• Kuniri_Kollektion_16025

    Nachbarschaft

    Aus einem Hilfsprojekt für Geflüchtete, das die Neuköllnerin Viola Zimmer (links im Bild) 2015 startete, ist mittlerweile ein eigenes Modelabel entstanden. Gerade hat „Kuniri“ die erste Kollektion herausgebracht – und war damit auf der Berliner Fashionweek vertreten.

    Frau Zimmer, welche Idee steckt hinter „Kuniri“? Als 2015 viele geflüchtete Menschen nach Deutschland kamen, wollten meine Geschäftspartnerin Eva Schatz und ich nicht einfach nur Essen verteilen oder Klamotten sortieren, sondern den Menschen eine Perspektive geben. Wir hatten viele Freunde in der Modebranche. Also dachten wir uns: Wieso nicht Nähkurse anbieten. Schneidern ist ideal, weil dazu keine perfekten Deutschkenntnisse nötig sind. Vieles funktioniert durch Zeigen, Zugucken und Anfassen.

    Was lernen die Geflüchteten bei Kuniri? Die Kursteilnehmer kommen mit Vorkenntnissen zu uns. Viele haben in ihrer Heimat in der Modebranche gearbeitet. Nur haben sie dort keine Zeugnisse ausgestellt bekommen, in Afghanistan oder in manchen afrikanischen Ländern ist das weniger üblich als in Deutschland. Bei uns lernen sie drei Monate lang, nach deutschen Standards zu nähen, bügeln, entwerfen – alles was dazu gehört. Am Ende legen sie eine Prüfung ab und bekommen ein Zertifikat von der Handwerkskammer.

    Wie viele finden danach tatsächlich einen Job? Circa 40 Prozent unserer ehemaligen Kursteilnehmer arbeiten in der Mode- und Textilbranche oder machen dort eine Ausbildung. Mit einigen der Akademie-Absolventen, die inhaltlich am Besten zu uns passen, wollen wir weiterarbeiten. Dazu haben wir das Label „Kuniri“ gegründet.

    Wie sieht die Mode aus? Wir kombinieren Design-Elemente aus den Herkunftsländern der Geflüchteten mit europäischen Schnitten. Ein traditionelles, afghanisches Kleid sieht schön aus, aber hier würde es niemand tragen. Also wandeln es unsere Kreativleiterinnen Saskia Theis (rechts im Bild) und Emmi Capartas gemeinsam mit den geflüchteten Designern ab. Dabei kommt es auch zu Reibungen.

    Inwiefern? Ein Designer aus Afghanistan fand den Ausschnitt eines Kleides zu tief. Wir achten aber von Anfang an darauf, dass die Teilnehmer kulturelle Unterschiede akzeptieren. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Gleichberechtigung von Mann und Frau – aus ihrer Heimat sind sie oft anderes gewöhnt. Ein anderer Teilnehmer hatte ein Problem damit, eine Frau als Chefin zu akzeptieren. Saskia hat einfach weiter mit ihm gearbeitet. Am Ende hat er sie Boss genannt. Sie sind Freunde geworden.

    Viola Zimmer ist auf der Suche nach geeigneten Räumen für ihre Nähwerkstatt. Falls Sie geeignete Räume oder einen Tipp für Sie haben, schreiben Sie ihr eine Mail an [email protected].

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an [email protected].

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von Madlen Haarbach tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

seit zweieinhalb Jahren werden in Neukölln Menschen terrorisiert, die sich gegen Rechtsextreme engagieren. Es trifft Politiker, Gewerkschafter, Lehrer, Buchhändler. Die Polizei vermutet die Täter in der Neonaziszene. Ein Betroffener ist Ferat Kocak. Seit sein Auto in Flammen aufging, ist sein Leben nicht mehr dasselbe. „Die Angst ist geblieben“, sagte er meinem Kollegen Sebastian Leber, der ihn ein Jahr nach dem Anschlag getroffen hat. Kocak ist aus Neukölln weggezogen und wechselt immer wieder die Wohnung.

Wieso wurden die Täter noch nicht überführt? Zum aktuellen Stand der Ermittlungen will sich die Polizei nicht äußern. Im Fall von Ferat Kocak gibt es zwei Verdächtige: Den ehemaligen AfD-Politiker Tilo P. und Sebastian T. Um die Serie der Brandanschläge aufzuklären, hat die Polizei zwei Ermittlungsgruppen eingerichtet. Kocak hat das Vertrauen in die Behörden jedoch verloren. Nach dem Anschlag habe ihm die Polizei gesagt, es könne nicht mehr lange dauern, bis die Täter überführt würden. Die Indizienlage sei recht eindeutig. Einen Prozess gibt es aber bis heute nicht.

Hätten die Behörden den Anschlag verhindern können? Der Verfassungsschutz hatte die Verdächtigen schon länger im Visier und soll eindeutig Hinweise auf den geplanten Brandanschlag gehabt haben. Das berichtet die „taz“. Die Behörden sollen gewusst haben, dass Kocak ausspioniert wird, aber niemand habe ihn gewarnt. Wieso nicht? Meinem Kollegen Sebastian Leber wollte die Berliner Polizei dazu keine Auskunft geben.

Julia Weiss arbeitet als freie Autorin beim Tagesspiegel – und ist gerade über die Kreuzköllner Grenze nach Neukölln gezogen. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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