erarbeitet hat. Die Senatsbaudirektorin stellte am Donnerstag die Grundzüge des Leitbilds vor, das im Entwurf dem Tagesspiegel vorliegt.

Für Lüscher ist das Leitbild ein "Bekenntnis zu Hochhäusern", auch wenn es keine Zielmarken oder Entwicklungsgebiete ausweist. Es gebe aber auch keine räumlichen Einschränkungen - zumindest nicht direkt. Städtebauliche Erhaltungsgebiete, Naturschutzflächen, denkmalgeschützte Siedlungen und Einfamilienhausgebiete sind laut Lüscher schon per se für den Hochhausbau ungeeignet.

Hochhäuser: "Mehrwert" für die Allgemeinheit

Das mit den Penthäusern ergibt sich aus der Vorgabe im Leitbild, das oberste Geschoss für eine öffentliche Nutzung zu reservieren, also für ein Restaurant oder eine Skybar. Auch das Erdgeschoss soll öffentlich zugänglich sein, das gehört für Lüscher zum "Mehrwert" eines Hochhauses für die Allgemeinheit.

Andere Qualitätskriterien, die erfüllt sein müssen, sind die Auslobung eines Architekturwettbewerbs, eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an den Planungen und Ausgleichsmaßnahmen für die Belastung der Umgebung durch zusätzlichen Verkehr und Verschattung. Bei Hochhäusern ab 60 Meter ist eine Nutzungsmischung vorgeschrieben, reine Büro- oder Wohntürme sollen nicht mehr gestattet sein.

"Wir wollen die gemischte Stadt auch vertikal", sagte Lüscher. Auch der nach dem Berliner Baulandmodell vorgeschriebene Anteil von 30 Prozent geförderte Sozialwohnungen komme bei Hochhäusern zur Anwendung. Maximalhöhen sind im Leitbild nicht festgelegt, ergeben sich aber aus den Vorgaben des jeweiligen Bebauungsplans, der parallel zur Projektplanung erstellt werden muss.

Baukollegium begleitet die Planungen

Gebiete für Hochhäuser sind im Leitbild nicht ausgewiesen, um die Bodenspekulation nicht anzuheizen. Allerdings können die Bezirke "Detailpläne" in Auftrag geben, in denen nach den Vorgaben des Leitbildes Standorte für Hochhäuser festgelegt werden. Ein solcher Plan werde derzeit für die City West erarbeitet, Interesse aus den Bezirken an weiteren Plänen gebe es bislang nicht. Die Planungen für Hochhäuser werden weitaus enger vom Senat begleitet als bei normalen Bauvorhaben.

Mindestens drei Mal sollten Bauherren im Laufe des Planungsprozesses ins Baukollegium kommen. Diese Expertenrunde bewertet schon jetzt fast alle Hochhausprojekte der Stadt - wer durchfällt, muss seine Planungen überarbeiten oder gar aufgeben. Für eine Planung müssten bei Hochhäusern vier bis fünf Jahre angesetzt werden, sagte Lüscher. Trotz dieser Restriktionen und höherer Kosten für den Brandschutz seien Hochhäuser für Investoren "auch wirtschaftlich interessant".

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