BFC Dynamo : Berliner Fußballtrainer bestreiten Missbrauch

Zwei 26-Jährige werden beschuldigt, Kinder gedemütigt und gequält zu haben. Vor Gericht bestreiten sie alles. Die Vorwürfe seien reine Rache.

In Schieflage geraten. Der BFC Dynamo sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt.
In Schieflage geraten. Der BFC Dynamo sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt.Foto: imago sportfotodienst

Die Vorwürfe sind ungeheuerlich: Zwei Kinder-Fußballtrainer sollen fünf ihrer zehn und elf Jahre alten Schützlinge erniedrigt, zu Handlungen auch mit sexuellem Bezug genötigt, beleidigt, in einem Fall misshandelt haben. Nun konterten die Männer, die unter Verdacht stehen. „Das ist alles völliger Schwachsinn“, begann Dardan K., damals Trainer der 2. D-Jugend des BFC Dynamo. Aus Rache seien falsche Anschuldigungen erhoben worden. Auslöser sei der Rauswurf einiger Spieler aus der Mannschaft aus sportlichen Gründen gewesen.

Im Sommer 2015 sollen Dardan K. und Simon G. als damaliger Co-Trainer zu Tätern geworden sein. Während eines Aufenthalts in Rostock zu einem Strandturnier sei es geschehen, im Hotelzimmer der beiden 26-Jährigen bei einem Spiel nach Art des Flaschendrehens. Entwürdigende Aufgaben seien gestellt worden. In der Anklage heißt es weiter, sie hätten ihre „Machtposition als Trainer von jungen Spielern, die sich Hoffnung auf eine Karriere als Fußballspieler machten, ausgenutzt“. Widerwillig und aus Angst hätten sich die Kinder gefügt.

Mit jeder Bewegung und jedem Wort signalisierten die damaligen Trainer im Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten ihre Abwehr. Sechs Jahre lang sei er ehrenamtlicher Jugendtrainer gewesen, vier davon beim BFC, begann K. seine Erklärung: „Ich habe keinen Spieler angefasst, kein Spieler fasste mich an.“ Es habe in dem Hotelzimmer tatsächlich ein Spiel gegeben. „Aber die Jungen haben es untereinander gespielt.“ Weder er noch G. seien beteiligt gewesen. Einen Fehler habe er möglicherweise gemacht. „Bis zu einem bestimmten Punkt habe ich das Spiel geduldet.“

"Erniedrigungsrituale" sollen in einem Hotel an der Ostsee stattgefunden haben

Fast ein Jahr später wurden die schweren Vorwürfe erhoben. Was im Hotel an der Ostsee geschah, soll an „Erniedrigungsrituale“ erinnern. So sollen Jungen aufgefordert worden sein, an den Fußzehen und Achselhöhlen ihrer Mitspieler sowie an den Badelatschen eines Angeklagten zu lecken. Ein Spieler sei aufgefordert worden, an getragenen Socken zu riechen und eine getragene Unterhose anzufassen. Zwei Kinder seien genötigt worden, an einem rostigen Heizungsrohr zu lecken, bis ihre Zungen schwarz waren. Zwei Spieler hätten Wasser aus der Toilettenspülung trinken müssen, einer Staub vom Boden lecken.

Weitere Aufgaben, die den fünf Jungen angeblich gestellt wurden, sollen deutlich in eine sexuelle Richtung gegangen sein. So habe ein Kind mit heruntergelassener Hose über dem Gesicht eines anderen Spielers hocken müssen. Den damaligen Trainern wird deshalb neben Nötigung und Beleidigung auch versuchter sexueller Missbrauch zur Last gelegt. Zudem wird K. vorgeworfen, einen Jungen in den Herbstferien 2015 während eines Trainingslagers beleidigt und ihn aufgefordert zu haben, „gleich einem Hund unter dem Tisch zu hocken“. Und im Februar 2016 soll K. einen Jungen in einer Halbzeitpause in einem Testspiel mit einer harten Plastikkugel auf den Kopf geschlagen haben. Der Spieler habe Schmerzen und eine Beule erlitten.

Was die angeblich betroffenen Jungen und ihre Eltern dann im Mai 2016 bei der Polizei zu Protokoll gaben, führte sofort nach Bekanntwerden der Anzeige zu Konsequenzen: Die Beschuldigten wurden aus dem Verein ausgeschlossen. Und der BFC Dynamo installierte einen Kinderschutzbeauftragten.

Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück: „Es gab bei uns keine Unterdrückung“

Die Staatsanwaltschaft geht bislang auch davon aus, dass die Angeklagten für ein Klima der Angst in der Mannschaft gesorgt hätten. Nackenschläge, Beleidigungen und Drohungen mit Mannschaftsausschluss seien an der Tagesordnung gewesen. Die Angeklagten weisen das weit von sich: „Es gab bei uns keine Unterdrückung“, sagte der Ex-Trainer. Bis heute bekomme er von vielen Jungs Handy-Nachrichten. „Sie können das alles nicht verstehen.“ Und der damalige Co-Trainer atmete tief durch: „Der Prozess ist die größte Hetze meines Lebens.“

Die beiden Verteidiger brachten nach den Aussagen ihrer Mandanten eine Einstellung des Verfahrens ins Gespräch. Da aber spielte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Der Richter will nun weitere Zeugen laden – darunter den Jugendleiter des BFC Dynamo. Und das Gericht erteilte den Angeklagten den rechtlichen Hinweis, dass wegen möglicher Vorfälle im Hotelzimmer der Vorwurf einer Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht von Schutzbefohlenen geprüft werden könnte.

Was ist dran an den Vorwürfen? Zunächst war ein Prozesstag für die Verhandlung angesetzt. Nun sind zwei weitere Termine anberaumt worden, der nächste am 9. November.

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