Boulevard der Stars : Geht's hier wirklich nach Hollywood?

Wer würde schon über den Nordpol nach Los Angeles fliegen? Doch ein Wegweiser am Potsdamer Platz schlägt genau dies vor. Eine Glosse

Und das ist der nächste Weg nach Hollywood? Das mag glauben, wer will.
Und das ist der nächste Weg nach Hollywood? Das mag glauben, wer will.Foto: Mike Wolff

Auf die Preußen konnte man sich verlassen. „II Meilen von Berlin“, so weist die steinerne Säule auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße in Zehlendorf seit jeher dem Reisenden den Weg. Zwei Meilen, also etwa 15 Kilometer bis zum Nullpunkt, etwa dorthin, wo sich heute die Spittelkolonaden befinden – das kommt hin.

Auch den modernen Straßenschildern mit ihren Kilometerangaben darf der Autofahrer vertrauen. Aber dann steht der Tourist oder auch der Einheimische vor einem Wegweiser mitten auf dem Potsdamer Platz, liest ein Schild, kommt ins Grübeln: Zum „Hollywood Walk of Fame“ seien es von hier aus genau 9269 Kilometer. Echt?

Das Schild ist an einem eigens aufgestellten Pfosten auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße befestigt, gehört offensichtlich zum „Boulevard der Stars“, soll wohl die Berliner Kopie in die Nähe des Originals, der legendären Sternenmeile in Los Angeles, rücken. Das hat der wenig beachtete Boulevard dringend nötig, schon zweieinhalb Jahre ist es her, dass dort zuletzt Stars mit Sternen geehrt wurden.

Schon damals dürfte das Schild dort den Weg nach Hollywood gewiesen haben, vielleicht sogar schon seit Eröffnung des Boulevards vor neun Jahren – man achtet ja nicht immer auf solche Dinge. Sollte man aber. Denn 9269 Kilometer Luftlinie nach Hollywood, das passt zwar in etwa für die übliche Flugroute über Südgrönland, aber doch nicht für die vom Schild gewiesene. Das Schild zeigt ziemlich genau nach Norden, aber wer nimmt schon den Weg über den Nordpol, um nach Südkalifornien zu kommen?

Von Berlin zum Pol – man kann das bei www.luftlinie.org nachprüfen – sind es 4168 Kilometer, weiter nach L. A. noch einmal 6223 Kilometer, macht zusammen 10 391. Jeder, der sich an das Schild vom Potsdamer Platz hielte, würde also einen Umweg von 1122 Kilometern nehmen. Und eine erhebliche Verspätung in Kauf nehmen. Obwohl: An sich wäre das doch gar nicht so untypisch für Berlin.

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