Bienenraub in Brandenburg : „Muss man gleich komplette Bienenvölker klauen?“

In Brandenburg werden immer wieder Bienen gestohlen. Imker Ueberschär verlor 16 Völker, Behausungen und Paletten. Er ist fassungslos – und hat einen Verdacht.

Maria Hentschel
Besondere Beziehung: ein Imker mit seinen Bienen.
Besondere Beziehung: ein Imker mit seinen Bienen.Foto: Manfred Thomas

Eigentlich sollte es nur eine Kontrollfahrt werden. Aber als Ronald Ueberschär am vorigen Mittwoch nahe den Sana Kliniken Sommerfeld im brandenburgischen Kremmen nach seinen Bienen sehen wollte, erlebte er eine böse Überraschung. Alle 16 Völker waren weg, mitsamt ihren Behausungen und den Euro-Paletten, auf denen die Behausungen standen.

Zu sehen waren nur noch das Infoschild der Imkerei sowie Spuren von Autoreifen. Roland rief seinen Bruder Silvio an, und auch der war fassungslos. "Wir haben für alles Verständnis. Auch für Hamsterkäufe", schrieb Silvio noch am selben Tag auf Facebook. "Aber muss man gleich komplette Bienenvölker klauen???"

Silvio und Ronald Ueberschär betreiben zusammen mit ihrem Bruder Sven die Honigprinz-Imkerei. "Wir imkern schon seit über zehn Jahren", sagt Silvio dem Tagesspiegel am Telefon. Zunächst war es ein Hobby, 2017 gründeten die Brüder die Berufsimkerei Honigprinz.

Wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) berichteten, bedeutet der Diebstahl für die Brüder einen Gesamtschaden von mehr als 6000 Euro. Denn neben dem Verlust der Bienenvölker, die jeweils einen Wert von 150 bis 200 Euro haben, erleidet die Imkerei Honigprinz Ernteausfälle von rund 3000 Euro. "Mein Bruder hat Kontakt mit der Polizei aufgenommen", erklärt Silvio Ueberschär. Er habe Anzeige erstattet.

Allein 2019 wurden Dutzende Völker gestohlen

Der Bienendiebstahl bei den Ueberschärs ist kein Einzelfall. Allein in Brandenburg wurden im vergangenen Jahr Dutzende Völker entwendet. Nach PNN-Angaben stahlen im Januar 2019 Unbekannte einen Bienenstock aus dem Potsdamer Volkspark und verursachten einen Sachschaden von 600 Euro. Außerdem raubten Täter 25 Bienenvölker in Neuruppin sowie rund 30 Bienenvölker an zwei Stellen bei Neuruppin und Wittstock.

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Beim Landesverband Brandenburgischer Imker werden längst nicht alle Bienendiebstähle gemeldet, denn eine Pflicht dazu besteht nicht, sagt dessen Sprecher Holger Ackermann dem Tagesspiegel.

Sind die Diebe selbst Imker?

Silvio Ueberschär ist davon überzeugt, dass der Täter selbst Imker ist oder sich zumindest mit Bienen auskennt. Denn diejenigen, die überhaupt nichts mit Bienen am Hut haben, wagen sich nur zaghaft an die Tiere heran - das beobachtet er zumindest bei Freunden. "Jemand, der Bienen klaut, muss schon mit dem Tier Biene vertraut sein", erklärt Ueberschär. Beispielsweise sollte er wissen, wie er die Bienen sichert, während er die schweren Behausungen – die sogenannten Bienenbeuten – ins Auto lädt.

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Bienensterben
Bienensterben

Ein Imker hätte außerdem Kenntnis darüber, wie er aus seiner Beute einen Gewinn zieht, sagt Ueberschär. Entweder kann er selbst Honig produzieren oder das Bienenvolk verkaufen. Silvio Ueberschär erzählt, dass die entwendeten Bienenvölker sehr viele Tiere umfassen, die somit im Frühjahr große Mengen an Honig ernten können.

Auch Verbandssprecher Ackermann sieht Imker als mögliche Täter bei Bienendiebstählen. Ein Motiv könnte sein, dass sie im Winter ihre eigenen Bienen verloren haben.

Bewegungsmelder schlagen Alarm, sind aber teuer

Es gebe durchaus technische Möglichkeiten, die Bienen zu schützen, berichtet Ackermann. Dies scheint jedoch nicht immer einfach. So könnten Imker beispielsweise kleine Sender in den Bienenbeuten platzieren. Wenn die Behausungen sich dann bewegen, würden die Sender dem Imker ein Signal schicken. In der Praxis können es sich die meisten Imker aber nicht leisten, jede einzelne Beute mit einem Sender zu versehen.

Auch Silvio Ueberschär hält eine Überwachung seiner Bienen für schwierig. Die circa 2000 Bienenvölker der Honigprinz-Imkerei sind auf verschiedene Standorte in Brandenburg und Mecklenburg verteilt. Sie sind in der freien Natur, an Wäldern und Wiesen zu Hause. Die Gefahr weiterer Diebstähle besteht immer. Silvio Ueberschär gibt trotzdem nicht auf: "Von solchen Rückschlägen lassen wir uns nicht unterkriegen."

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