Berlin-Quiz : Das Foto-Rätsel um die Brücke ist gelöst

Eine Tagesspiegel-Leserin hatte ein Foto. Wo entstand das? Viele Nachbarn rätselten mit. Jetzt endlich - der entscheidende Tipp

Dieses Bild schickte uns eine Leserin und bat um Rat.
Dieses Bild schickte uns eine Leserin und bat um Rat.Foto: Newsletter-Leserfoto

Das Berliner Bilder-Rätsel ist gelöst - das Geheimnis ist gelüftet. Die Resonanz war gewaltig. Es ging in unserem Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf um die Frage, wo dieses Bild am Teltowkanal aufgenommen wurde, war gewaltig. Schon letzte Woche hatten sich viele Leserinnen und Leser zu Wort gemeldet, die Meinungen gingen auseinander: Die einen meinten die Friedhofsbahn von Berlin nach Stahnsdorf zu sehen, anderer vermuteten den ehemaligen Brückenstandort an der Sachtlebenstraße in Höhe der alten Teltow-Werft. Wieder andere argumentierten, dass das abgebildete Gewässer gar nicht der Teltowkanal sei – es würde ja der Treidelweg fehlen.

Sie hatten recht. Gleich zwei Bahnkanalbrücken-Instanzen schrieben mir letzte Woche und erklärten unabhängig voneinander: Es handelt sich um eine Brücke über den Finowkanal, genauer gesagt über das Stück, das als "Der Lange Trödel" bekannt ist, in der Nähe von Liebenwalde. Und die Bahn, die über die Brücke fährt, ist die Heidekrautbahn.

Den ersten eindeutigen Hinweis sandte mir Wolfgang Maennig, der Vorsitzende der Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft, kurz des Historischen Hafens in Mitte. Er hatte den Tagesspiegel-Aufruf gelesen und an seine Kollegen geschrieben: "Ahoi Schiffer, hier können wir unsere Kompetenz zeigen."

Guido Clement, langjähriger Binnenschiffer und Schiffstechniker, erkannte sofort – nicht die Brücke, sondern das abgebildete Schiff: "Im Vordergrund eindeutig zu sehen – ein Finowmaßkahn." Auch den "Langen Trödel" konnte er klar identifizieren. "Dieses Kanalstück war lange stillgelegt und erst nach kürzlichem Neubau einer Schleuse in Zerpenschleuse ist wieder ein durchgehender Schiffsverkehr möglich", schrieb er: "Problem gelöst." Die Brücke über den Finowkanal gibt es noch heute: Schiffer Guido Clement fand auf Google Maps dieses Beweisfoto.

Nur kurz nach den Binnenschiffern liefen auch die Eisenbahnexperten ins Ziel ein. Leser Olaf Besethal wies mich auf die Website der Fachzeitschrift "Drehscheibe" hin. In der Rubrik "Historisches Forum" von drehscheibe-online.de wurde engagiert, kurz und kompetent diskutiert – und dann stand es fest: Es sei die Niederbarnimer Eisenbahn, schrieb der Nutzer Streckenstilleger. Wolfram D. stimmte ihm zu: "Die Lok ist eine AEG-Type, die auch an die Reinickendorf-Liebenwalde-Groß Schönebecker Eisenbahn geliefert wurde." "Der Form nach würde ich im Bildvergleich auf 'Die Eisenbahnbrücke über den Finowkanal bei Ruhlsdorf-Zerpenschleuse, 1978' in Jürgen Opravil: Die Heidekrautbahn auf Seite 130 tippen", fügte Eisenbahn-Fachmann Mathias Hiller hinzu.

Vor so viel Expertise zu Schiene und zu Wasser ziehe ich meinen Hut! Dank an alle Rechercheure. Liebe Leserin Astrid Oettinger, sie hatte das Brückenbild an mich gesandt, Ihre Suche hat ein Ende – mit einer überraschenden, aber überzeugenden Lösung, die nichts mit Steglitz-Zehlendorf zu tun zu haben scheint. Oder doch? Auf drehscheibe-online.de empfiehlt Nutzer hansaplatz ein Video auf youtube.com. Es ist eine Führerstandsmitfahrt aus dem Jahr 1993; "die gesuchte Brücke wird bei Minute 28 im Video passiert". Und wissen Sie, wo diese gefilmte Bahnfahrt begann? In Zehlendorf im Kreis Oranienburg. Es passt also doch! - Text: Boris Buchholz

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