• ibrahim

    Nachbarschaft

    Ibrahim Al Hussain, Geflüchteter, Flughafen Tempelhof.

    „Zentralflughafen THF“ heißt die Dokumentation von Karim Aïnouz, die das größte Flüchtlingslager der Stadt porträtiert. Kann man in einem Flugzeughangar heimisch werden? In diesem Ort, der ehemals vom Reise und Wegfliegen handelte, kam Ibrahim Al Hussain 2016 mit nur 20 Jahren an. Hangar 6 des ehemaligen „Zentralflughafens“ der Stadt.

    Tatsächlich passiert in „Zentralflughafen“ fast nichts. Es ist der Raum selbst, sein eigentümliches, nie verstummendes Dröhnen, und die euphorische Weite des Tempelhofer Feldes jenseits der Stahltore, aus dem der Film seine Spannung bezieht. Die Protagonisten haben nur einander um sich über mögliche Fristen für Dokumente und behördliche Bewilligungen zu informieren. Einmal sitzt Ibrahim mit zwei Freunden auf einer Bank im Freien, sie haben Kohle für die Shisha zum Glühen gebracht. „Der Blick auf das Feld“, sagt einer, „ist so sensationell, ich werde nie woanders wohnen wollen.“ Und sie lachen sich kaputt.

    Aïnouz ließ sich nicht von Drehverboten der Betreiberfirma Tanaja beirren und schaffte mit dem Film pünktlich zur Berlinale ein Dokument dieses Ortes, den es so nicht mehr geben wird. Mein Kollege Kai Müller hat sich mit ihm unterhalten: tagesspiegel.de.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de

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Judith Langowski von Judith Langowski tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Tempelhof-Schöneberg,

fangen wir mit einer erfreulichen Nachricht an: Die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen kam in ganz Berlin gut an (680 Eheschließungen zwischen Oktober und Dezember 2017) aber besonders in Tempelhof-Schöneberg (181 Paare haben sich hier getraut, die beste Quote in ganz Berlin). Im Rathaus Schöneberg hat sich schließlich auch das erste homosexuelle Ehepaar in ganz Deutschland das Jawort gegeben. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 3770 Eheschließungen in Berlin, also machten die gleichgeschlechtlichen Eheschließungen ein Fünftel aller Hochzeiten aus.

Na gut, die große Mehrzahl dieser frischgebackenen schwulen und lesbischen Ehepaare lebten schon vorher in trauter Zweisamkeit: in eingetragenen Lebenspartnerschaften, die für gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 möglich ist. Von den neuen Ehepaaren waren vorher 466 in ganz Berlin und 128 in unserem Bezirk „verpartnert“. Deutlich mehr schwule als lesbische Paare entschieden sich, zu heiraten: 123 schwule Paare begaben sich in unserem Bezirk zum Standesamt, während nur 58 lesbische Paare heirateten.

Doch es gibt noch Hürden: Vorkämpfer der Gleichberechtigung fordern die künftige Große Koalition auf, Benachteiligungen für lesbische Ehepaare mit Kindern schnell zu beseitigen. Wird in eine Ehe von zwei Frauen ein Kind geboren, muss die Ko-Mutter dieses nämlich immer noch als „Stiefkind“ adoptieren. Denn der Vater eines Kindes bleibt gesetzlich der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist oder die Vaterschaft anerkannt hat. Die Gesetzeslage des Abstammungsrechts geht nämlich noch immer davon aus, dass die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau ist. Viele Juristen bezweifeln, dass sich das auf gleichgeschlechtliche Paar umdeuten ließe. Diese Frage, und ob eine lesbische Partnerin gesetzlich als „Mit-Mutter“ gelten kann, muss zunächst vor Gericht geklärt werden. Zum Glück haben wir hier im Bezirk eine Tradition im Kampf um Gleichstellung – und der geht weiter….

Und die gute Nachricht aus Südkorea: Gus Kenworthy, sechsfacher Freestyle-Ski-Weltmeister, landete trotz schlechter Ergebnisse in Pyeongchang einen Weltrekord – als sein Freund Mathew Wilkas ihn vor dem Qualifizierungsrennen am vergangenen Samstag Glück wünschte und auf den Mund küsste. Es war das erste Mal, dass ein Kuss zwischen Männern von den Olympischen Spielen live im US-Fernsehen übertragen wurde.

Judith Langowski ist Redakteurin der Leute-Newsletter. Kritik, Anregungen und Wünsche bitte per Twitter oder an leute-j.langowski@tagesspiegel.de.

Unser Tipp für Sie

Der Kiezfonds des Bezirks unterstützt Projekte der Bewohner*innen zwischen Großgörschen-, Potsdamer-, Hauptstraße, Innsbrucker Platz, dem S-Bahngelände sowie der Schöneberger Insel gefördert. Insgesamt hat das Bezirksamt dafür 25 000 Euro zur Verfügung gestellt, jedes Projekt kann maximal 2000 Euro beantragen. Was mit dem Geld passiert, darüber sollen die Menschen entscheiden, die im Quartier wohnen und arbeiten. Es werden wieder neue Mitglieder für die Jury gesucht. Interessierte können sich am Donnerstag, 22. Februar, um 18.30 Uhr im Kinder- und Jugendfreizeitheim Flipper in der Eberstraße 68 zur Wahl stellen. Neue Projektideen können bis zum 19. März eingereicht werden. Die 1. Sitzung der Vergabejury ist dann am 27. März. Weitere Infos

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