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    Nachbarschaft

    Diskriminierung an Schulen ist nicht nur zwischen Schülern ein Problem, sondern auch zwischen Lehrern und Schülern. Im Wedding, wo überdurchschnittlich viele Kinder einen Migrationshintergrund haben, startet der Verein „Narud“ (Network African Rural and Urban Development) kommende Woche ein Projekt für diskrimierungsfreie Bildung. Geleitet wird es unter anderem von Siga Mbaraga (rechts im Bild). Gemeinsam mit ihrer Kollegin Eleonora Roldán Mendívil will sie in Schulen gehen und Lehrer, Schüler und Eltern für Diskriminierung sensibilisieren.

    „Wenn Lehrkräfte Schüler*innen diskriminieren, hat das sehr weitreichende Folgen, weil die Schule ein sehr hierarchischer Ort ist und Lehrkräfte Macht haben“, sagt Mbaraga. Dass zum Beispiel Kinder mit ausländischem Namen tendenziell schlechter benotet werden, hat eine Studie der Universität Mannheim gezeigt: Max und Marut schrieben ein Diktat mit gleich vielen Fehlern. Eine Gruppe von 204 Pädagogen sollten die Arbeiten bewerten. Das Ergebnis: Marut erhielt schlechtere Noten.

    Bei ihrer Arbeit im Verein „Narud“ hört Mbaraga von diskriminierenden Vorfällen an Berliner Schulen. „Das muss nicht immer bewusst passieren“, sagt sie und erzählt von einem Beispiel: Eine Lehrerin habe ein Mädchen nach ihrer Herkunft gefragt. Als das Mädchen Berlin antwortete, habe die Lehrerin nachgehakt: Nein woher kommst du wirklich? „Weil das Mädchen ein Kopftuch trug, wurde die Antwort, Berlin, nicht akzeptiert. Dem Kind signalisiert das: Du gehörst nicht dazu.“

    Um Lehrer und Schüler für Diskriminierung zu sensibilisieren, gehen Mbaraga und Roldán Mendívil ab kommender Woche in Schulen in Wedding. „Zuerst wollen wir mit den Schülern sprechen und sie fragen, was sie sich wünschen, wo es Probleme gibt“, sagt sie. Für Lehrer und Eltern soll es Gespräche und Workshops geben. Ein Problem sei auch das Klischee von den „bildungsfernen Eltern“, die sich nicht für die Ausbildung ihrer Kinder interessieren. In Gesprächen mit Eltern habe Mbaraga festgestellt, dass diese oft große Hemmungen haben, in die Schulen zu gehen. Sie will Eltern in Workshops ermutigen, sich mehr einzubringen. Und ihnen zeigen, wie sie ihre Kinder besser unterstützen können.

    Finanziert wird das Projekt vom Senat und einer Förderung aus EU-Mitteln. Mitmachen können Schulen, die in Wedding Zentrum, Osloerstraße oder im Parkviertel liegen. Die Auftaktveranstaltung findet am 29. Januar ab 17.15 Uhr in der Ernst-Schering-Schule statt. An einer Podiumsdiskussion werden Vertreter anderer migrantischer Vereine, die das Projekt auch unterstützen werden, und der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, Sebastian Walter, über sinnvolle Strategien gegen Diskriminierung sprechen. Die Veranstaltung ist öffentlich, um eine Anmeldung per Mail wird gebeten: bildungsnetzwerk@narud.org

    Text: Julia Weiss, Foto: Matthias Gutmann

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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Laura Hofmann. von Laura Hofmann tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

Sie kennen vielleicht die Bilder aus Zürich: Menschen in Badehose lassen sich auf Luftmatratzen durch die Flüsse der Stadt treiben. Lässig oder? Da packt einen in Berlin doch der Neid. In die Spree will ich nicht mal den kleinen Zeh stecken. Doch ist das Wasser wirklich zu schmutzig, um darin zu baden? Das legt eine Expertise des Lageso nahe, aus der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt vergangene Woche im Checkpoint zitierte. Daraus gehe hervor, dass die Filter nicht stark genug sind, um ausreichend Kolibakterien aus dem Wasser zu holen – sobald Mischwasser aus der Kanalisation in die Spree gelangt. Momentan wird getestet, ob sich das Dreckwasser im Spreekanal in Badewasser verwandeln lässt.

Was bedeutet das für das Flussbad, das nach Willen des Senats vor dem Bode-Museum entstehen soll? Kein Problem – laut Verein „Flussbad“, der seit 1998 beharrlich für das Projekt wirbt und die Filter momentan testet. „Das haben wir in unserer Planung bereits berücksichtigt“, sagt der Architekt Jan Edler. Eine dermaßen hohe Konzentration an Kolibakterien weise das Spreewasser nur auf, wenn eine Mischung aus Hausabwässern und Regen von den Straßen in die Spree fließt. Das passiere immer nach starkem Regen, vor allem also nach Gewittern. In diesem Fall werde der Pflanzenfilter, der flussaufwärts an der Fischerinsel entstehen soll, nicht mehr mit den Kolibakterien fertig. Deshalb ist geplant, ihn dann ganz abzuschalten und kein neues Wasser in das Flussbad einzulassen. „So bleibt das Wasser sauber genug, um darin zu schwimmen“, erklärt Edler.

Mit großem Aufwand und Unsicherheiten bleibt die Umsetzung wohl trotzdem verbunden – zumal das Projekt insgesamt 77 Milionen Euro kosten soll. Auch das berichtet die Expertise des Lageso. Allerdings beziehe sich dieser Betrag nicht nur auf das Flussbad, versichert Edler. Geplant seien beispielsweise auch Umbauten im Bereich der Fischerinsel, wo das Konzept einen naturnahen Flusslauf vorsieht, mit Stegen und Sitzgelegenheiten. Eine Kostenschätzung allein für das Flussbad steht momentan noch aus.

Um die Luftmatzratze aufzupusten, ist es also noch zu früh. Die Frage stellt sich dennoch: Was halten Sie vom Flussbad? Würden Sie in der Spree schwimmen oder nicht? Schreiben Sie mir Ihre Meinung: julia.weiss@extern.tagesspiegel.de

Julia Weiss ist freie Autorin beim Tagesspiegel.  Sie freut sich über Tipps, Hinweise und konstruktive Kritik per Mail oder auf Twitter.

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Unser tierischer Tipp für Sie

Im Zoo sind die Bären los – nein: die neugeborenen Pandas. Vom 30. Januar an können Besucher die Jungtiere beobachten. Das teilte der Zoo am Mittwoch mit. Gemeinsam mit Muttertier Meng Meng werden die Zwillinge erstmals den Rückzugsort hinter den Kulissen verlassen und die Innenanlage des Geheges, des Panda-Gardens, erkunden. Wer es bis dahin gar nicht mehr aushält, kann sich hier Fotos von den süßen Bärchen angucken.

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