• Betreuung in der Corona-Pandemie: Experten kritisieren Berliner Verwaltungspläne zur Rückkehr aller Kita-Kinder

Betreuung in der Corona-Pandemie : Experten kritisieren Berliner Verwaltungspläne zur Rückkehr aller Kita-Kinder

Mit dem Stufenplan der Senatsbildungsverwaltung zum Übergang in den Normalbetrieb sind nicht alle einverstanden. Kritik kommt von Kitaträgern und Stadträten.

Viele Familien sehnen Kita-Öffnungen herbei. Aber wie kann die in der Pandemie gelingen?
Viele Familien sehnen Kita-Öffnungen herbei. Aber wie kann die in der Pandemie gelingen?Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Kitas sollen schrittweise wieder vom Not- in den Normalbetrieb übergehen, möglichst bis zu den Sommerferien. „Bis zum Sommer soll jedes Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten“, kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in der vergangenen Woche an, doch daran gibt es erhebliche Zweifel.

Auch das vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) ausgegebene Ziel, die Auslastung der Kitas von derzeit 50 auf 70 Prozent hochzufahren, halten viele Kitaträger und Stadträte für illusorisch.

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Am kommenden Donnerstag, 14. Mai, sollen als erster Schritt Kinder, die im August eingeschult werden, wieder in die Kita gehen dürfen. Anschließend würden die weiteren Jahrgänge stufenweise dazukommen. Geschwisterkinder sollen dabei bevorzugt berücksichtigt werden. Ziel ist, bis zum Sommer allen Kindern wieder einen festen Halbtagsplatz anbieten zu können, also maximal vier Stunden pro Tag.

Kitaträger wundern sich über Müllers Ziel von 70 Prozent Auslastung. Sollten die Kitas weiterhin den Empfehlungen der Wissenschaftsakademie Leopoldina folgen, die für die Kitakinder eine Betreuung in kleinen und beständigen Gruppen vorschreibt, könnten die Einrichtungen seines Verbands maximal eine Auslastung von 50 Prozent ermöglichen, sagte Torsten Wischnewski-Ruschin, Referent des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Er vertritt 118 Träger mit 528 Kitas, in denen es regulär rund 45.000 Plätze gibt. Auch andere Träger nannten die Größenordnung von 50 Prozent.

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Rund 20 Prozent des Kitapersonals gehört zu den Risikogruppen, könnten derzeit also nicht eingesetzt werden, heißt es aus dem Jugendamt von Treptow-Köpenick. Wie sich das im Einzelnen auswirkt, würden die Kitas eigenständig entscheiden. Es gebe Träger, die bis auf 90 Prozent Auslastung hochfahren könnten, andere sähen schon bei 50 Prozent das Ende der Fahnenstange.

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Hotline für Eltern geplant

Treptow-Köpenicks Jugendstadtrat Gernot Klemm (Linke) geht davon aus, dass ab 50 Prozent Auslastung der Infektionsschutz nicht mehr umsetzbar sei. Die Gruppen könnten nicht mehr zeitlich und räumlich voneinander getrennt betreut werden. Auch aus Marzahn-Hellersdorf kam Kritik.

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Die Senatsverwaltung für Jugend will in der kommenden Woche eine Hotline einrichten, an die sich Eltern in Streitfällen mit der Kita wenden können. Für Träger gibt es eine solche Hotline bereits. (Tsp)

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