Autonome überrumpeln die Polizei vor Beginn der "Revolutionären 1. Mai Demo"

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Live-Blog aus Berlin zum Nachlesen : Das war der 1. Mai in Kreuzberg
Livia Gerster

18:30 Uhr: "Widerliche Imperialismus-Politik zur Verblödung der Bevölkerung" - auf Twitter werden die Kritiker wach. Zeigten sich den Tag über vor allem Touristen und Partyfreudige von der Offenheit des MyFest begeistert, tauchen nun zum Abend Stimmen auf, die in dem Volksfest immer mehr Kommerzialisierung, Love-Parade-Charakter sowie "Bratwurst und Spiele" erkennen. Vom Geist des Arbeitertages bleibe nichts mehr übrig.

18:14 Uhr: Die "Revolutionäre 1. Mai Demo" hat mit seiner Kundgebung begonnen. Und die Polizei macht schon mal den Weg frei: Der Hermannplatz wird ab 18.30 Uhr gesperrt.

Zu Beginn der "Revolutionären 1. Mai Demo" nimmt die Polizei Aufstellung
Zu Beginn der "Revolutionären 1. Mai Demo" nimmt die Polizei AufstellungFoto: dpa

17:57 Uhr: Die Polizei hatte ihr hartes Durchgreifen mit Flaschenwürfen aus dem Demonstrationszug begründet. In wenigen Minuten soll die "Revolutionäre 1. Mai Demo" am Lausitzer Platz beginnen. Dort hat der Veranstalter erst eine 45-minütige Rede angekündigt, danach führt der Zug bis vor die SPD-Zentrale in der Wilhelmstraße. Momentan ist die Lage vor Ort ruhig - aber die Gemüter sind spürbar erhitzt.

17:34 Uhr: Mehrere Hundertschaften der Polizei sind nun am Kottbusser Tor - und die begegnen dem Schwarzen Block nun nicht länger "versammlungsfreundlich". Mit großer Energie geht die Polizei vor, ein Transparent wurde den Demonstranten weggerissen - etwas, was die Berliner Polizei sonst nie tut. Die meisten Autonomen sind jedoch mittlerweile am Lausitzer Platz, wo bald die "Revolutionäre 1. Mai Demo" beginnt.

17:14 Uhr: Das ging schnell: Mehr als 1000 Personen waren plötzlich am Mariannenplatz und haben die Polizei förmlich überrannt. Die hatte im Vorfeld angenommen, dass das "Warmlaufen" des Schwarzen Blocks nicht allzu ernst zu nehmen sei und hatte mit weniger Demonstranten gerechnet.

17:03 Uhr: Die ersten Demonstranten versammeln sich vor der Bühne am Mariannenplatz, rund 200 Personen. Sie planen eine unangemeldete Demo quer durch das MyFest, um sich später am Lausitzer Platz der "Revolutionären 1. Mai Demonstration" anzuschließen. Noch schaut die Polizei abwartend zu - und gibt stattdessen via Twitter weitere Sperren bekannt. Neben dem Zugang am Kottbusser Tor ist auch der MyFest-Eingang am Görlitzer Bahnhof geschlossen. Laut Veranstalter sind 40.000 Menschen auf dem Fest - und alle südlichen Zugänge dicht.

Wegen Überfüllung unverdroßen: Immer mehr Besucher drängen auf's MyFest
Wegen Überfüllung unverdroßen: Immer mehr Besucher drängen auf's MyFestFoto: dpa

16:44 Uhr: Friedliche Koexistenz am "Madonna" in der Wiener Straße: Die Kneipe ist eine Institution in Kreuzberg, gehört zu den ältesten Bars der Szene. In den Achtzigern schaute die Polizei hier zur Razzia vorbei, heute dürfen sie die Toiletten für Pinkelpausen nutzen. Zeiten ändern sich. Auch ein Touristenfreundlicher ATM-Geldautomat steht neuerdings neben der Bar. Und wahrscheinlich nur heute: davor eine 30 Mann starke Menschenschlange.

Caipi Punk: MyFest-Besucherin Ruth Glas
Caipi Punk: MyFest-Besucherin Ruth GlasFoto: Carmen Schucker

16:39 Uhr: Mal eine Impression aus dem Publikum. Die Düsseldorferin Ruth Glas kommt jedes Jahr der Punkbands wegen zum MyFest. So geht sie ihren Tag an: "Bevor uns aber ein langer Tag bevorsteht, gehen wir mit Freunden brunchen. Oh Gott, langsam werden wir alt. Aber nichts geht über eine gute Grundlage für einen langen Tag auf dem Myfest. Weil wir es uns beim Brunchen zu gemütlich gemacht haben, verpassen wir leider die Band „3 Minute Records“. Schade, die hätte ich gern gesehen. Aber zum Glück kommen jedes Jahr immer mehr gute Punkrock-Bands. Dann ist es auch nicht so schlimm, dass das Myfest von Jahr zu Jahr voller wird. Ich weiß gar nicht, das wievielte Mal ich auf dem Myfest dabei bin. Obwohl ich mittlerweile in Düsseldorf wohne, ist der Besuch auf dem Myfest Pflicht. Zwischendurch holen wir uns noch Köfte und etwas zu trinken. Caipirinha für mich, meine Begleitung nimmt Bier."

Der 1. Mai von Hongkong bis Madrid
In Istanbul kam es am am Mittag zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Rund 40.000 Beamte sind in der türkischen Hauptstadt im Einsatz, vor allem rund um den Taksim-Platz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: afp
01.05.2014 14:31In Istanbul kam es am am Mittag zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Rund 40.000 Beamte sind...

16:25 Uhr: Seit wenigen Minuten kreist ein Polizeihubschrauber über dem MyFest. Offenbar reine Prävention und zugleich Start des Einsatzes am Abend. Auf dem Fest guckt der eine oder andere kurz nach oben, dann wird entspannt weitergefeiert. Zugleich twittert die Berliner Polizei, das sie den Zugang zum MyFest am Kottbusser Tor wegen Überfüllung schließen musste.

*Fehlerhaft standen kurzzeitig 70.000 Demonstranten in unserem Live-Ticker. Wir bitten um Entschuldigung.

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