• kidical

    Nachbarschaft

    Jessica Schmidt gründete im Januar 2016 den zuckerfrei – Kids Concept Store und Onlineshop für gesundes Spielzeug und fair Produziertes in der Anzengruberstaße 12. Am 27. Mai unterstützt sie die Kinder-Fahrrad-Demo Kidical Mass, die für mehr Bewegungsfreiheit für Kinder auf Berlins Straßen demonstriert.

    Wie kam es zur Gründung von zuckerfrei? Es war schwer, gesundes, unbedenkliches Spielzeug und andere Kindersachen in Neukölln zu bekommen. Ich möchte in den Kuscheltieren für mein Kind keine Weichmacher und in lackiertem Holzspielzeug keine Schwermetalle. Und ebenso wichtig sind mir die Arbeitsbedingungen, unter denen die Produkte hergestellt werden. Also nahm ich mein Herz in die Hand und eröffnete selbst einen kleinen Laden in der Anzengruberstraße, der seitdem von den Eltern und Kindern in Neukölln sehr gut angenommen wird.

    Was gefällt Ihnen gut, was weniger in Neukölln? Ich mag das quirlige Neukölln mit den kleinen Restaurants und bunten Läden, nirgendwo sonst treffen sich so viele verschiedene Kulturen. Neukölln ist einerseits sehr grün, mit vielen Parks und dem Kanal, teilweise aber auch schmuddelig, etwas tough und rau. Entweder man liebt es oder man hasst es. Ich liebe es hier!

    Weniger attraktiv finde ich die Infrastruktur für Radfahrer. Fahrradwege sind marode oder zugeparkt, Halten in zweiter Reihe ist tägliches Szenario und auch das Verständnis als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer fehlt im von Autos dominierten Verkehr. Ich selbst zähle mich zu den angstfreien Radfahrerinnen, doch wir sollten auch für Leute, die sich weniger sicher fühlen, das Radfahren in Neukölln deutlich attraktiver gestalten. Eine Stadt wie Berlin sollte Radwege für Kinder bereithalten, damit Familien die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder sicher und angstfrei zum Kindergarten oder in die Schule zu begleiten. Für viele Kinder ist das Fahrrad nicht nur nützliches Verkehrsmittel, es bringt auch mächtig viel Spaß, Rad zu fahren und dafür sollten Freiräume geschaffen werden.

    Warum unterstützen Sie die Kidical Mass? Mit der Kidical Mass bekommen wir die Möglichkeit, unseren Kindern etwas mitzugeben. Dazu gehört der Klimaschutz durch den Verzicht aufs Auto und die Frage, warum es Sinn macht, auch bei Wind und Wetter auf das Fahrrad zu steigen. Feinstaub und Stickoxide sind gesundheitsschädliche Emissionen und belasten insbesondere unsere Kinder. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, das „Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln“ und die Kidical Mass zu unterstützen. Wir wollen uns gemeinsam für guten, sicheren und komfortablen Radverkehr im Bezirk einsetzen.

    Mehr zur Kidical Mass lesen Sie unter Namen & Neues.

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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von Madlen Haarbach tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

Am Pfingstsonntag besetzten Aktivist*innen zwei Häuser in Berlin, darunter das ehemalige Schwesternwohnheim in der Bornsdorfer Straße 37b. Das „Friedel 54“-Kollektiv besetzte parallel ein Ladengeschäft in der Reichenberger Straße 114. Die Aktion war im Vorfeld angekündigt worden: „Hiermit informieren wir darüber, dass wir als selbstbestimmte Berliner*innen die Unvernunft von Leerstand in einer Stadt mit Wohnungsnot, Armut und Verdrängung nicht länger hinnehmen und uns in Zukunft Häuser nehmen werden“, schreiben die Aktivist*innen auf ihrem Blog. Und erklären: „Die Stadt von unten muss erkämpft werden, auch gegen die Gesetze, die den Eigentümer*innen und Chefs dienen“.

Eine erste große Aktion waren nun die Besetzungen am Wochenende. Ob weitere folgen werden und wer eigentlich hinter dem Kollektiv steht, ist unklar. Genauso wie die Frage, warum und woran eigentlich die Verhandlungen zwischen der Stadt und Land, Eigentümerin des (nach eigener Aussage maroden) Gebäudes in der Bornsdorfer Straße, und den Aktivist*innen scheiterten, ist die Räumung auch für die rot-rot-grüne Koalition brisant. Während aus den Reihen von Linken und Grünen teils verhaltene, teils deutliche Unterstützung für Hausbesetzungen zu hören ist, hält die SPD an der Berliner Linie fest. Demnach sollen besetzte Häuser in weniger als 24 Stunden geräumt werden – wie auch am Sonntag die Bornsdorfer Straße 37b.

Bei aller Kritik stellt sich nun in erster Linie die Frage: Helfen Hausbesetzungen gegen die Wohnungsnot? Nein, findet Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt und betont: „Nicht der spekulative Leerstand ist das größte Problem der Berliner Stadtentwicklungspolitik, sondern die Stadtentwicklungspolitik selbst ist das Problem.“ Durch Besetzungen würden lediglich Einzelinteressen befriedigt – aber um das generelle Problem zu beheben, gebe es schlicht zu wenig Leerstand. „So ist die jüngste Besetzung sowie die prompte Räumung und die politische Diskussion darüber, die Züge folkloristischer Schuldzuweisungen trägt, vor allem ein Indikator für den Grad der Verzweiflung“, kommentiert Maroldt.

Was bleibt? Besetzungen einzelner Häuser mögen ein öffentlichkeitswirksames Zeichen für den generellen Grad der Verzweiflung sein. Die Diskussion rund um eine stadtverträgliche Mieten- und Wohnungsbaupolitik darf aber hier nicht stehen bleiben. Statt über die Legitimität oder Nicht-Legitimität von Hausbesetzungen zu streiten, sollten Aktivist*innen, Bürger*innen und Politiker*innen ihre Energie vielleicht lieber in eine Strategie gegen den Mietenwahnsinn stecken. Insofern verfehlt die Besetzung vielleicht auch ihr eigentliches Ziel: Statt über sozialverträgliche Mieten- und Wohnungspolitik wird nun über die Besetzung diskutiert.

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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Madlen Haarbachs Tipp für Sie

Urban Gardening ist schwer in Mode – dabei ist Berlin längst eine „essbare Stadt“. In Neukölln lässt sich so einiges ernten: In der Hasenheide etwa Holunderbeeren und Kirschen, auch entlang der Straßen wachsen einige Obst- und Nussbäume oder -sträucher, man muss nur wissen wo. Umweltpädagogin Kathrin Scheurich bietet etwa Wildkräuterwanderungen im Britzer Garten an (stadtnatur-berlin.com). Wer gerne selbst gärtnern möchte, aber keinen eigenen Balkon, Garten oder Hinterhof zur Verfügung hat, kann bei Karma Kultur in Rixdorf, auf dem Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld oder mit den Prinzessinnengärtner*innen auf dem neuen Jacobi-Friedhof sähen, jäten und ernten. Auch eine Ausstellung im Gewerbemuseum des Kulturforums widmet sich der städtischen Ernährung – und fordert eine Food Revolution 5.0. tagesspiegel.de