Brandenburger Wein : „Derzeit sind die Weine absolut super“

In diesem Jahr hat die Weinlese besonders früh begonnen - im Rheingau wie in Brandenburg. Ein Interview mit Weinexperte Manfred Stoll.

Die Weinlese läuft in diesem Jahr schon seit Anfang August.
Die Weinlese läuft in diesem Jahr schon seit Anfang August.Foto: Jens Büttner/dpa

Herr Stoll, hat bei Ihnen im Rheingau die Weinlese schon begonnen?

Ja, es war der früheste Weinlesebeginn und es ging mit der Rebsorte Frühburgunder los, den wir als Sektgrundwein nutzen. Er war schön lachsfarben mit ausreichendem Zuckergehalt, aber etwas reduzierter Säure. Das wird ein angenehmer Sekt – traditionelle Flaschengärung, versteht sich.

Ein erstes Indiz für einen guten Jahrgang?

Nein, erst wenn der Most im Keller liegt, kann man etwas über die Ernte sagen. Alles andere wäre Kaffeesatzleserei. Im Moment kann man nur etwas über den Zustand und die Inhaltsstoffentwicklung der Trauben sagen.

Nur zu …

Derzeit sind die Trauben absolut super. Die Winzer hatten Anfang des Jahres Glück, dass ein paar kalte Tage die überwinternden Schaderreger reduziert haben und im März und April, also vor dem Austrieb, es rasch warm wurde. Schon die Blüte war in diesem Jahr rund drei Wochen früher als üblich. Durch die anhaltende Hitze ohne Niederschlag zeigen gerade jüngere Rebstöcke mit kleinerem Wurzelsystem zwar gewisse Zeichen von Trockenstress, doch die meisten Pflanzen kommen damit klar.

Was halten Sie von Brandenburgs Weinen?

Es gibt hier eine deutlich intensivere Säure. Das meine ich positiv, denn der Säuregehalt wird in Zukunft ein ebenso wichtiges Qualitätsmerkmal sein wie der Zuckergehalt. Das Risiko für Winzer im Osten und Norden bleiben aber nach wie vor die Winterfröste.

Was raten Sie Winzern hier?

Da die Reifephase im Norden in die kürzeren Tage fällt, sind frühe Sorten sinnvoll. Durch das wärmere Klima kann man aber auch über Rebsorten mit mittlerer Reife nachdenken. Für viele rote Rebsorten ist es in Brandenburg aber nach wie vor zu früh.

Die Fragen stellte Felix Hackenbruch.

Manfred Stoll leitet seit 2015 das Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau der Universität Geisenheim im Rheingau.

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