Berlin-Spandau : Der ewige Streit um die Wohnsiedlung Hakenfelde

Im Dauerstreit hat der Siedlerverein eine neue Offensive gestartet. Kritik kommt auch von einem TU-Ökologen.

In Hakenfelde streiten Siedler und Bezirk seit Jahren um die Parzellen.
In Hakenfelde streiten Siedler und Bezirk seit Jahren um die Parzellen.Foto: During

Es geht um 56 Parzellen in der Wohnsiedlung Hakenfelde, die rund um die flächenhaften Naturdenkmale Glühwürmchengrund und Immenweide auf bezirkseigenem Gelände liegen. Nach einem mehr als 20 Jahre alten Gutachten soll die Schutzzone der beiden Moorgebiete erweitert und deren Verbindung zum Spandauer Stadtforst wieder hergestellt werden.

Aus diesem Grunde dürfen die Grundstücke nach Aufgabe oder Tod der jetzigen Pächter nicht neu verpachtet werden, sondern müssen auf Kosten der Nutzer beräumt werden. Haben diese dafür nicht die Mittel, haftet der Siedlungsverein als Hauptpächter des Bezirks - so wie jetzt im Fall einer 85-Jährigen, berichtete die Vorsitzende Beate Seeliger. Pro Parzelle schlage der Abriss der Häuschen mit 6000 bis 8000 Euro zu Buche.

Dem Bezirk würden 60 000 Euro an jährlichen Pachteinnahmen entgehen

Über den Bürgerhaushalt des Bezirks hatte man jetzt den Vorschlag eingebracht, auf die Räumung zu verzichten. Während die Einrichtung der geplanten Pufferzone weder fachwissenschaftlich noch regionalplanerisch begründet sei würden dem Bezirksamt bei einem Wegfall der Grundstücke jährliche Pachteinnahmen von 60.000 Euro entgehen. Außerdem müsste der Bezirk dann die Kosten für die alle zwei Jahre notwendige Baumpflege am Elkartweg in Höhe von jeweils knapp 6000 Euro selbst tragen.

Methoden aus dem letzten Jahrhundert?

Schützenhilfe bekamen die Siedler durch Harald Kehl vom Institut für Ökologie der Technischen Universität. Der erklärte, dass sich die Naturdenkmale in einem „erbärmlichen Zustand“ befinden würden und das Pflegekonzept des Bezirks auf „Methoden aus dem letzten Jahrhundert“ beruhe. Gerade die Integration von Kleingärten in Grünzüge erhöhe deren Biodiversität und Artenvielfalt. Die Gärten würden für die Moorflächen einen wesentlich besseren Puffer darstellen.

Der zuständige Stadtrat Andreas Otti (AfD) lehnte eine tiefergehende Diskussion mit dem Hinweis ab, dass die zuständigen Fachleute des Naturschutz- und Umweltamtes nicht anwesend waren, da für diesen Bereich ein anderer Ausschuss zuständig ist. Der Rückbau der Häuschen sei keine einseitige Forderung des Bezirks sondern beruhe auf einer Vereinbarung mit dem Verein. Man bleibe bei dem Konzept, sei aber bereit, sich mit dem Experten „ergebnisfrei auszutauschen“. Der Ausschuss will nun das Ergebnis dieser Gespräche abwarten und vertagte das Thema.

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