Auf der Mai-Demo laufen mit 19.000 Teilnehmern weit mehr als erwartet

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Live-Blog aus Berlin zum Nachlesen : Das war der 1. Mai in Kreuzberg
Livia Gerster
Aus dem Schwarzen Block fliegen Böller und Flaschen - immer wieder nimmt die Polizei einzelne Demonstranten fest
Aus dem Schwarzen Block fliegen Böller und Flaschen - immer wieder nimmt die Polizei einzelne Demonstranten festFoto: dpa

21:05 Uhr: Bei der Polizei sind es 19.000, die Organisatoren der Demonstration sprachen am Donnerstagabend von 25.000 Teilnehmern. Michael Prütz, Sprecher der "Revolutionären 1. Mai Demo" sagt dem Tagesspiegel außerdem zum Auftreten der Polizei: "Im Großen und Ganzen sind wir nicht unzufrieden. Es ist nicht mein Eindruck, dass sich die Beamten - bis auf einige Ausnahmen - unverhältnismäßig verhalten." Über die Flaschenwürfe auf Polizisten meinte Prütz: "Das habe ich auch gehört, das ist ja das Übliche. Es gibt immer ein paar Betrunkene, die Flaschen werfen."

Flaschenwerfen ist so was von 2013: Selfie mit Ströbele ist in!
Flaschenwerfen ist so was von 2013: Selfie mit Ströbele ist in!Foto: dpa

21:00 Uhr: Nicht alle Demonstranten suchen die Konfrontation - manche suchen auch nur Hans-Christian Ströbele. Der Grüne gehört mehr oder weniger zum Demo-Inventar. Ein Selfie mit ihm daher im instagramen Zeitalter zur Selbstverständlichkeit.

20:52 Uhr: Laut Polizei erreicht die "Revolutionäre 1. Mai Demo" ein neues Hoch: 19.000 Teilnehmer. Im Vorfeld hatte der Veranstalter sich 15.000 Teilnehmer gewünscht - "unrealistisch", hieß es bei der Polizei, die rund 10.000 Teilnehmer erwartete.

20:36 Uhr: An der Spitze der Demo läuft der kommunistische Block der Griechen, außerdem türkische, kurdische und spanische Sozialisten - insgesamt circa 700 Personen. Doch hinter der Spitze haben sich im Durcheinander der vergangenen Minuten viele Mitglieder des gewaltbereiten Schwarzen Blocks versammelt, die durch wiederholtes Stehenbleiben Unruhe im Ablauf auslösen. In der Gneisenaustraße hatte ein Wasserwerfer der Polizei kurz den Zug mit Scheinwerfern angestrahlt - offenbar um Protestler davor zu warnen, die Route zu verlassen. Die Polizei holt jetzt mit Gewalt zahlreiche Demonstranten aus dem Zug, die zuvor als Straftäter identifiziert worden waren. "Ganz Berlin hasst die Polizei", wird aus dem Zug skandiert - ein aggressives Hin und Her, doch bislang ohne Steinhagel. Allerdings gibt es hier auch kein Kleinpflaster.

20:23 Uhr: Der Zug macht an der Ecke Gneisenau- / Baerwaldstraße kurz halt. Wieder Flaschen- und Böllerwürfe.

20:12 Uhr: Die Polizei twittert, dass einige Demonstranten sie mit Flaschen und Böllern attackiert haben. Sie nahm vereinzelt Teilnehmer fest und bat den Versammlungsleiter, den Demozug unter Kontrolle zu bekommen. Das scheint zu klappen: An der Spitze der Demo, mittlerweile am Südstern angekommen, ist es momentan ruhig. Auch sonst, so zeigt ein Tweet von @gKismir, ist es geradezu Tee-trink-friedlich.

20:09 Uhr: Es sind viele, und es werden immer mehr. Die Polizei schätzt die Teilnehmer der Demo nun auf 14.000 Personen.

19:53 Uhr: Der Zug ist am Hermannplatz in die Urbanstraße abgebogen, vorneweg die linken Fahnen und Transparente mit kommunistischen Parolen auf der rechten Fahrbahn - dort marschieren vor allem griechische Gerwerkschaftler, auch einige Spanier sollen dabei sein. Gewaltbereite Teilnehmer versuchen, diesen Block auf der Gegenfahrbahn der hier durch einen Mittelstreifen getrennten Straße zu überholen und sich selbst an die Spitze zu setzen. Es gibt Flaschen- und Böllerwürfe, teilweise in die Polizeiketten hinein. Die Situation ist unübersichtlich, noch lässt die Polizei den Zug weiterlaufen.

Der 1. Mai 2014 in Berlin
...Autonome bei Zügen die Notbremse gezogen hatten und das Gleisbett besetzt hielten. Auf dem Bahnsteig befanden sich auch viele Gäste des MyFests, die unfreiwillig in die Scharmützel gerieten.Weitere Bilder anzeigen
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02.05.2014 16:05...Autonome bei Zügen die Notbremse gezogen hatten und das Gleisbett besetzt hielten. Auf dem Bahnsteig befanden sich auch viele...

19:47 Uhr: Rund 10.000 Teilnehmer - so lautet die Schätzung der Polizei, die sich auch aus der Luft einen Überblick verschafft. Der Zug, der auf dem Kottbusser Damm am "Zickenplatz" angekommen ist, ist so lang, dass man vom Anfang nicht abschätzen kann, was hinten los ist. Am Rand haben sich weitaus mehr Schaulustige als in den vergangenen Jahren versammelt, es ist "knallvoll", beschreibt es ein Beobachter. Offenbar gilt der Zug als Touristenattraktion. Gelegentlich werden Böller, auch stärkeren Kalibers, gezündet, die aber nicht wie in früheren Jahren als Initialzündung fürs Losstürmen wirken, sondern ohne weiteren Effekt verpuffen. Die Demonstration verläuft bislang weitgehend störungsfrei.

Ein Demonstrant begrüßt die "Mainstream-Medien" - die Stimmung auf der "Revolutionären 1. Mai Demo" verschärft sich
Ein Demonstrant begrüßt die "Mainstream-Medien" - die Stimmung auf der "Revolutionären 1. Mai Demo" verschärft sichFoto: dpa

19:31 Uhr: Ein kurzer Blick nach Hamburg: Die Kollegen der taz vermelden, Demonstranten in Hamburg haben eine leere Schule besetzt. Zugleich stoppte die Polizei den Demozug vor der Reeperbahn und geht mit Pfefferspray gegen Demonstranten vor. In Berlin bleibt die Lage hingegen entspannt - aktuelle Eindrücke zum 1. Mai finden Sie auch in unseren Fotostrecken aus Berlin und aller Welt.

18:51 Uhr: Der Demonstrationszug hat die Reichenberger Straße passiert, vorneweg rote Fahnen statt Schwarzer Block - und vor dem Zug eine behelmte Hundertschaft Polizei. Die Bürgersteige sind so voll von Feiernden, dass man kaum durchkommt, besonders vor den Clubs. Kurz nach Start der Demo holt die Polizei an geeigneter Stelle einen Punk aus dem Zug: Er war dabei beobachtet worden, wie er über mehrere geparkte Autos lief. Die Unruhe im Zug nimmt zu. Einige Demonstranten zünden bengalische Feuer.

18:37 Uhr: Die Stimmung auf dem Lausitzer Platz wird unfreundlicher - und das liegt wohl nicht nur am einsetzenden Nieselregen. Rund 10.000 Demonstranten* waren im vergangenen Jahr in der Spitze auf der Demo. Beobachter schätzen, dass es dieses Mal mehr werden. Auch das MyFest ist nun dicht: Laut Polizei sind nun alle Eingänge zu und das Fest zu 100 Prozent ausgelastet.

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