Brandenburger Landpartie : Ausflug nach Bullerbü

Zur „Landpartie“ öffnen zahlreiche Höfe rund um Berlin ihre Tore. Unter anderem der Bio-Milchbetrieb Rabe in Körzin, wo man frische Milch probieren und Landluft schnuppern kann.

Eva Schmid
Kühe auf dem Erlebnishof Rabe in Körzin/Beelitz.
Kühe auf dem Erlebnishof Rabe in Körzin/Beelitz.Foto: Andreas Klaer

Es ist wie in Bullerbü: Eine kopfsteingepflasterte Straße führt durch den 65 Einwohner-Ort, rechts die Kühe, dahinter die Pferde, am Wegesrand vollhängende Kirschbäume, mitten im Ort ein kleines Café mit verblassten Sonnenschirmen. Katzen streichen einem beim Aussteigen aus dem Auto um die Beine. Es riecht ein bisschen nach Kuhmist.

Auf einem der Vierseitenhöfe herrscht am Mittwoch geschäftiges Treiben, Trecker werden vor und zurück gefahren, im Stall gackern die Hühner, die Kühe liegen im Schatten, zwei Wochen junge Kälber werden mit Milch gefüttert. Der Bio-Milchbetrieb der Familie Rabe wird herausgeputzt, am Wochenende kommen die Städter zur Brandenburger Landpartie.

Der Hof der Rabes ist einer von Dutzend anderen Bauernhöfen, die am Samstag und Sonntag ihre Tore öffnen. Allein 37 landwirtschaftliche Betriebe in Potsdam-Mittelmark machen bei der diesjährigen Landpartie mit.

Die Rabes sind seit gut zehn Jahren dabei, sie wissen, was passiert, wenn Städter nach Körzin, ins Beelitzer Bullerbü herauskommen. Da gehen die Augen auf, da rennen Kinder durch die Ställe, über die Köpfe der Besucher düsen die Mauersegler.

Idyllisch. Der Erlebnishof Rabe in Körzin bei Beelitz ist beschaulich.
Idyllisch. Der Erlebnishof Rabe in Körzin bei Beelitz ist beschaulich.Foto: Andreas Klaer

Man darf frische Milch probieren, viele Fragen stellen, hausgemachten Blechkuchen essen, Sonne genießen, Landluft schnuppern und weit, weit weg vom Trubel der Stadt sein. Hinter den Häusern entlang der Dorfstraße erstrecken sich saftige Wiesen, man ist mitten drin im Landschaftsschutzgebiet Nuthe Nieplitz.

Bauernhof rund um die Uhr

Den Hof betreibt Familie Rabe bereits seit 1820, bis heute leben auf dem weiträumigen Areal mehrere Generationen. Opa Rabe kommt vorbei, grüßt und nimmt einen Strohhut voller Eier vom Tisch. Der 85-Jährige kümmert sich noch um die rund 60 Hühner, fährt Futter und Wasser auf die Weiden, wo ein Teil der insgesamt 160 Rinder grasen.

Seine Enkelin, die 30-jährige Anja Rabe, wird den Hof perspektivisch übernehmen. Noch arbeitet sie mit ihrem Vater und den Großeltern gemeinsam auf dem Feld, im Stall und im Büro. Die ausgebildete Landwirtin ist von klein auf gewohnt, mit Tieren zusammen zu sein. Sieben Tage die Woche für die Rinder da zu sein, von denen derzeit 70 Milchkühe sind, sie zweimal täglich zu melken, zweimal täglich den Stall zu säubern. Für das Futter der Tiere auf den eigenen Wiesen und Äckern sorgen.

Die Familie bewirtschaftet rund 190 Hektar Land. Besonders die Sommermonate, in denen die Ernte eingefahren wird, sind arbeitsintensiv. Ein Arbeitstag fängt auf dem Hof morgens um sieben an, abends um acht sind dann die Kühe gemolken. Die Milch aus Körzin wird jeden zweiten Tag abgeholt und zum Betrieb der Gläsernen Molkerei in Mönchehofe gebracht.

Das Fleisch der wenigen zum Schlachten gehaltenen Rinder verkauft die Familie auch über den Bioverband. Trotz der vielen Arbeit hat sich Anja Rabe für den Job ihrer Vorfahren entschieden: „Es macht mir einfach Spaß und ich wollte die Tradition erhalten.“ Ein anderes Leben als auf dem Bauernhof kann sie sich gar nicht vorstellen.

Jedoch geht es der jungen Landwirtin wie vielen anderen Arbeitnehmern der heutigen Zeit. Stichwort: Work-Life-Balance. Ja, auch das sei ihr wichtig, sagt die zurückhaltende Frau. Sie hat zwei kleine Kinder, vier Jahre und drei Monate. Ihr Mann hat einen Bürojob in Berlin, ist den ganzen Tag weg. Abendessen gibt es bei Rabes schon um fünf Uhr, danach müssen die Kühe gemolken werden. Bis zu vier Stunden am Tag ist die Familie nur mit Melken beschäftigt, im Sommer leisten sie sich einen Angestellten.

Da aber auch Helfer immer schwieriger zu finden sind, will Anja Rabe den Hof mit moderner Technik ausstatten. In vier Wochen wird der Melkroboter angeliefert. Dann läuft buchstäblich alles automatisch – zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Mit Futter werden die Tiere in neue Boxen gelockt, dort bringt ein Roboterarm die vier sogenannten Zitzenbecher an. Vor dem Abpumpen nimmt der Roboter noch eine Milchprobe, um die Qualität sicherzustellen. Alle acht Stunden etwa darf die Kuh zum Melken gehen, ein Sensor erkennt, ob es schon an der Zeit ist.

Gespannt wartet Familie Rabe darauf, wie sich das Leben auf dem Bauernhof mit dem Einzug der neuen Technik verändern wird. Zu viel Zeit für Gedanken bleibt nicht, der Besuch der Städter muss vorbereitet werden.
Termine und Infos: www.brandenburger-landpartie.de

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